Causa Hoeneß: Die Besserwisser

Auch in der zweiten Woche nach dem Ausbruch des Uliafjallahoenell raucht es noch mächtig – über dem Vereinsgelände des FC Bayern an der Säbener Straße ebenso wie in den Köpfen aller möglichen Betroffenen und Experten. Wer es alles besser weiß, weiß Mauertaktik.

Udo Lattek (DSF-Alterspräsident): „Hoeneß und van Gaal werden beide nicht von ihrem Standpunkt abweichen. Ich bin gespannt, wer zuerst kaputt geht.“

Interessante Möglichkeit: Vielleicht werden es weder Trainer noch Präsident sein, die als erstes kaputt gehen, sondern der sieche Experte selbst. Schon seit Monaten sorgen sich Udos Fans um den Körper- wie Geisteszustand des ehemaligen Fußballlehrers, den er Sonntag für Sonntag im Altenteil-Sessel „vorne links“ zur Schau trägt. Viele denken: Lange geht das nicht mehr gut. Mauertaktik wünscht allen drei Beteiligten jedenfalls gute Besserung!

Christian Nerlinger (FCB-Repräsentant ohne größere Zuständigkeiten): „Ich dachte, dass wir Krisenzeiten eleganter überstehen.“

Offensichtlich ist: Der bayrische CEO-Novize hätte am liebsten, dass sich alle am liebsten haben. Kann nicht endlich auch mal dieses ewige Morden und Hungern in der Welt aufhören? Und warum muss man sich immer so doll streiten? Menno, Louis, Uli, echt, ey! Hört doch mal auf zu stänkern, jetze! LG, euer Chris.

Karlheinz Rummenigge (Bayern-Boss): „Lieber Louis, Bayern München ist immer ganz einfach: Du musst nur gewinnen, dann ist alles in Ordnung.“

Kalle hat’s im Gegensatz zu Nerli begriffen. Nach 36 Jahren im Profifußball macht dem Pfiffikus aus Lippstadt keiner mehr was vor. „Sieg’ oder flieg’“, so also das eingängige Leitmotiv des passionierten Sozialdarwinisten, der schon zu aktiven Zeiten wusste, dass nur der mit den sexysten Knien in diesem harten Männerbetrieb überlebt. Also, Louis, jetzt musst du dich entscheiden: Wer soll dein Herzblatt sein? Der Erfolg oder der Schleudersitz – es ist doch so einfach…

Mario Basler (Lebemann): „Früher zu meiner Zeit hat Hoeneß die gegnerischen Vereine angegriffen. Heute greift er den eigenen Trainer an, und zwar massiv. Das ist für mich unfassbar.“

Basler dagegen hat „früher zu seiner Zeit“ am liebsten andere Gäste in italienischen Schnellrestaurants angegriffen, mitunter auch massiv (also nicht den Rapper aus Pirmasens, den gab’s da noch nicht). Viele fanden das unfassbar, unter anderem der Bayern-Vorstand, der Basler deshalb beurlaubte. Der lange Weg des Mario B. führte ihn in der Folge über die weite Welt (K’lautern, Katar) bis nach Burghausen. Damals wie heute jedoch besitzt Basler ein stabiles Baumhaus im Blätterwald der Republik. Und hat immer mal wieder ein handfestes Statement parat (s.o.).

Rölf Tupperwahn (Sportstudio-Erfinder und Fußballpionier A.D.): „Dem Frieden, der unter der Woche geschlossen wurde, traue ich nicht. Dafür müsste van Gaal alles gewinnen. Da er das kaum schaffen wird, wird es hoch hergehen…“

Töppi hat derzeit seine ganz eigenen Probleme. Zu seiner weitreichend promoteten Selbstbeweiräuchografie „Von Braunschweig bis Johannesburg“ hagelt es Verrisse. „Peinlich und selbstverliebt“ nennen sie Kritiker, und der selbsternannte Fakten-Kaiser soll es offenbar auch bei Daten und Namen nicht so genau genommen haben – in Töppis Schinken begann Andy Thom seine Karriere jedenfalls bei Dynamo Dresden und nicht beim Berliner FC Dynamo. Naja, Dynamo hin oder her… Dafür erfährt man ganz viele Sachen, die Töppi ganz viel besser gemacht hat als alle anderen! Ein Amazon-Rezensent fasst zusammen: „Er spricht teilweise sogar über sich selbst in der dritten Person!“ Das immerhin hätte er ja mit einer Bayern-Legende gemein: (ein) Lothar Matthäus. Womit wir die Kurve zum Thema wieder bekommen hätten.

Franz Beckenbauer (Kaiser): „Dann wird’s halt ein anderer. So schlimm ist das nicht.“

Hat der Franz den Louis schon aufgegeben? So schnell fällt man also durchs kaiserliche Sieb? Nein, nein, Entwarnung! Er meinte ja gar nicht einen potenziellen neuen Trainer, sondern die Meisterschaftsfrage. Im Spätherbst seines Lebens wird der einst so ungeduldige Hobby-Choleriker nachgerade tiefenentspannt. Meister? Ach, mir doch wurscht. Fußball? Nicht mehr meine Welt. Konfuzius! Mein Mann… Ach, Kaiser. Wann tickst du endlich mal wieder aus? Nicht mal beim Bankett redest du mehr! Für mehr Uwe-Seeler-Traditions-Vergleiche plädiert: Deine Mauertaktik.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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