Torhagel!

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Schnauze voll!

5:5 im Montagsspiel der Zweiten Liga zwischen Cottbus und Karlsruhe. Tore satt, ein Spiel für die Geschichtsbücher. Mauertaktik entstaubt selbige und stellt fest – es geht noch besser!

Blickt man in die Liste der Bundesligaspiele mit den meisten Buden, so scheint der Westen der Republik besonders fruchtbare Böden für die Trefferbestellung parat zu haben. Unangefochtener Spitzenreiter ist Borussia Dortmund. Die Schwarz-Gelben waren an sage und schreibe vier (von fünf) Partien beteiligt, in denen der Tormann zwölf Mal klingelte – zwei Mal als Sieger (11:1 und 9:3), zwei Mal als Verlierer (0:12 und 1:11).

Eine Umbenennung in Torussia Dortmund kam augenscheinlich nicht durch die JHV, nach dem 0:12-Debakel bei der anderen Torussia aus Mönchengladbach im April 1978 bekam aber immerhin der damalige Dortmund-Coach einen neuen Spitznamen: Otto Torhagel, the trainer later known as König Otto. Das dreckige Dutzend wurde dabei schön gleichmäßig auf beide Halbzeiten verteilt – allerdings dann doch nicht wirklich paritätisch zwischen den beiden Teams… Osram Heynckes ging, nebenbei bemerkt, damals übrigens fünf Mal das Licht im gegnerischen Sechzehner auf.

Vollkommen balla-balla war auch das 5:6 des VfL Bochum gegen den FC Bayern im September 1976. 4:0 lautete der Spielstand nach 53 Minuten zu Gunsten der Gastgeber aus dem verstaubten Westen. 20 Minuten später stand 4:4 auf der Anzeigetafel, zehn Minuten vor Schluss dann 5:5. Ein gewisser Ulrich Hoeneß sorgte Sekunden vor dem Schlusspfiff für den Münchner Siegtreffer. Trotz Niederlage für Bochum-Fans bis heute die größte Begegnung der Vereinsgeschichte. Siegertrainer Dettmar Cramer konnte hinterher über das „Spiel der offenen Tore“ schmunzeln. Im eindeutig deutlicheren Rückspiel (4:0 für die Bayern) sprang Sepp Maier dann übrigens statt dem Lederball einer Ente hinterher. Ebenfalls geschichtsträchtig. Aber nur nebenbei bemerkt.

Einen „Tag der offenen Tür“ diagnostizierten die Berichterstatter auch am 7. Juni 1975 im Spiel zwischen Fortuna Düsseldorf und wiederum den Münchner Bayern – diesmal mit dem besseren Ende für den Außenseiter. Elf Tore soll’n es sein! Die Chronisten überliefern unter anderem einen „Schrägschuss“ von Wolfgang Seel sowie einen allerdings nicht ganz lupenreinen Hattrick von Gerd Müller binnen fünf Minuten. Nach 2:4-Rückstand kam die Fortuna zurück, Dieter Herzog setzte den Schlusspunkt zum 6:5-Sieg.

In der Pfalz unvergessen ist das 7:4 gegen die Bayern nach 1:4-Rückstand. Die Zuschauer wanderten bereits in Scharen vom Betzenberg ab, als das Spiel kippte. Am Ende war die Schmach für Beckenbauer und Co. perfekt, der Lauterer Mob im Ausnahmezustand („Hi, ha, ho, Bayern ist K.o.!“) – und ein paar Jahre später wollte Paul Breitner punktemäßig auf die Postkutsche umsatteln.

Alle Spiele mit mehr als zehn Toren:

29.04.1978 Bor. Mönchengladbach – Borussia Dortmund 12:0
06.11.1982 Borussia Dortmund – Arminia Bielefeld 11:1
27.11.1971 Bayern München – Borussia Dortmund 11:1
16.11.1963 Borussia Dortmund – 1. FC Kaiserslautern 9:3
26.02.1977 1. FC Köln – TeBe Berlin 8:4
07.01.1967 Bor. Mönchengladbach – FC Schalke 04 11:0
14.11.1981 Eintracht Frankfurt – Werder Bremen 9:2
07.03.1964 TSV 1860 München – Hamburger SV 9:2
12.03.1966 Bor. Mönchengladbach – 1. FC Nürnberg 8:3
11.02.2006 FC Schalke 04 – Bayer Leverkusen 7:4
12.06.1976 Bayern München – Hertha BSC 7:4
20.10.1973 1. FC Kaiserslautern – Bayern München 7:4
18.09.1976 VfL Bochum – Bayern München 5:6
07.06.1975 Fortuna Düsseldorf – Bayern München 6:5
07.06.1969 Werder Bremen – Bor. Mönchengladbach 6:5

Bild: Flickr / Michele Eve

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Torhagel!“

  1. Nicht zu vergessen, wenn auch nur zweite Liga, das 7:6 am letzten Spieltag der Saison 96/97 gegen Meppen … ich weiss nicht, ob es ansonsten noch einmal 13 Tore in einem Zweitligaspiel gab; sicherlich nicht so schön auf beide Teams verteilt :)

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