Stark nachgelassen!

Es war der Aufreger beim Spiel Dortmund gegen Hoffenheim. Schiri Wolfgang Stark pfiff den erfolgreichen Elfmeter von Nuri Sahin zurück, weil Spieler angeblich zu früh in den Sechzehner gelaufen waren. Schon seit einer Weile beobachten wir die Kleinlichkeiten der ehemals schwarzen Männer mit Argwohn. Nun ist die Zeit gekommen für einen Rundumschlag gegen das Schiedsrichterwesen. Mauertaktik holt die Axt raus.

Nuri Sahin kann einem dieser Tage ein bisschen leid tun. Erst wurde er beim Spiel in Köln von seinem Gegenüber Lukas Podolski unmissverständlich darauf hingewiesen, dass die Türkei (mit Sahin) wirklich 0:3 in Berlin gegen Deutschland (mit Poldi) verloren hatte. Und dann verschwor sich am Sonntagnachmittag Schiedsrichter Wolfgang Stark mit sich selbst gegen Sahin und nahm sich vor, dessen Elfmeter so lange wiederholen zu lassen, bis er nicht im Tor war. Klappte schon beim zweiten Versuch – stark gelaufen für Wolle.

Wenn man es nicht besser wüsste, würde man Stark fremdenfeindliche Ressentiments unterstellen. Das ist natürlich Quatsch – aber hat damit auch wieder etwas mit dem Thema zu tun. Denn eine Regelauslegung, wie sie der Mann aus Landshut bei besagtem Strafstoß an den Tag legte, ist ebensolcher mit Soße. Sie passt aber in den Zeitgeist der schwarzen Zunft, die immer akribischer wird und sich dabei immer weiter vom Spiel entfernt.

Vielleicht wollte Mr. Strong nur seinem in dem einschlägigen Video-Klassiker „Der Imperator“ erworbenen Ruf als Kaiser der königlichen Pedanterie gerecht werden und pfiff deshalb den 1:1-Ausgleich zurück. Viele andere Gründe fallen einem nicht ein, denn keiner der Spieler (von beiden Mannschaften!), die einen Tick zu früh die Kreidegrenze überquerten, kam des Schiris Namensvetter Tom im Hoffenheimer Tor bei dessen versuchter Rettungstat in die Quere.

Die Schiedsrichter befinden sich schon seit geraumer Zeit im Abseits. Nicht nur dass der Kurvenklassiker, wonach der Schiri, in diesem Fall verbal als grunzendes Tier mit dunklem Fell und Ringelschwanz porträtiert, am Besten in luftiger Höhe baumeln sollte, vollkommen aus der Mode gekommen ist – nein, die Schiris werden den Fans insgesamt einfach unheimlich.

Und das liegt nicht nur daran, dass jeder Stürmer nach vollendetem Torerfolg zunächst einmal sein persönliches Kartenkontingent überprüfen muss, um dann zu entscheiden, wie ausgelassen er sich selbst feiert, sondern auch dass die Unparteiischen selbst in die Protagonistenrolle drängen. Nach dem avantgardistischen „gay referee“, der zu Walzerklängen akrobatische Verrenkungen vollführt, ließ sich vor zwei Jahren Thomas Metzen aus Mechernich zum neuartigen Doppel-Gelb verleiten. Da minus mal minus im Fußball leider immer noch nicht plus ergibt, wurde Metzen nicht nur vom DFB abgestraft (nur noch Winkmann in der Landesliga), sondern brachte auch die schwarze Kaste weiter in Verruf.

Mauertaktik sagt: Schiri, bleib bei deiner Pfeife! Lösungsansatz 1: Zurück zur schwarzen Kluft! Das macht die Gespanne nicht nur im Nach- resp. Kabinengang leichter identifizierbar, sondern wirkt auch weniger knallig, poppig, aufgesetzt. Ansatz 2: Spiele auch mal laufen lassen! Tolle Prämien (Plasmafernseher, Cafébesuch, etc.), ausgelobt von Lehrwart Eugen Striegel für Halbzeiten mit weniger als fünf gepfiffenen Fouls, würden den internen Wettbewerb ankurbeln – und Fußball wieder schneller, ehrlicher und betrachtenswerter machen. Ansatz 3: Fitnesstests für Schiris abschaffen. Was waren das noch Zeiten, als Leute wie Wolf-Dieter Ahlenfelder mit üppigem Bauchladen herumliefen und bei Reklamationen nur bekannt gaben: „Pils, und gut ist!“ Da müssen wir wieder hin. Und der erste Tag der Zukunft ist heute! Herzlichst, Ihre Mauertaktik.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

