GER – TÜR: Wer schafft sich ab?

deutschland-tuerkei-fahnenGroße Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. Am Freitag geht es im Thilo-Sarrazin-Derby um drei Punkte für Europa – aber auch um die viel zitierte Ehre. In der Multikulti-Hauptstadt wird nicht weniger ausgefochten als die Frage, wer sich jetzt eigentlich wem integrieren soll. Deutschland oder die Türkei – wer schafft sich am Freitagabend ab?

Geschichte

Beim Duell Abendland gegen Morgenland haben die Langschläfer-Christen gegen die muslimischen Frühaufsteher traditionell die Nase vorn. Während es zwischen Trabzon und Izmir seit rund 1.500 Jahren besonderer Tricks bedarf, um die Bevölkerung bis zum Sonnenuntergang bei der Stange zu halten (Ramadan), frönen die Zentraleuropäer seit jeher erst in den späten Abendstunden ihren liebsten Hobbys (Schwarzmalerei, Fußball).

Im Sport wie in der Geopolitik reichte es für die Osmanen meist nur zu zweiten Plätzen. Damals wie heute war und ist man dafür im Lamentieren die Nummer 1: Wenn es wieder mal nicht geklappt hatte mit einer Eroberung, waren meist die Säbel zu krumm oder die Bärte zu lang gewesen. Immerhin: Vor zwei Jahren wiederholten die Türken ihre Achtungserfolge von 1529 (unter Cheftrainer Süleyman dem Prächtigen) und 1683 (Headcoach Kara Mustafa) und standen erneut kurz vor Wien. Großwesir Fatih Terim gelang es aber ebensowenig wie seinen Amtsvorgängern, die Mauern der Donaumetropole zu erklimmen – auch weil sich seine Heerscharen am Ende als zu fußlahm erwiesen. Kein Wunder also, dass bis heute auf der türkischen Flagge nur ein Stern zu finden ist, während die Kartoffeln schon dem vierten hinterher jagen.

Gegenwart

Auch im Zuge der Bemühungen um eine Aufnahme in die EU findet in der Türkei derzeit ein Umdenken statt. Man gibt sich europäisch. Die Kopftücher werden gelockert, der Muezzin trällert schon mal den Lincke-Klassiker „Am Bosporus“ vom Turm und ein Holländer soll den Schwarzmeer-Anrainern die Leichtigkeit des europäischen Spiels beibringen. Guus Hiddink seinerseits setzt vor allem auf Akteure, die in deutschen Talentschmieden durchs Stahlbad gegangen sind. Sahin, die Altintops, Hakan Balta und Teamkoch Dieter aus Castrop-Rauxel sind die prominentesten Beispiele.

Auch beim Ex-Exportweltmeister Deutschland setzt man im 21. Jahrhundert vermehrt auf die Einfuhr. Beim Turnier in Südafrika lief eine wahre Multi-Kulti-Truppe im DFB-Dress auf. Selbst beim Cheftrainer ist Deutsch mittlerweile nicht mehr die Muttersprache. Das rief nicht nur den Integrationsbeauftragten der Bundesbank auf den Plan. Sarrazins WM-Retrospektive „Der DFB schafft sich ab“ schaffte es bis in die Bestsellerlisten. Unklar ist, ob das Machwerk den Trend stoppen kann.

Zukunft

Hier ein klarer Punkt für die Türkei, die seit 1970 ihre Bevölkerungszahl verdoppeln konnte und dabei auch noch locker mehrere Hunderttausend Einwohner in deutsche Gefilde umsiedelte. Deutschland dagegen schrumpft, was sich auch in Nationalspielern wie Trochowski, Marin und Lahm manifestiert. Nein, im Ernst: Während Herr Müller und Frau Schulze keine Lust mehr auf Kinder haben (machen Dreck, Lärm, Kosten), sind Herr Ali und Frau Aishe vom Gedanken beseelt, dass ausgerechnet ihr kleiner Racker das mächtige Türkye einmal zum Weltmeistertitel schießen wird. Dementsprechend klaffen die Geburtenraten auseinander wie die Beine von Pierre Littbarski – spätestens 2020 gibt es laut Thilo Sarrazin ja eh keine Deutschen mehr, weswegen dann die Türkei einfach eine zweite Mannschaft aufmacht und gegen sich selbst im Endspiel steht. Ausgang ungewiss. Einstweilen aber freuen wir uns auf ein spannendes Spiel am Freitag.

Bild: Flickr / myahya

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „GER – TÜR: Wer schafft sich ab?“

  1. WM-Sterne auf der Flagge wäre eine wirklich schöne Idee, zumal man somit den Binnenmarkt nach jeder WM fleißig ankurbelt.

    Naja, nach fast jeder …

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