Quo vadis, 90er?

brehme-paniniSie sind irgendwie in Vergessenheit geraten: Unsere Weltmeister von 1990. Mauertaktik begibt sich auf die Spurensuche nach den Helden von einst.

Gestern hatte Brehme Geburtstag. Vielleicht auch heute, ich weiß nicht.

Andreas Brehme ist wie so viele unserer bis heute letzten Weltmeister irgendwie von der Bildfläche verschwunden. Immerhin hört man: Brehme lässt es sich gutgehen, wie sich das für einen Weltmeister gehört, er sitzt gerne und lange beim Thai in München-Grünwald und bestellt Multivitaminsäfte und manchmal auch ein Reisgericht. Auch im Stadion ist er oft. Er ist ja von Beruf, wie gesagt, Weltmeister. Da muss man sich zeigen. Neulich ging seine Ehe mit Pilar in die Brüche, nach 23 Jahren. (Brehme dazu: „Wir haben uns einfach auseinandergelebt.“) Schade, irgendwie. Pilar, „ehemals Stewardess, heute selbstständig“, und Andy, ehemals Fußballspieler, heute ehemaliger Fußballspieler, das passte.

Bei Lothar und den Frauen war das eher so wie in dem Film: Was nicht passt, wird passend gemacht. Über Matthäus (Status bei der WM ’90: Dampfhammer und Mittelfeld-Lok mit Schuhproblem) ist aber ansonsten keine Zeile mehr zu schreiben, die nicht schon geschrieben worden wäre. Nur so viel: Er ist derzeit (Dienstag, 20:32 Uhr) Nationaltrainer in Bulgarien – und hat damit bald den kompletten Ostblock durch (rein im fußballerischen Sinne natürlich).

Aber was machen die anderen eigentlich alle: Kokser, Diego, Icke und der Rest vom Fest?

Guido „Diego“ Buchwald (Status ’90: rotzfrecher Argentinierbewacher, Übersteiger- und Flankengott):

In Japan, wo er schon 1994 bis 1997 als Spieler geglänzt hatte, feierte Diego-san auch als Trainer ersten großen Erfolg: Den Gewinn des Franz-Beckenbauer-Cups (Kaiserpokal) mit den Urawa Red Diamonds – und wenig später auch den Meistertitel. Doch zurück im kalten Heimatschland erging es Japans „Trainer des Jahres“ ungleich schlechter. Nach seinem Kurzengagement bei Alemannia Aachen ist der Maradona-Killer von vor 20 Jahren vom Trainerkarussell gepurzelt – heute ist er immerhin Pate einer Stuttgarter Jugendherberge.

Jrgn „Jürgen“ Klinsmann (Status ’90: unermüdlicher Sturmläufer und rhythmischer Sportgymnast, vgl. Monzon-Bodenkür):

So wie Klinsi einst mit seinem drolligen Käfer durch ganz Europa flitzte, brauste er nach seiner aktiven Laufbahn die Karriereleiter rauf und runter. Der neue deutsche Bondscoach wurde vom gepriesenen Heilsbringer zum meistverrissenen Mann des deutschen Sports, dann zum märchenhaften Sommerkönig – und war dann plötzlich weg. Und dann wieder da, bei den Bayern, und dann auch schon wieder weg. Nur um diesen Sommer in Südafrika sein großes Comeback zu geben – als Kommentatoren-Sidekick bei RTL. Richtig toll war das. Da durfte er zwischendurch die Sachen sagen, die er vier Jahre vorher seiner Mannschaft gesagt hatte („Körpersprache, Männer!“ – „Da müsse mer dransein an de Männer!“ usw.) Immerhin eine weitestgehend sinnvolle Beschäftigung, verglichen mit den alten Teamkameraden (siehe o. und u.). Übrigens ist Jay Goppingen seit kurzem Berater beim FC Toronto. Na, die werden sich buddhanken.

Bodo „Bodo“ Illgner (Status ’90: Spielerfrauenmann):

Rückblickend haben wir eigentlich nur in einem Spiel einen Keeper gebraucht damals: Im Halbfinale gegen England, als Illgner sich richtig reinkniete. Die anderen Partien hätte Beckenbauer auch mit „letzter Mann“ bzw. „Fliegender“ spielen lassen können. Nunja, Bodo Internationale lebt jedenfalls als Privatier in Florida. Mit Fußball will er nichts mehr zu schaffen haben. Ein Ehe-Aus ist nicht zu befürchten. 2004 schrieben er und seine Bianca ja auf, was sie verbindet: „Alles.“ Schön.

Quick Update:
Icke
Häßler war zwischenzeitlich mit Berti in Nigeria, jetzt wieder in Köln, Techniktrainer, die alte Zaubermaus. Jürgen „Kokser“ Kohler startete 44-jährig nochmal ein Comeback in der Kreisklasse, trainiert desweiteren die A-Jugend des SV Grafschaft, was ihn irgendwie adelt. Und Uwe Bein versteckt sich vor sich selbst. Wurde zuletzt im kreativen Mittelfeld gesichtet, kann schon so zwei Jahrzehnte her sein…

Achja, bevor wir’s vergessen: Alles Gute, Andy! Wird schon. Und: Kopf hoch. Jedenfalls bitte keinen Sand reinstecken (siehe Lothar)!

Bild: Flickr / Thomas Duchniki

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

9 Gedanken zu „Quo vadis, 90er?“

  1. Großartiger Artikel, bei dem mir aber nur noch eine Sache fehlt: Wo sind Günter Herrmann und Frank Mill abgeblieben?

  2. das beste an der wm neunzich, war neben dem weltpokal das geilste maskottchen äwa! herrlich dieser stäbchenmann.

  3. ja und legendar auch die winpullen in weltpokal form, die in so manchem regal verstaubt.

Kommentare sind geschlossen.