Wolf im Kriechgang

Schalke am Boden – und der Gelsenkirchener Geheimrat ratlos. Mauertaktik fragt: Wie konnte es dazu kommen?

Man kann Mitleid haben mit Wolfgang Magath, genannt Felix. Was, so informiert der Kleine Pauly (1:1 am Sonntag), so viel bedeuten soll wie „der Glückliche“. Derzeit schaut der Herr Geheimrat aber eher griesgrämig drein – was auch an den punktuellen Schwächen der blauen Herren liegt, die ihm unterstehen. Was ist bloß passiert mit dem Mann, der im vorvergangenen Frühling noch Knospen aus der niedersächsischen Retorte sprießen ließ (siehe: „Teuflischer Frühling“) und im letzten Sommer eine Sextanertruppe auf Platz 2 der Mathe-Olympiade führte?

Where did it all go wrong, Felix?

Der Ist-Zustand jedenfalls nimmt groteske Züge an: vier Spiele, zwölf Punkte – für die Konkurrenz. Wenn es auch aller Ehren wert ist, dass die Schalker sich derart um die Liga verdient machen, so wird dieser Altruismus beim eigenen Anhang auf Dauer wenig Gegenliebe zeitigen. Beim Revierderby sahen die Königsblauen jedenfalls über 90 Minuten Schwarz (und ein bisschen Gelb) – die Vorstellung der Gastgeber war erschreckender als eine Rocky Horror Picture Show im Altersheim.

Let’s do the time warp again…

Beinahe prophetische Gaben bewies die Mauertaktik-Zukunftsabteilung mit der Vorhersage Ende April 2009, Magath werde sich auf Schalke mit Hilfe russischer Fantastilliarden „Ronaldo (den dünnen, schnellen), Drogba und Arschawin“ leisten (siehe: „Dressman unter Tage“). Nun, daraus wurden in Wirklichkeit Raul (der alte, nicht mehr ganz so schnelle), Klaus-Jan H. und Metze – aber immerhin. Prominente Namen sind das ja, doch bei mindestens zwei Dritteln dieses Trios hätte der Grabbeltischfan aus Aschaffenburg mal besser vorher aufs Verfallsdatum geschaut. Den Kader mit drolligen No-Names wie Plestan oder Deac aufzufüllen, hat bislang ebenfalls nicht den ultimativen Erfolg gebracht.

In gewohnt messerscharfer Analyse warnte Mauertaktik schon anno 2009: „In Schalke wartet man seit dem Vormärz auf einen Meistertitel.“ Immerhin setzte Magath den resultierenden Ratschlag von Deutschlands Fußball-Blog Nummer 1 bislang in Ansätzen in die Tat um. Damals hieß es: „Der gewiefte Trainerfuchs wird Psychotherapie mit dem Brecheisen zur Anwendung bringen müssen, um Mannschaft und Umfeld auf Titelkurs zu bringen. Für die nötige Gehirnwäsche hat sich Magath bei Amazon bereits das Gesamtwerk von L. Ron Hubbard geordert.“

Auch hier ein Funken Wahrheit: In den letzten zwölf Monaten hat der Ex-Wolfsburger sich immerhin schon zahlreicher Zuarbeiter entledigt, die ihm nicht so recht kommod waren. Doch da geht noch was! Wir appellieren hiermit an die Menschen von Gelsenkirchen: Mehr Macht für Magath! Nur wenn der Mann, der schon als Spieler den HSV im Alleingang (na, klingelt was?) zum Landesmeister-Cup schoss, wirklich vollkommen freie Hand erhält, wird der Verein wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Zeugwart, Busfahrer, Brezelbäcker – sie alle müssen für den Aufschwung weichen. Für die nachhaltige Säuberung der Klubperipherie empfiehlt sich im Übrigen Ex-Sponsor Kärcher. Glück auf!

Augenblick, verweile doch…

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „Wolf im Kriechgang“

  1. Was ich an dem Video am geilsten finde, ist die Tatsache, dass aus einem armen Reporter ohne zu fragen einfach ein HSV-Fan wird – ob er will oder nicht! In Zukunft also bitte neben jede Bauchbinde von Marcel Reif das Vereinswappen vom VfL Wolfsburg! :-)

  2. Wenn es jetzt auch noch eine Klatsche in Freiburg für Schalke gibt, wird es wirklich eng für Felix Magath. Ich möchte nur an Hertha BSC vor einem Jahr erinnern, da war der Start auch nicht so optimal und wie am Ende ausging ist ja bekannt.

  3. hallo zusammen,

    ich bin auch gespannt wie lange das ganze noch gut geht, denn das eis wird für felix immer dünner und es ist derzeit kein blauer himmel auf schalke zu sehn…
    aber man merkt wieder deutlich – fußballstars sind noch lange keine mannschaft.

    gruß, frederik

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