Immer wieder Hertha…

dfb-pokalWerder Bremen gilt als klassische Pokalmannschaft. In fünf der letzten zwölf DFB-Pokal-Endspiele vertreten, die zweitmeisten Cupgewinne hinter Rekordsieger Bayern München und seit 22 Jahren im Pokal zu Hause ungeschlagen – Bremen ist Cup. Wenn aber Werder der Prototyp des Pokalerfolgs ist, dann muss man Hertha BSC Berlin konsequenterweise nunmehr endgültig die Anti-Pokalmannschaft der letzten Jahrzehnte nennen. Rück- und Ausblick auf die Misere.

Wenn Herthas Brasilianer Raffael gesteigerten Wert auf Pokalspiele legt, sollte er sich ernstlich mit dem Thema Vereinswechsel befassen. Denn falls ihm nach seinem Platzverweis beim Pokal-Aus in Koblenz und dem anschließenden Ausraster am Spielfeldrand tatsächlich drei bis vier Spiele Sperre drohen, dürfte er in Anbetracht der durchschnittlichen Pokal-Halbwertszeit der Berliner erst um das Jahr 2013 wieder eine Partie absolvieren.

Hertha und der Pokal – das passt zusammen wie der gemeine Berliner und die Freundlichkeit. Nur vier Mal in den letzten elf Jahren kamen die Berliner überhaupt über die zweite Runde hinaus, nie gelang der Einzug ins Halbfinale – und das Aus ereilte die Herthaner öfter als nicht gegen einen unterklassigen Gegner. Kein Zweifel: Das frühzeitige Ableben aus dem Bewerb gehört zur Hauptstadt wie Schnauze und Currywurst.

Blicken wir kurz zurück: Im vergangenen Jahr war ebenfalls in Runde zwei beim Zweitligisten 1860 München Schluss. Die erste Runde hatten die Berliner für Hertha-Verhältnisse „mit Bravour“ bestanden (3:1 n. V. bei Viertligist Preußen Münster). In den Jahren davor hatten Fußball-Giganten wie der Wuppertaler SV, Eintracht Braunschweig oder Holstein Kiel die Hauptstädter in steter Regelmäßigkeit früh ins Wanken gebracht. Lange unschön in Erinnerung blieb auch die 2:4-„Auswärts“-Niederlage gegen den unterklassigen Stadtrivalen Tennis Borussia im eigenen Stadion im Oktober 1998. Aracic? Es gibt keinen Aracic!

Wie kann man sich diese veritable Pokalphobie erklären? Es muss an der generellen Verachtung des Berliners für alles Kleine und Provinzielle liegen. Egal ob „Ostler“, „Landeier“ oder „Pornohippieschwaben“, die (in den Augen der Alteingesessenen) seit Jahren einige Berliner Bezirke überschwemmen – für sie alle hat der Berliner wenig mehr als Verachtung übrig. Und wen wundert’s, angesichts der Tatsache, dass das Bezahlen mit Münzen auch kleinerer Menge in originären Berliner Lokalitäten stets mit dem halb gebellten, halb geknurrten Ausspruch „Jeht’s noch kleener?!“ bedacht wird, dass die Fußball-Profis der Stadt sich in „kleenen Scheißnestern“ wie Koblenz oder Kiel nicht die Trikots schmutzig machen wollen?

Nein, es sollte uns nicht wundern. Liebe DFB-Ansetzer, sehen Sie es doch ein! Freilose für die Hertha, bis nur noch Große im Wettbewerb verblieben sind, würden nicht nur die Chancen der Berliner auf die erste Finalteilnahme seit 1979 erheblich steigern, sondern es auch dem armen Raffael unter Umständen ermöglichen, noch ein weiteres Mal im blau-weißen Dress im Cup aufzulaufen…

Aber vielleicht ist es ja auch ganz einfach der Höre-Fluch, der den Klub belastet. 1993 starteten die Hertha-Bubis, die zweite Mannschaft der Berliner, bis ins Finale gegen Bayer Leverkusen durch. Das Amateur-Team um Christian Fiedler, die Schmidt-Brüder und Carsten Ramelow unterlag nur durch das späte Tor von Ulf Kisten. „Hi-ha-höre, Hertha Amateure“, schepperte es noch lange danach durchs weite Rund. Vielleicht also ist auch die vollständige Abschaffung der Profi-Abteilung vonnöten, um endlich wieder Erfolg zu haben…

Bild: Wikimedia Commons

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Immer wieder Hertha…“

  1. Bitte Hirn einschalten!
    Zur Alten Tante Hertha kommen mehr „Ostler“ als zum „OST – Berliner Kultverein“!
    Pornohippieschwaben werden zwar nicht gemocht, aber Berliner, Bayern, Sachsen usw. werden von den jeweiligen Landeiern in ihren Ländern auch nicht gemocht!
    Also „Hirn Einschalten“!
    Ein Landei

  2. Hertha’s Keeper Marco Sejna zum Führungstor:
    „Über Kobi landet der Ball bei dem Koblenzer, der einfach nur draufwichst, um den Ball rauszuschlagen.“
    Den Ball hätt ich auch nicht mehr angefasst…

  3. da kann ich nur die alte aus der Schlussszene von herr Lehmann zitieren:
    „Scheiße, jetzt kommen die alle rüber.“

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