Fritz-Walter-Derby: Der Schwanzvergleich

fck-vfbMauertaktik on tour: Edel-User und Ex-Kommentarkrösus Wasendiego und Blogwart v. Schleck brausen mit Worp 3 durch die deutsche Herbstlandschaft – ein Ziel fest im Blick: Den höchsten Fußballberg Deutschlands, auf dem morgen das ultimative Derby steigt – Lautern (15.) empfängt Stuttgart (14.). 24 Stunden vorher – der kontroverse Schwanzvergleich.

Die Erfolge

„Ätschbätsch“, kräht Wasendiego und macht eine lange Nase. „Wir war’n schon öfter Meister als ihr!“ Unterfüttert diese Spitze gleich mit „zwei Mal vor ’63, drei Mal in der Bundesliga!“ Hm. Kann ich nicht mithalten, die FCK-Formel lautet 2+2. Noch. Dafür wähle ich die nächste Kategorie aus: Pokalsiege in den Neunzigern. Wasendiego kleinlaut: „Siebenneunzig.“ Meint natürlich das Jahr, nicht die Anzahl. „Neunzig, Sechsundneunzig“, triumphiert Schlecko. Touché. Ebenso wie bei den Meisterschaftsendspielen in den Fünfzigern. 1:1 allerorten. Ob das ein Omen für morgen ist? Vorsichtshalber mal ’ne Kombiwette abschließen.

Das Stadion

Schon bevor ernsthaft debattiert werden kann, gibt der VfB’ler klein bei. „Gnagna, Baustelle“, mault er. „Und die Heimkurve in der Untertürkheimer (was auch immer das sein soll, die Red.). Punkt für euch!“ Danke. Bitte.

Das Maskottchen

„Unser Alligator ist der Inbegriff dessen, was den VfB diese Saison ausmacht“, frohlockt Diego: „Bissig, gefährlich, gefürchtet.“ Dazu sei gesagt: Fritzle (nach dem falschen Fritz Walter benannt, die Red.), so der Name des Ungetüms, ist ein rund zwei Meter großer tapsiges grünes Plüschreptil, das nicht mal Sechsjährigen Angst einjagt. Aber immerhin: Der Kultfaktor scheint höher („Bei der Maskottchen-WM kam er mal bis ins Finale, unterlag nur dem übermächtigen Wappentier des TV Großwallstadt!“) als der des obskuren Oberteufels („Betzi“), der zu allem Überfluss alle paar Jahre das Erscheinungsbild wechselt (aktuell ohne Cheerleaderpuscheln, dafür mit Dreizackschwanz). Hmja. Punkt Diego. Der 2:2-Ausgleich für die Gäste aus dem Schwäbischen.

Die Trainer

Jens Kellers Bilanz seit Amtsantritt scheint beachtlich: Fünf Siege, eine Niederlage („und das in der Stadt, die es nicht gibt“, relativiert der VfB-Hool, „Wolfsburg, pah!“). Doch der Winter droht zum Härtetest zu werden. Wasendiego informiert aus dem VfB-Nähkästchen: „Keller hat eine seltene Fußkrankheit, kann bei Minusgraden nicht trainieren.“ Doch der Trainerjungfuchs hat schon Plan B in der Tasche. Er will ab Dezember in seinem, Achtung: Hobby-Keller trainieren lassen. „Da is schön warm, Kamin und so“. Marco Kurz dagegen konnte in der Bundesliga bislang nur drei von elf Spielen gewinnen. Die Gesamtbilanz (inklusive Pokal- und Freundschaftsspiele) ist dann aber durchaus freundlicher: 16 Siege (darunter das tolle 15:0 gegen die Rheinland-Pfalz-Auswahl), 1 Unentschieden, schlappe 7 Niederlagen. Ein Remis immerhin scheint nicht zu erwarten beim morgigen Kräftemessen. Mental Note: Kombiwette sein lassen. Zwischenstand 3:3.

Die Knete

Eindeutiger geht’s kaum. Hüben: Weltkonzerne wie Sand am Neckarstrand, Billionenprojekte, Innovation, Zukunft – „und das zweitgrößte Volksfest der Welt“, ergänzt Wasendiego (Username durch 20+ Besuche im Bierzelt verdient). Drüben: Nach dem Niedergang der Nähmaschinen- und Auto-Industrie sind als größere Arbeitgeber nur der FCK-Fanshop am Stiftsplatz, das Rathaus (rund 200 Büros mit Einbauküche, aber leider Terrasse statt Balkon) und der Amerikaner (Diego: „Ami, go home!“) übrig geblieben. 4:3 VfB.

