Die Borussia-Boys sind da

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Dortmund setzt auf die Jugend

Am Wochenende steigt in der Bundesliga ein Kracher der vergangenen Tage: Dortmund gegen Bayern war in den 1990ern so etwas wie Ali gegen Frazier oder mindestens Ulle gegen Armstrong. Wenn die Bayern am Sonntag in den Signal-Iduna-Park reisen, heißt es zwar 2. gegen 9., aber an der Tabellenspitze steht derzeit die Borussia. Verkehrte Fußballwelt? Mitnichten. Mauertaktik lüftet das Geheimnis der schwarzgelben Erfolgsstory.

Der Trainer

Als die Spielzeit 2007/2008 nur mit einem nichtssagenden 13. Tabellenplatz abgeschlossen werden konnte, mussten sich die Verantwortlichen in Dortmund schnell etwas einfallen lassen. Da kam es gerade recht, dass Noch-Trainer Thomas Doll in seinen Pressekonferenzen ganz offensichtlich ferngelenkt wurde und Sachen wie „Das ist alles blabla…“ und „Da lach ich mir den Arsch ab!“ sagte. Ergo: Dolli basta und mit Klopp einen neuen Trainer geholt. Der ewig junggebliebene Fußballlehrer nahm seine Aufgabe auch direkt ernst, stellte den Kader um, integrierte Talente und baute etwas auf. Der Erfolg kam dann quasi von selbst: nur zwei Jahre späte durfte Kumpeltyp Klopp an der Seite von Siez-Freund Jauch für RTL den WM-Experten geben. Auch im Verein lief’s immer besser, nach Platz 6 am Ende der Saison 2008/2009 folgte ein Jahr später Platz 5, Tendenz steigend!

Das Team

Kloppo hat seinen Erfolgskader frei nach dem Motto „Kinder an die Macht“ zusammengestellt. In Zusammenarbeit mit dem SOS-Kinderdorf Lüdenscheid-Nord hat der juvenile Jungtrainer in einem großangelegten Casting die Talente von Dortmunds Straßen geklaubt und bietet den Kids nun eine echte Alternative zu einem möglicherweise trostlosen Leben. Das Projekt „Borussia 09 statt Hartz IV“ hat eine ebenso illustre wie schlagkräftige Truppe hervorgebracht. Neben den gestandenen Spielern wie Stürmerstar Barrios, Alt-Faustballspieler Weidenfeller und Verletzungsfan Kehl stehen im Abwehrzentrum mit Hummels und Subotic zwei 21-Jährige ihren „Mann“, im Mittelfeld-Buddelkasten tummeln sich der kleinste größte Japaner Shinji Kagawa (20), Kinder-Hool Kevin Großkreutz (22), Antichrist Götze (18) sowie Seldschuken-Star Sahin (22) und im Angriff rockt Babyface Robert Lewandowski (22) die Bude. Sunnyboy Klopp erzieht seine „Kinder“ eher anti-autoritär, Fehler machen ist ausdrücklich erlaubt, nur lernen muss man daraus. Viel gelernt haben die Borussia-Boys in dieser Saison wahrscheinlich noch nicht, denn sie machen ja kaum Fehler.

Das Umfeld

Anfang der 2000er bröckelte die gelbe Wand im Signal-Iduna-Park (formerly known as Westfalenstadion resp. Kampfbahn Rote Erde) wie die Berliner Mauer anno ’89, doch mittlerweile ist die Borussia wieder eine Heimmacht. Auch in dieser Saison können sich die Dortmunder wieder einer Riesenkulisse sicher sein. Traditionell verfolgen um die 200.000 Dortmunder jedes Heimspiel live. Jedenfalls wenn man die umliegenden Kneipen und Bierhäuser dazurechnet. Auch wenn die schwatzgelben Fans mit Kevin Großkreutz im letzten Jahr ihren Capo an die A-Mannschaft verloren haben, steht die Südtribüne wieder wie eine 1 hinter ihrem Team und brüllt die jungen Wilden von Sieg zu Sieg. Und wenn Ex-BVB-Stürmer Norbert Dickel, der nun auf dem zweiten Bildungsweg eine Karriere als Stadionsprecher eingeschlagen hat, die Aufstellung durchbrüllt, wird wohl auch dem jüngsten Jungstar klar, was es heißt, für den BVB zu spielen.

Die Bayern sollten sich also warm anziehen. Ist ja auch immerhin schon Oktober…

(Bild: wikimedia.commons.org / BArchBot)

1 Gedanke zu „Die Borussia-Boys sind da“

  1. kann übrigens das buch „wenn der betze bebt“ sehr empfehlen. regelrecht verschlungen das ding, auch wenn ich kein fc k fan bin und schon gar kein pfälzer.

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