Das Hohelied des Geldes – ein Abgesang

geld-schiesst-toreAckermann goes Bundesliga – wenn Geld keine Tore mehr schießt… Ein Bericht aus den Slums von Wolfsburg und Gelsenkirchen.

36,4 Millionen und 38,9 Millionen – was klingt wie die Abfindung von Josef Ackermann und die Bucheinnahmen von Thilo Sarrazin, sind vielmehr die Summen, die der FC Schalke 04 und der VfL Wolfsburg in der abgelaufenen Transferperiode für neues Spielermaterial investierten. Bei Blitztabellen, raschem Verfall von alten Nationalhelden und Prognosen schon nach dem ersten Spieltag ist auch Mauertaktik sich nicht zu fein eine vorläufig endgültige Endabrechnung zu präsentieren…oder so ähnlich.

In Zeiten der allgemeinen Unsicherheit und lächerlichen Bankenskandalen streiten sich Ehrendruide Quälix und L’Oreal-Model Dieter Hoeneß um den Titel des diesjährigen „Großen Zampano der Taler und Moneten“. Während Geldvernichtung made by Dieder schon Tradition besitzt (vgl. BSC, Hertha), ist zügellose Einkaufswut bei Schalkes Geheimrat immerhin vergleichsweise neu. Königsblau bekommt in diesem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung.

WOB: Alles auf Zucker!

Wolfsburgs Manager suchte sich derweil mit Silberhändchen die teuerste Innenverteidigung der Liga zusammen: Friedrich 3,5 Mio., Kjaer schlappe 12 Mio. und Barzagli 2008 (ohne Hoeneß) für 10 Mio. Euromark. Weiterhin ist Dieter Hoeneß seit jeher mit einem Nässchen für großartige Dribbler vom Zuckerhut ausgestattet und lotste so Diego für läppische 15,5 Millionen an den Mittellandkanal – obwohl der diesmal nicht mal aus Brasilien kam. Freilich wird dieser wohl noch von sich reden machen. Ob er einem durch und durch zusammengewürfelten Haufen Struktur und Erfolg beibringen kann, ist mehr als fraglich. Glücklicherweise haben sie in der VW-Stadt einen kompetenten und medienbeliebten Chefcoach an der Linie (vgl. Schirm, Regen). Der bisher ausbleibende Erfolg ist sicher nicht durch ein Kommunikations- oder Sprachproblem zu erklären, denn wer Litti-san als Übersetzer hat, braucht keinen Trainer, der deutsch spricht.

Ähnliches trägt sich in einem kleinen gallischen Dorf im Ruhrpott zu. Dort befindet sich der Mistelkoch Magath in seiner zweiten federführenden Saison. Nach dem letztjährigen Coup mit einer überalterten Truppe (Moritz, Matip, Höwedes, Schmitz) brauchte das Team dringend eine Frischzellenkur. Gesagt, getan. Zum Glück konnte man beim FC 04 mal so eben mir nichts dir nichts balante 40 Millionen aus dem ZuckerHut zaubern und so wurden frische erfolgshungrige Topspieler in der Blüte ihrer Leistungsfähigkeit geholt (Metzelder, Sarpei, Raul). Gleichzeitig konnte man die Bankdrücker Westermann, Bordon, Rafinha und Kuranyi kostengünstig veräußern – Schach! Und während allenthalben auf kleine kompakte Kader gebaut wird, hält sich Quälix locker flockig 38 Laufburschen für seinen Sturm auf die Salatschüssel. Das nennt man im Ackermann-Sprech dann wohl Kostenoptimierung.

Geduldige Fans huldigen den Dompteuren

Andererseits muss man die Herren Manager und Trainermanagervorstandplatzwarte auch verstehen. In Gegenden, in denen Fußball selten bis kaum im Rampenlicht steht und das Geld den Menschen aus dem Allerwertesten wächst – wie eben in Gelsenkirchen und Wolfsburg – geht die ortsansässige Journallie gerne über das Thema Moneten hinweg. Und auch die durch und durch geduldigen Fans und Macher der beiden Vereine stehen stets ruhig hinter ihren Chefdompteuren.

Und sowieso, über was regen wir uns eigentlich auf, denn die Tatsachen sprechen doch für die beiden Vereine: 0 Punkte, je minus 4 Tore, Fußballherz was willst du mehr! Schlechter steht derzeit nur der VfB aus Stuttgart da, aber die haben wenigstens eins richtig gemacht: wenig Geld ausgegeben. Ob das aus Kalkül oder nicht zitierenswerter schwäbischer Grundtugend geschah, ist nicht näher überliefert…

Foto: Flickr / Wes Peck