15 Gedanken zu „Stark nachgelassen!“

  1. Dieser Pfiff gegen Dortmund war natürlich übertrieben – da gab es schon eindeutigere Übertretungen.
    Grundsätzlich ist es dieses Hereinlaufen oder auch das nach vorn Bewegen der Torleute aber auch eine weit verbreitete Unart die unterlassen gehört, ebenso wie diese Mauer-Tip-Top-Schritte Richtung Ball beim Freistoß.

    Blöd für Dortmund, aber denen passiert das beim nächsten Mal sicher nicht mehr…

    Im übrigen besagt Regel 14, dass der Elfmeter auch wiederholt wird, wenn Spieler beider Teams dagegen verstoßen!

    Über Sinn und Zweck einiger Regeln kann man ja streiten, aber solang sie bestehen gehören sie eingehalten…

    Viel interessanter war ja wohl die Gelbrote Karte gegen Salihovic nach Abpfiff – besonders wenn man sich noch einmal die Situation ansieht, die zur ersten Verwarnung führte!
    Zumindest also darf man Stark konsequente Albernheit unterstellen, keinesfalls aber Benachteiligung der Dortmunder.

  2. wenn ich richtig gelesen habe, geht es ja nich um benachteiligung vom BVB, sondern eben um vollkommen unsinnige und inkonsequente regelauslegung. denn auch beim 2.lief ein dortmunder zu früh in den strafraum, weiß eh nicht was das soll, dass is ja quasi so wie passives abseits. sollte meiner meinung nach nur zurück gepfiffen werden, wenn der zu früh reingelaufene im nachschuß den ballk rein macht. is ja nich so, dass der reinlaufende den keeper irritiert.
    oas an quadsch

  3. Regel 14 besagt auch, dass der Elfer nicht wiederholt werden muss, wenn ein Angreifer zu früh reinläuft und der Elfer pariert wird…

  4. Um dem nächsten Kommentar vorzubeugen: würde er in dem beschriebene Fall dann an den Ball kommen und den Nachschuß reindrücken, gäbs indirekten Freistoß.

  5. Tja, die Schiris … schlechte Menschen allesamt, und Selbstdarsteller. Durch die Bank.
    Pfeifen sie nach Ermessen, ist es Willkühr und inkonsequent. Pfeifen sie konsequent, geht der Fussball kaputt, und wenn man so pfeift, dann fliegen in jedem Spiel 8 Spieler vom Platz und der deutsche Fussball wird nie mehr international wettbewerbsfähig sein.

    Lasst uns doch die Regel abschaffen, dass Spieler beim Strafstoss nicht vorzeitig in den Strafraum laufen dürfen. Spätestens, wenn in zwei Wochen der erste Elfer von einem Abwehrspieler von der Linie gegrätscht wird, freue ich mich auf die Diskussionen (an denen sicherlich auch wieder die Schiris schuld sind).

    Würden es die Spieler und Verantwortlichen den Schiris etwas leichter machen und nicht wild tobend vor den Kameras ausrasten, wenn mal einer der unzähligen plumpen Betrugsversuche von selbigen geahndet wird, die Magaths und Klopps und wie sie alle heissen sich nicht nach jedem Spiel hinstellen und die Schuld beim Schiri suchen, weil ja „eine Schlüsselszene“ ein Spiel entschieden hat, in dem die eigene Mannschaft einfach nichts gerissen hat – ja dann hätten es die Schiris vielleicht auch nicht mehr nötig, sich auf andere vordergründigere Weisen Respekt zu verschaffen (bzw. es zu versuchen) …

