All you can derby

derby_500Es ist wieder Derbyzeit. Der Einfachheit halber auch überall. Die Ansetzer haben sich ligenübergreifend darauf geeinigt heute einen Kracher rauszuhauen. Was die Lostrommel so bereithielt? Mauertaktik wirft einen scharfen Blick.

Heute geht es in der Hauptstadt los. Der 1. FC Union empfängt die Hertha. Zu Mauerzeiten ging das noch als Fanfreundschaft durch, aber heutzutage ist das anders: Ohne den anderen ambitionierten Vereinen zu nahe treten zu wollen, die in der Zeit post Hans Rosenthal nichts mehr zu Stande bekommen haben: Es sind DIE Vereine in Berlin, was nicht nur bei den DIE-hard-Fans zu einer Rivalität und einem pfeffrigen Derby führt. Zu Verbrennungen von Herthafahnen in der Köpenicker Altstadt ist es zum Glück noch nicht gekommen, aber der Empfang wird heute sicher nicht allzu freundlich. Es gilt also: Hinfahren, drei Punkte einpacken und abhauen (S3).

Am Sonntag quillt dann der Fußballkalender völlig über. Der anglophile Ballbetrachter freut sich jetzt schon einen ab über das ewig junge Duell zwischen Manchester United und dem FC Liverpool , die ab 14 Uhr 30 die Klingen kreuzen. Pikanterweise zählt ja dieser Tage ein ehemaliger Leistungsträger von „Pool“ zum Kader von United: Michael Owen. Der Junge wechselte nach 13 Jahren bei den Reds zu Take That und spielt nun seit einem Jahr für die Red Devils. Klingt unglaublich, aber hat vor allem eine Erklärung: Der Owen-Michi ist seit Kindertagen Anhänger des FC Everton. Mit so viel innerer Zerrissenheit lassen wir ihn dann auch lieber allein.

Fast parallel, nämlich ab 15 Uhr, wird es in der NRW-Liga heiß. Der ETB Schwarz-Weiß Essen lädt zum Tanz im Uhlenkrug mit Rot-Weiß. Dass auch in der Kulturhauptstadt die Grenzen zwischen den Lagern etwas zu verwischen drohen, zeigt ja vor allem der Umstand, dass beim ETB inzwischen die RWE-Legende Dirk „Putsche“ Helmig auf dem Trainerstuhl sitzt (Mauertaktik berichtete).  Aber in Essen freut man sich sicher besonders über das Derby, denn es gibt doch die fußballerische Relevanz für einen Tag zurück. Nichts gegen die SpVgg Erkenschwick, aber ansonsten sind die Spieltage in der NRW-Liga wohl nicht immer Festtage.

Die Bundesliga geizt aber auch nicht mit den Derbys. Ab 15 Uhr 30 rollt die Murmel am Millerntor für den Knaller St. Pauli – HSV. In der Bundesliga gab es das Duell ja bis jetzt 14-mal zu bestaunen. Die Paulianer konnten bislang nur einen Sieg verbuchen, und zwar in der Saison 1977/78. Weltfußballer Walter Frosch, der damals noch bei den Braun-Weißen die Stiefel schnürte, kam leider nicht zum Einsatz. Sonst wäre der Sieg sicher noch etwas höher ausgefallen, aber er war vielleicht verletzt (Bindehautentzündung). Damals guckten jedenfalls bekannte Spieler wie Felix Magath, Manni Kaltz und Kevin Keegan blöd aus der Wäsche als sie beim 0:2 die Punkte abgeben mussten. Ich freue mich schon auf die Gesichter von van Nistelrooy, Jarolim und Rost.

Den goldenen Abschluss bildet das Duell von Schalke und dem BVB. Wenn es an diesem Wochenende nicht schon genug gepflegten Hass geben würde, würde er spätestens mit diesem Spiel geboten werden. Die Schalker wollen nach Traumstart (0 Punkte) weiter marschieren, während die Kloppianer offensichtlich selbst in den unaussprechlichsten Orten gewinnen können. Manche sagen ja Schalke wäre eine Religion, in Dortmund werden aber spätestens seit gestern Götzen angebetet, die auch für eine göttliche Strafe in Richtung Felix Magath sorgen könnten, der ja lediglich ein (selbsternannter) Halbgott ist. Aber seien wir nicht ungerecht, Königsblau könnte mit einem Sieg immerhin den Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze schaffen. In diesem Sinne: Derby frei!

(Bild: Flickr / zappowbang)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

3 Gedanken zu „All you can derby“

  1. Schön geschrieben. Da liest man dies hier zur Einstimmung des Wochenendes zwischen den englischen Wochenmitten und schon fällt ein Tor in Berlin. Und zurück zum Stream, glühen soll er.

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