Speedy Gonbales | Schnellste Maus von Wales

garreth-bale-speedWer am Mittwoch nicht Spurs-Inter gesehen hat, ist selber schuld. Es war der Abend, an dem Tottenhams Linksaußen Garreth Bale sich endgültig in die Weltklasse hochspielte – und dabei nebenbei Maicon und Lucio zur Verzweifelung trieb. Die Mauertaktik-Huldigung (inkl. Must-See-Video).

Wo dereinst stolze Hengste mit wallender Mähne die Äcker der Welt bearbeiteten und dabei Charme, Anmut und Würde über der goldgelben Herbstlandschaft versprühten, arbeiten nun schnöde Maschinen aus Blech, Stahl und stinkenden Motoren.

Wo dereinst filigrane Techniker mit einem gesegneten Gefühl für den Ball und den freien Raum eine geniale Flanke nach der anderen auf des Stürmers Haupt zelebrierten, stümpern auf den linken Fluren der Fußballwelt derzeit mehr als mittelmäßige Fußballarbeiter herum und beflecken ihre kaum mehr aus Leder bestehenden Treter mit der Kreide der Außenlinie.

Wer sind diese durch Fußballschulen, neueste Trainingsmethoden und Taktikschulungen hervorgebrachten „Fußballer“? Sie schimpfen sich Flügelzange und linker Außenverteidiger. Sie heißen Silvestre, Boenisch, Badstuber, Bieler, Skrtel, Jansen, Santon, Marcelo und Abidal… Und sie alle versuchen dem Spiel, auf einer der wichtigsten Positionen des modernen Fußballs Akzente zu geben und Angriffe zu inszenieren. Was muss ein Roberto Carlos, der wohl dominierendste „linke AV“ der jüngeren Geschichte für einen Scham verspüren, betrachtet er sich seine Nachfolger. Und Emmanuel Petit dürfte sich inzwischen mit Grausen jedes einzelne Haar seines blonden Schopfes ausgerissen haben. Ja, selbst ein Jan Wouters, von Hause aus eher zum Sensenmann geboren, drückt sich wohl bei derartigem Anblick die ein oder andere Frust-Frikandel zwischen die Kiemen.

Bale – der Meister der Selbstimitation

Doch Hoffnung naht, ihr Recken von einst! Denn es erscheint derzeit ein neuer Stern am Firmament der linken Kleben. Jung, rasend schnell, technisch versiert, ausgestattet mit unendlich viel Selbstbewusstsein und dabei bodenständig wie eh und je. Die Rede ist von Gareth Bale – walisischer Nationalspieler und in den Diensten der Spurs aus Tottenham. Schon vor zwei Wochen machte sich Bale einen Spaß mit Inter und erledigte die Treffer vom 0:4 bis zum 3:4 in feinster Eigenregie und Selbstimitation. Vier Mal mit links, vier Mal trocken rechts unten und vier Mal nichts zu halten für Inters Keeper. What a glory day.

Wer sich bis dato gefragt hatte, wieso Tottenham vor der Saison mehrere Offerten in Höhe von 35 Millionen Euro abgelehnt hatte, dürfte eines besseren belehrt worden sein. Doch Baleinho, dieser tollkühne Brasiliero-Waliser, setzte noch einen drauf und foppte im Rückspiel erneut die gesamt Inter-Abwehr. Aber wer bitteschön ist auch schon Maicon? Nie gehört. Bemühen wir einmal die Fabel vom Hasen und dem Igel – Bale der Hase, Maicon der Igel. Nur leider gab es hinter Maicons Nicht-Sprints null Igel-Konzept. Er ist schlicht und ergreifend einfach viel zu lahm für Raketen-Garry. Dessen Sprints waren für jeden Fußballfan so begeisternd wie feinste belgische Schokolade für den Feinschmeckergaumen oder Pizza Calzone al Pottwal für Calli. Locker flockig einmal angechipt und dann auf zehn Metern Lucio deren dreizehn abgenommen. Aber gut, war ja immerhin auch schon die 89. Minute…

Und wo fährt ein walisischer Gareth hin, wenn sein Trainer ihm mit der Bemerkung: „Fahr mal ein paar Tage ins Ausland, bekomm den Kopf frei!“ einige Tage frei gibt? Richtig, heeme zu Mutti nach Wales. Was für ein Kerl!

So bleibt nur eins zu sagen: Oh du lieber Usain Bale, du genetisches Wunderwerk, du langbeiniges Geschoss, du Flügelflitzer unter den Flügelflitzern: Vermehre dich, streue deine Gene, beschere uns mehr neue Bales. Aber zwischendurch nicht vergessen: Lauf, Gareth, Lauf!

Must See: Die komplette Bale-Show gegen Inter!

Bild: Flickr / Nathan Eal

3 Gedanken zu „Speedy Gonbales | Schnellste Maus von Wales“

  1. Vielen Dank Mr. Ritschie, you certainly made my day!

    1 Jaher her und Harry hat sich nicht getraut Bale in der Premier League überhaupt spielen zu lassen. Er hatte, in 24 spielen, kein einzigen Spiel mit Spurs gewonnen. In den ersten Jahr hat man schon gesehen was er kann, aber viel verletzt war er auch und er hat nie gewonnen – mit Spurs in der Liga…irgendwann haben sie gewonnen, 6 Monate später hat er gegen Gooners und CSKA London entscheidene Treffer erzielt. Was die schnelle Maus aus Wales noch kann, das ahnen wir nur…sein Treffer gegen Stoke war schon ein Kandidat als Tor des Jahres: http://www.youtube.com/watch?v=f2344ANe_3E

    Das Beste ist; der Junge kann noch besser werden, er ist nur 21…the Sky is the Limit und die Engländer ärgern sich dass Wales NOCH ein Flügelkönig haben, und sie nicht. Cliff Jones, Ryan Giggs….und Gareth Bale?

  2. „Tottenham hat einen Zyklon auf dem linken Flügel. Er kombiniert die Größe und den Körperbau eines 800-Meter-Läufers mit der Beschleunigung und der Geradlinigkeit eines Rugby-Spielers. Und wenn er zur Grundlinie kommt, flankt er wie ein Brasilianer. “

    El Mundo, Spanien, über Gareth Bale

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