Balz in der Pfalz

westkurve-2000Nach vier Jahren Pause wieder da: Das Hassduell der Liga. Der 1. FC Kaiserslautern empfängt zum 41. Mal seinen liebsten Feind, den FC Bayern aus München. Mauertaktik beantwortet im Vorfeld der Partie alle wichtigen Fragen von Flutlicht bis Klose.

Was steht auf dem Spiel?

Oberflächlich gesehen: drei Punkte. Schürft man etwas tiefer, geht es aber vielmehr auch um Ruhm und Ehre, Tradition und Rivalität, Leben und Tod, Jing und Jang, Gut und Böse, die Vormachtstellung in der (Ober)pfalz und viel, viel mehr – zum Beispiel die Tabellenführung, die der FCK mit einem Unentschieden, der FC Bayern mit einem Sieg erobern kann.

Wie viele Zuschauer werden den Hassgipfel verfolgen?

Offiziell 49.780 Menschen. Rechnet man den Familienclan von Demir Hotic dazu, wird die Schallmauer von 50.000 durchbrochen.

Wie ist die Bilanz?

Aus Bayern-Sicht: 44-15-21. Aus Lauterer Sicht: 7:4.

Es ist das 81. Aufeinandertreffen. Wer sind die historischen Helden?

Lauterns Bayernschreck Nummer 1 ist Marlboro-Mann Klaus „Toppi“ Toppmöller. Der Mann, dessen Frise Matt Groening während seines Austauschjahrs zum Kultkarakter Krusty der Klown inspirierte, traf gegen die Bayern in steter Beharrlichkeit, bis Paul Breitner die Punkte rüberfaxen wollte. Für den FC Bähn traf Gerd Müller im Laufe des bayrisch-pfälzischen Stelldicheins nicht weniger als 23 Mal, der Bomber war dabei maßgeblich verantwortlich für diverse Kantersiege (6:0, 5:0 usw.).

Warum will Miro Klose nicht jubeln?

Einfache Antwort: Der Junge kennt die Überlebensregeln auf dem Betzenberg. Kompliziertere Antwort: Es gab mal eine Zeit, es ist noch gar nicht allzu lange her und irgendwie auch heute schlecht vorstellbar, da schnürte der in Oppeln geborene und in der Pfalz aufgewachsene Tausendsassa tatsächlich seine Töppen für den heutigen Gegner der Münchner, und, wie man hört, soll Klose noch ein paar Jahre früher mit Olaf-Marschall-Trikot im Fanblock gestanden, an seiner Brause genuckelt haben und den FCK angefeuert haben. Weil Kuttenfans bekanntlich recht nachtragend sein sollen, entschloss sich Klose nach dem Vereinswechsel, auf allzu ausgiebigen Torjubel im falschen Trikot zu verzichten.

Welche Konsequenzen dräuen je nach Ausgang der Partie?

Bei einem Sieg des Rekordmeisters werden sich 50.000 Pfälzer, die außer Fußball nun wirklich nichts haben, in destruktiv-suizidaler Grundstimmung den Berg hinabwälzen. Kaiserslautern wird dem Erdboden gleich gemacht, Opel stirbt, eine Region macht dicht. Was bleibt ist eine ausladende amerikanische Militärbasis und ein üppiger Kastanienwald.

Bei einem Sieg der Gastgeber fließt im Großraum Kaiserslautern am Freitagabend mehr Alkohol als im Gesamtwerk von Charles Bukowski.

Und auf ein Unentschieden will nun wirklich keiner hoffen.

Bild: Wikimedia Commons

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

19 Gedanken zu „Balz in der Pfalz“

  1. Ich mach mich nass: „Klaus „Toppi“ Toppmöller. Der Mann, dessen Frise Matt Groening während seines Austauschjahrs zum Kultkarakter Krusty der Klown inspirierte!“ Einfach sensationell, Herr von Schleck!

  2. @ Fränck: Es hat ja Gründe, dass die Schalker davon nichts mehr wissen wollen. Die Feindschaft beruht ja insbesondere auf einem Spiel, dass unter dubiosen Umständen nach 0:3-Niederlage doch 2:0 für den „FC Meineid 04“ gewertet wurde. Dass es aber für die gar keine Rivalität bedeutet würde ich (wiederholt) stark bezweifeln. Bei Spielen zwischen Schalke und Hertha gab es in den 70ern und 80ern wiederholt Ausschreitungen zwischen den Anhängern, war bestimmt nicht nur einseitig. Das wird übrigens auch in dem (sehr lesenswerten) Hertha-Artikel in der 11 Freunde-Ausgabe Juli 2010 erwähnt.

    Zu Schalke nur soviel:

    http://www.youtube.com/watch?v=z5i6pGVubPs

  3. naja, hertha-schalke halt ich auch nicht unbedingt für das „hass-derby“ schlechthin, aber mit sicherheit auch nicht klautern-bayern! das ist „ebenso einseitig“ wie hertha-schalke….

    denke die liga hat kaliber zu bieten die auf größerer gegenseitigkeit beruhen…
    dortmund-schalke, gladbach-köln, hsv-pauli, hsv-bremen, köln-lev, frankfurt-mainz, klautern-mainz usw.

    klautern-bayern is eben der kleine mann vom kartoffelacker gegen den großen uli hoeneß und seine millionioarios – mehr nicht….

    der sieg sei den kartoffelbauern ja gegönnt, aber bayern ärgerts auch nicht mehr als die niederlage gegen mainz letztes jahr.

  4. So siehts aus, die Technik ist verreist. und zwar in einem Land, das es mir verbietet, die bestimmt lustigen Videos zu sehen:

    Ankara 1. Sulh Ceza Mahkemesi’nin, 05.05.2008 tarih ve 2008/402 nolu KORUMA TEDBİRİ kapsamında bu internet sitesi (youtube.com) hakkında verdiği karar Telekomünikasyon İletişim Başkanlığı’nca uygulanmaktadır.

    Aber egal, Hauptsache DSF flutscht am Montag via Satellit… HaHoHe!

  5. „klautern-bayern is eben der kleine mann vom kartoffelacker gegen den großen uli hoeneß und seine millionioarios – mehr nicht….

    der sieg sei den kartoffelbauern ja gegönnt, aber bayern ärgerts auch nicht mehr als die niederlage gegen mainz letztes jahr.“

    Das ist lächerlich und zeugt nicht gerade von großem Wissen der Bundesligajahrzehnte 70-90.

    Inklusive Ausssagen von Hoeneß, Breitner oder „Bulle“ Roth was man bei Bayern so von Kaiserslautern hält.

    Und hab mir sagen lassen, dass das eine Menge Bayernfans so sehen.

  6. @ Humbug: Das ist korrekt. Man muss nur die Aussagen von van Gaal über Müller bis Schweinsteiger (vor dem Spiel!) nachlesen, um zu erkennen, dass es in München immer noch einen Heidenrespekt gibt vor dem Berg (und für so manchen Bayern-Fan ist laut eigener Aussage der 18.5.08 – Lauterns Nichtabstieg in die Bedeutungslosigkeit – der schwärzeste Tag). Aus Lautern-Sicht: Kann gerne so bleiben. :-)

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