Tarzans Sprint und die Folgen

Ermittelte Bundesliga-Daten (Schätzung)
Ermittelte Bundesliga-Daten (Schätzung)

Interessiert uns, wie schnell der Torwarttrainer eines Bundesligisten von einer Coaching Zone zur anderen sprintet? Wohl in etwa so brennend, um mit Dieter Eilts zu sprechen, wie eine geplatzte Wurst im Wattenmeer. Eine Brandrede wider den Statistikfaschismus.

Jaja, dieser Gerry Ehrmann. Statt Tarzan könnten sie ihn auch den Chuck Norris der Pfalz nennen. Mit einem Kreuz wie Ronny Rockel (vgl. „Ei wörked hart“) sitzt er bei jedem Spiel auf der Bank des FCK. Das finden die Medien an sich schon mal toll, eine Kamera ist aber auch deshalb meist auf Ehrmann gerichtet, weil der auch so etwas wie Lauterns mobile Einsatztruppe ist. Eine Ein-Mann-Kompanie für die bestimmten Sekunden, für die Momente, wenn’s brenzlig wird. Und im Derby, da ist es ja von Hause aus brenzlig – rund 90 Minuten lang.

Menschen, Tore, Sensationen!

Und dann ging’s los! Als Mainzens Trainer Thomas Tuchel, geb. Tröte, kurz vor Schluss das Spielgerät blockierte, um seinem Team ein paar Sekunden mehr Luftholen zu gönnen, legte der Johnny Weissmüller der Liga einen Blitzstart hin wie einst Linford Christie. Die Tarzan-Cam hielt drauf. Wahnsinn, wie schnell so ein 50-Jähriger noch sprinten kann, wird sich der zuständige Regisseur gedacht haben, weswegen wohl auch die genaue Geschwindigkeit von Ehrmanns Kurzstreckensprint von Lautern nach Mainz ermittelt und eingeblendet wurde: 15 km/h! Menschen, Tore, Sensationen! Höher, schneller, weiter! Die beste Liga aller Zeiten!

Mal abgesehen davon, dass es nun wirklich vollkommen schnurzpiepegal ist, ob der FCK-Torwartausbilder nun mit 12, 15 oder 20 Knoten die Überfahrt in Mainzer Gewässer wagte, ist die Ehrmannsche Geschwindigkeitsmessung wohl nur die Spitze des Zahlenbergs. Schon fast gewöhnt haben wir uns mittlerweile daran, dass ein virtuelle Kartographen-Armada für jeden Freistoß die genaue Distanz zum Tor bis auf den letzten Dezimeter abschreitet und dass, wenn der Schütze den Ball aus 53,78 Yard dann genau so hoch über den Querbalken gezimmert hat, eine obskure Airline auf dem Videowürfel die Schussgeschwindigkeit auf drei Stellen nach dem Komma in den letzten Winkel des Stadions kreischt.

Die Zahl der verkauften Stadionwürste

Gewöhnt haben wir uns notgedrungen an die leidige Ballbesitzverteilung, die ungefähr genau so viel über den Spielverlauf aussagt wie die Zahl der verkauften Stadionwürste in der Halbzeit, die aber natürlich, je einseitiger, desto lieber Anwendung findet, gewöhnt haben wir uns an die Schuhgrößen der Innenverteidiger, an absurde Countdowns („seit 85 Minuten kein Anpfiff mehr!“) und sinnentleerte Historienvergleiche („das erste Team seit Bayer Uerdingen, das auswärts drei Mal hintereinander unentschieden gespielt hat“) – aber bitte, bitte, liebe Liga, liebe Fernsehsender, verschont uns mit Fakten wie der Endgeschwindigkeit eines Torwarttrainers!!!

Denn egal ob Team X nun drei Mal so viele diagonale Vertikalpässe ins Aus gespielt hat als Team Y, egal ob Torwarttrainer Z nun 10 Meter mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 15 km/h läuft und dabei 15 Kalorien verbrennt – am Ende gewinnt meist die Mannschaft, die mindestens ein Tor mehr schießt als die andere. Statistisch gesehen jedenfalls.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Tarzans Sprint und die Folgen“

  1. Statt der Endgeschwindigkeit wäre der Blutdruck von Gerry Ehrmann viel interessanter gewesen. Das wäre vielleicht der erste Bundesligarekord in dieser Saison gewesen, aber ohne Daten werden wird das nie erfahren. Schade! :-)

  2. da sach ich nur: ausgerechnet XY…

    Gibts eigentlich eine Statistik über das grünste Grün der Liga??

  3. die amerikanische antwort?! gerry ist doch das einzige lebewesen im universum, vor dem sogar chuck norris angst hat…

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