Armut gegen Elend

vogel
Christian Gross ist weg.

Wenn am Samstag die Murmel wieder rollt in der Fußball-Bundesliga, kann der FC Bayern seine angebliche Krise überwinden, Mainz seine Tabellenführung verteidigen und der SV Werder weiter fleißig die Gehälter kürzen. Doch all das sind natürlich lächerliche Luxusprobleme, wenn man z.B. Schalker oder Stuttgarter ist. Denn wenn die beiden Tabellenschlusslichter am Wochenende aufeinander treffen, geht es für beide eigentlich schon um alles, zumindest um die rote Laterne.

Der VfB Stuttgart nutzte die Länderspielpause, zog Bilanz über die noch kurze Saison und schickte Christian Gross, seines Zeichens immerhin der Heilsbringer der letzten Saison, wenn nicht in die Wüste, so denn zumindest zurück in die Schweiz. Fredi Bobic sagte, er sehe „keine Lösungsansätze“. Und das liege auch nicht daran, dass der VfB-Neusportdirektor die Augen immer so doll zusammenkneift, sondern laut Bobic am schweizer Übungsleiter, der also seine Koffer packen musste. Äußerst praktisch, da er ja beurlaubt wurde.

Ein Trainerrauswurf wiederum ist ein Szenario, das auf Schalke komplett undenkbar ist. Dort ist nämlich Felix Magath nicht nur Trainer, sondern vorsichtshalber auch gleich Manager und Vorstandsmitglied. Solange Magath sich nicht selbst vor die Tür setzt, bleibt der Mann dort also Trainer. Clemens Tönnies stärkte Magath sogar jüngst den Rücken und der Wurst-Magnat ist als Aufsichtsratsvorsitzender, also quasi als Oberwurst in einer Firma voller Würste, wohl der einzige, der Felix Magath den Laufpass geben könnte.

Von Geld und Toren

Doch den Trainer zu feuern, wenn es sportlich gerade nicht so läuft, ist ja nun auch kein neues Phänomen. Interessanter ist doch, wo der Hund(t) eigentlich begraben liegt. Schalke gegen Stuttgart klang in den letzten Jahren eher nach Championsleague-gegen Europaleague-Anwärter. Vor dem 8. Spieltag der Saison 2010/2011 ist es das Duell des 17. gegen den 18. Was ist passiert?

Nun, die Verantwortlichen achteten bei der Saisonplanung weniger auf ein funktionierendes Mannschaftsgefüge, sondern vertrauten eher auf große Namen. Huntelaar, Jurado, Raul, Sarpei: das klingt natürlich nach Musik im unmusikalischen Gelsenkirchen. Doch hat es bisher was gebracht? Nöö. Huntelaar hat zwar mit 4 Treffern die Hälfte aller Schalker Tore erzielt, doch unterm Strich dürfte das wohl zu wenig sein für einen Verein, bei dem Realität und Anspruch ohnehin ähnlich viel miteinander zu tun haben wie Kevin Kuranyi mit den eigenen Fans.

Gut, Stuttgart verzichtete gleich ganz auf große Namen. Zwar spielt jetzt ein Camoranesi in der Bundesliga, aber warum der Italiener einst als Riesentalent gefeiert wurde, weiß heute eigentlich auch niemand mehr. Aber das Problem bleibt das gleiche, die Mannschaft funktioniert nicht. Es entbehrt nicht jeder Ironie, dass Mainz 05 Tabellenführer ist, im Hass-Derby Schalke-Dortmund ein Mann aus Fernost Spieler des Spiels war und sogar die Gurkentruppe aus Hannover auf Champions-League-Kurs ist. Apropos Ironie: Stuttgart konnte auch eigentlich gar nicht anders, als vor dem Kellerduell Christian Gross rauszuschmeißen und -Achtung, Achtung!- Jens Keller als Interimschef zu installieren.

Andererseits muss man die ganze Situation auch einmal etwas entspannter sehen. Denn das Fußball-Universum muss schon ziemlich aus den Fugen geraten, dass der VfB Stuttgart und Schalke „05“ (Carmen Thomas) absteigen, Hannover in die Champions-League-Quali kommt und Thomas Tuchel die Meisterschale am Bruchweg anfassen darf. Wär aber auf jeden Fall mal was anderes…

(Bild: flickr.com / betsyweber)

7 Gedanken zu „Armut gegen Elend“

  1. Das mit dem Universum kommt doch erst 2012.

    Die Doku lief sogar im Kino:

    Erdbeben
    Meteoriten
    Aufsteiger Herta wird Meister
    Wirbelstürme
    Sintflut
    S04 rutscht in Liga 3

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