Über Siebenbürgen musst du geh’n…

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Anus mundi: Cluj City

Die Bayern verschlägt es am 4. Spieltag der Champions-League-Gruppe E ins ferne Siebenbürgen, zum dort ansässigen CFR Cluj. Was erwartet die Mannen von Reiseführer van Gaal dort? Wo liegt diese Stadt überhaupt? Mauertaktik hat sich umgeschaut – hier kommt der Reiseführer.

Die Historie

Wer hätte gedacht, dass in Gruppe E auf die Bayern streng genommen ein deutsch-deutsches Derby zukommt. Denn Cluj, im schönen Siebenbürgen gelegen, hieß bis 1919 ungleich unexotischer, nämlich: Klausenburg. Bevor die Fußballhochburg im Osten, die auch westdeutsche Fußballgrößen wie Auge, Toppi, Fichtel und Täuber hervorgebracht hat, nach dem 1. Weltkrieg auf einmal in Rumänien lag, hatte der CFR Cluj tatsächlich „Klausenburger Eisenbahner Sport Klub“ geheißen. Das sage noch einer, die UEFA-Osterweiterung hielte nicht auch rassige Derbys für die alteingesessenen Zentraleuropäer parat!

Das Team

Ein rumänischer Verein ist der CFR nicht unbedingt, das wird mit einem Blick auf den Kader schnell klar. Neben den Italo-Argentiniern Costa und Peralta und dem franko-portugiesischen Rechtsverteidiger Tony haben die Vereinsoffiziellen mit falschen Versprechungen (Immer Sonne! Spielen Premier League!) auch nicht wenige Afrikaner ins ferne Siebenbürgen gelotst: Zu ihnen gehören Dominique Kivuvu, die Koné-Twins und Lacina Traoré, der wertvollste der insgesamt zehn Traorés (kein Scherz), die sich derzeit im europäischen Fußball tummeln. Fraglich sind die Einsätze von Christian Bud und Abwehrmann Felice Piccolo, die beide mit Alkoholproblemen kämpfen. Abgerundet wird die kunterbunte Söldnertruppe mit dem kleinen Bruder eines großen Schweizer Ex-Profis: Ferdinando Sforzini.

Die Zahlenspiele

Was definitiv dazu gehört bei obskuren osteuropäischen Klubs, das sind die exotischstmöglichen Rückennummern irgendwo zwischen Schnaps-Delirium und Football-Running-Back. Und so finden sich – wenig verwunderlich – beim traditionsreichen Karnevalsverein aus Klausenburg nicht nur die Nummern 33 und 44 (für die beiden Ersatzkeeper), sondern auch die 55, 66, 99 und 85 im Kader der laufenden Saison. Zusatzzahl: Null (im Sinn). Chancen aufs Weiterkommen: 33 Komma Periode 3.

Die Aussprache

Hier hat jeder seine ganz eigene Theorie. Bayern-Trainer Louis van Gaal artikuliert das drollige einsilbige Wort wie das „Flutsch“ in „Flutschfinger“, während Uli Hoeneß einmal mehr nicht auf der gleichen Linie mit dem Holländer ist und „Cluj“ stattdessen wie das „Hui“ in „Hui Buh, das Schlossgespenst“ ausspricht. Kalle Rummenigge dagegen schwört auf das ungleich einfachere „Klausenburg“ – mit „Klaus“ wie „Schlappi“ und „Burg“ wie „Burgsmüller“… Weitere Varianten: „Klatsch“ wie die englische Kupplung, „Klusch“ wie „Tusch“ und „Kluh“ wie „der Clou“ (P. Newman, R. Redford). Suchen Sie sich was aus!

Die Stadt

Die viertgrößte Stadt Rumäniens, die sich malerisch an den Kleinen Somesch schmiegt, weiß durch ihre gewitzte Melange aus historischem Stadtkern und dem maroden Schick 40-stöckiger Plattenbauten zu begeistern. Unbestätigten Meldungen zu Folge soll der erste CFR-Auftritt in der Champions League, der 2009 mit einem 2:1-Sieg beim AS Rom endete, auch zur Folge gehabt haben, dass rund 2.000 Roma-Fans die Fahnen wechselten und sich am Stadtrand niederließen. Keiner Erklärung sollte es darüber hinaus bedürfen, dass es in Cluj offiziell nur sieben Bürger gibt (Dunkelziffer: 306.474).

Bild: Flickr / nrares

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

7 Gedanken zu „Über Siebenbürgen musst du geh’n…“

  1. Herr Schleck, ich ziehe meinen Hut: Der bisher mit Abstand beste Artikel von ihnen auf diesem Portal! :-)

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