Kein Lob für Gott

Marcell Jansen ist leicht angesäuert. Ja, vielleicht ist er sogar so richtig sauer, so wie ein Netz Zitronen oder der Regen in chinesischen Industriegebieten. ARD-Mann Gerd Gottlob jedenfalls ist Zielscheibe von Jansens Zorn. Wie konnte es dazu kommen?

Nun, Jansen spielte am Freitag, wie auch der Rest der deutschen Mannschaft, nicht eben sein bestes Länderspiel. Zu allem Überdruss wurde er bereits zur Halbzeit ausgewechselt. Gottlob ließ, so Jansen, kein gutes Jahr am HSV-Außen – und deutete dann auch den Wechsel falsch.

Jansen dazu auf seiner Supidupi-Spitzen-Website: „Es ist doch bedauerlich, das der gute Herr im Zeitalter der modernen Technik und Kommunikation noch nicht einmal wusste, das ich aufgrund einer Verletzung ausgewechselt wurde. Stattdessen bastelte er sich eine Erklärung zusammen – wohlgemerkt vor einigen Millionen Zuschauern – die absolut nicht zutreffend war und mich sehr negativ dargestellt hat.“

Klingt ein bisschen wie „Mie-mie-miep-mie-miemiep“. Wird aber noch lustiger. Denn jetzt geht’s los mit dem „früher war alles besser“. Wo ist das Fachwissen hin, will Fachmann Jansen wissen – eindringlicher fragte zuletzt Joan Baez nach dem Verbleib der Blumen… Dass der gute Marcell dann aber ausgerechnet den ranissimo-Dampfplauderer Werner Hansch („Wer hinten so offen ist, kann nicht ganz dicht sein.“) als Leuchtturm der Kommentatorenszene ausmacht, darf als klassisches Eigentor bezeichnet werden.

Jansen über Hansch: „Er vermittelt mit seiner Art ein Spiel zu kommentieren, dem Zuschauer positiv Emotionen und Spaß.“ Na, wenn das alles ist, was ein Fußballkommentator zu leisten hat, warum setzen wir dann nicht demnächst Matze Knop oder diesen Tschakka-Typen in die Reporterkabine? Spaß und „positiv Emotionen“ wären bei diesem Traumduo doch garantiert!

Lieber Marcell, sieh doch auch mal das Positive: Die Zeiten, in denen bayrische Gaudimaxe statt angezeigter Nachspielzeit die Auswechslung des Torwarts beschwören, die Zeiten der „kessen Stürmer“ und „giftigen Verteidiger“ sind immerhin vorbei, ebenso wie die Tage von Typen wie Hüben-wie-drüben-Heribert („Toulouse or not to lose, das ist hier die Frage“) lange gezählt sind – es sei denn, der geneigte Zuschauer zappt versehentlich in ein Spiel, das Lamoral von TuT („Wenn der Heskey den Hintern rausstreckt, Donnerwetter!“) begleitet, einer der letzten überlebenden Mikro-Dinos.

Doch zurück zu Gott, Lob und Tadel: Wunderbar, in welch gestelzter Syntax der Fußballprofi Tacheles mit der Medienzunft redet: „Ich möchte mit diesem Beitrag nicht den Eindruck erwecken, ich sei beleidigt oder etwas derartiges“, schreibt er etwa, „nein, es ist vielmehr eine Art konstruktive Kritik.“ Soso.

Am Schluss ist aber alles wieder (fast) gut: „Wer sich von den Kommentatoren angesprochen fühlt, bitte seid nicht beleidigt“, schreibt Jansen. Und dann: „Jetzt wisst ihr aber mal, wie das ist, wenn vor vielen Menschen ein Kommentar gemacht wird.“ Ätschbätsch, Nasedreh, reingelegt! Das habt ihr also jetzt davon, ihr würdelosen Erben des Herbert Zimmermann. Könnter mal sehen. Und überhaupt. Tschüssi und bis bald. M wie Marcell. Oder Mauertaktik.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Kein Lob für Gott“

  1. schöner artikel, bis auf das abschlussvideo.

    ich kann über ironie sehr gut lachen, aber das ist nicht lustig.

  2. Ich finde, Jansen hat nicht so Unrecht. Die einzige Sachkenntnis, die ein Reporter/Moderator heutzutage mitbringen muss, ist die, wie man geradezu zwanghaft aus einer Belanglosigkeit eine Schlagzeile konstruiert. Allerdings dürfte es in HH bessere Ghostwriter geben als den von Marcell.

Kommentare sind geschlossen.