  6. Lieber Cohen, deine Erregung in aller Ehre, aber was hier beschrieben wurde ist leider die bittere Wahrheit. Die Schiris pfeifen nämlich nicht nur einzelne Spiele kaputt, sondern sorgen mit der Anhäufung manchmal sogar dafür, dass Trainer gehen müssen. Ein konkretes Beispiel: Wir nehmen an, dem VfB Stuttgart wird am 5.Spieltag beim Spiel in Nürnberg das reguläre Tor nicht abgepfiffen und das Team holt alle drei Punkte statt in der Nachspielzeit zu verlieren, anstatt dass der Schiri nach dem Spiel irgendetwas von einem nicht vorhandenen Foul in die Kameras stottert, das wirklich nur er gesehen haben will. Und nehmen wir mal an, der gleiche VfB gleicht zwei Spieltage später beim Heimspiel gegen Frankfurt in den letzten Minuten in Unterzahl ein 0:2 noch aus und wird nicht erneut um den Ausgleich betrogen, weil der Schiedsrichter wieder ein Foul gesehen haben will, das sonst keiner gesehen hat. Glaubst du, dass dann der Trainer Christian Gross gehen muss? Oder ist es nicht wahrscheinlicher, dass dann jeder von „unglaublichen Moral“ schwärmt und die 7 Punkte aus 7 Spielen nicht als Trennungsgrund herhalten können? Bilde sich jeder selber seine Meinung zu dem Thema. Aber anhand dieses Beispiels lässt sich die Notwendigkeit des Mauertaktik-Artikels nicht mehr anzweifeln.

  7. Und um der ganzen Sache noch die Krone aufzusetzen: Wenn Herr Stark wirklich so ein Korinthenkacker ist, warum muss dann ein Ivica Olic im Länderspiel gegen Israel nach einem Ellbogencheck mit Nasenbeinbruch und blutender Platzwunde vom Platz geführt werden, ohne das besagter Herr Stark auch nur ein Foulspiel pfeift? Ich dachte immer, laut FIFA-Regeln gilt so etwas als Tätlichkeit und müsste von einem Schiedsrichter zwingend geahndet werden? Oder gilt das dann als „Ermessensspielraum“ des Schiris?

  8. Und nein, bitte an diesen Kommentar keine politische Diskussion anschließen nach dem Motto „deutsche Schiedsrichter müssen bei Spielen gegen Israel besonders vorsichtig pfeifen“ – das ist vollkommener Blödsinn!

  9. Keine Chance! Alte, senile Männer haben im Fußball nur eine Chance: auf den Posten des FIFA-Präsidenten!

  10. Thread-Necromancy incoming …

    Zum Start: Nein, ich würde niemals behaupten, dass deutsche Schiris bei Spielen israelischer Beteiligung anders pfeifen müssen als sonst.

    Aber nochmal zum Thema Gross: Klar kann es sein, dass es Fehlentscheidungen zuungunsten des VfB gegeben hat. Ehrlich gesagt habe ich das nicht im Detail verfolgt zuletzt. Genauso bin ich sicher, dass es auch schon Fehlentscheidungen zugunsten des VfB gegeben hat. Aber auch das tut eigentlich nichts zur Sache. Die These, dies habe zum Rauswurf geführt, halte ich aber für extrem übertrieben. Kann natürlich sein, dass die VfB-Verantwortlichen & -Fans sich mit solchen Gedankengängen selbst etwas vormachen können, aber Fakt ist doch folgender:

    – Der VfB verkackt regelmässig in den letzten Jahren die Anfangsphase jeder Saison.
    – Wer genau schuld daran trägt, kann ich nicht sagen. Die Schiris sind es sicherlich nicht – oder tun die der Mannschaft was in den Tee, damit die Scheisse zusammenspielt?
    – Wenn der VfB es wüsste, würde er vielleicht nicht nach dem altbewährten „Trainer-Rausschmiss-Muster“ agieren.
    – Unter dem neuen Trainer spielt der VfB dann gross auf, startet eine Aufholjagd in der Liga und erreicht noch die Euro/Champions/wasimmer-League. Alle fragen sich, was wohl möglich gewesen wäre, wenn man nicht unerklärlicherweise am Anfang der Saison so eine Schwächephase gehabt hätte.
    – In der nächsten Saison unter dem gefeierten Trainer der vorherigen Saison, der die grandiose Aufholjagd gepackt hat, startet das Team mit einer unerklärlichen Negativserie und die Verantwortlichen müssen im Herbst handeln und den Trainer freistellen …

    Langer Rede kurzer Sinn: Dafür und für die Kurzatmigkeit der Clubverantwortlichen die Schiris verantwortlich zu machen, geht mir, gelinde gesagt, etwas zu weit.

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