Der Wein

„Ich trinke verdammt noch mal KEINEN Trollinger“, wütet Wasendiego, noch bevor man überhaupt fragen konnte. Gibt damit diesen Punkt mehr oder minder kampflos an die Pfälzer Weinstraße ab. Apropos: Ronnie Hellström heute auf dem Weinfest in St. Martin! Wir vielleicht auch. Bis später. 4:4.

Die Ikonen

Weltmeister gegen Einarmiger – scheint auf dem Papier eine klare Sache zu sein. Doch in Zeiten von Antidiskriminierungsgesetzen wäre VfB-Legende Robert Schlienz (Selbstamputation durch Rauchen am offenen Autofenster) vielleicht doch ein Kandidat für den Bundestrainer. Ein Punkt für Walter, „auch weil er es schafft, in diesen miesen Kommerzzeiten ein Team ohne Trikotsponsor auflaufen zu lassen“ (Lob von Diego), Einarm-Punkt für Schlienz. 5:5.

Die Torwarttrainer

Jochen Rücker gegen Gerry Ehrmann – das Duell der Unverwüstlichen. Rücker sitzt traditionell beinfrei auf der Ersatzbank (Höhe- resp. Tiefpunkt das Auswärtsspiel bei Zenit St. Petersburg bei minus 28 Grad, Diego: „ein echter Schwabe!“), Gerry schießt seine Jungs vor dem Anpfiff noch eigenfüßig grün und blau, hat außerdem mit Weidenfeller, Wiese und Fromlowitz drei vereinsexterne Referenzen in petto. Außerdem gewinnt er selbst jenseits der 50 noch jedes Sprintduell zum vierten Offiziellen. Knapper Punkt Gerry. 6:5 FCK.

Protestkultur

Stuttgart 21 gegen… hm… die Schließung des Coca-Cola-Werks Kaiserslautern im Februar 2009. Der Aufstand der wackeren Pfälzer hat es leider nicht in die Bundespresse geschafft. Deshalb klarer Punkt für die „steineschmeißenden und wasserwerferresistenten Kinder von begüterten Eltern“ (Gerhard MV). Endstand also: 6:6.

Der Tie-Break muss also entscheiden. Seien Sie dabei – morgen ab 15:30 Uhr, live im Mauertakticker!

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

12 Gedanken zu „Fritz-Walter-Derby: Der Schwanzvergleich“

  1. Langweilig ist euch auf der Zugfahrt also nicht geworden, wunderbar! Dann mal viel Spaß morgen und ich drück dem VFB beide Daumen! 😉
    Liebe Grüße aus dem windigen Hamburg!

  2. sehr sympathischer artikel witzig geschrieben…und auch sehr objektiv betrachtet!
    *daumen hoch* und drei punkte für den fck

  3. hier fehlt noch die kategorie trikotwerbung, die dank karlsberg und campari meiner meinung nach eindeutig an den betze gehen sollte.
    dennoch will ich den tie-break nicht vorweg nehmen.
    viel spaß aufm weinfest und morgen im stadion.

  4. Nicht zu vergessen, dass die Hools aus Lautern und Stugga eine Verbindung verbindet.

    Nach Jahrzehnten des Altschlägertums sah man die beiden Gruppen zuletzt gegen Frankfurt auf dem Betze vereint.
    Ist ja auch klar, wenn sich die komplette Hooligan-Szene des Süd-Westens (da wo die Besten) versammelt ist auf der Gegenseite mit der Adlerfront, Mannheimer City-Boys, diversen Franzosen und dem 1.FC Saarbücken.

    7:7 weil Testosteron

  5. Karlsberg, Campari, Allgäuer Latschenkiefer…der Alkohol haut rein…

    Vereinslied. Klarer Punkte für den Betze. Jeder Club ist uns willkommen, jede Mannschaft gern gesehen. Außer Bayern.

    Stadionname: 1 Punkt für den FCK, 1 Punkt Abzug für den VFB.

    Wann wird jetzt eigentlich das Stadion vom VFB unter die Erde gelegt?

  6. @ckwon: Die (Süd-)Milch machts! Und „Oben bleiben“ lautet das Motto – nicht nur beim VfB! 😉

  7. @poznaniak: Hätten wir den Artikel am Sonntag Morgen nach unserer „Nachtschicht“ verfasst, würdest du verstehen, was wir damit meinen… 😉

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