Mauertaktik-Liga-Check (3): Ey Mann, wo is‘ der Mannschaftsbus?

ligacheck3Eurobabogal, Eurobabogal! Erste Runde Bukarest, zweite Runde Rom … da kann man schnell die Übersicht verlieren! Und eh man sich versieht hat man Pflichtspiele gegen den FC Vaslui (Transsylvanien) oder Sheriff Tiraspol (wilder Westen) am Hals. Wie man vielleicht merkt, widmen wir uns heute im Liga-Check drei Vereinen, die die Bundesliga auch auf europäischer Bühne vertreten. Sie werden voraussichtlich in den nächsten Monaten eine geraume Zeit als Touristen zwischen Ärmelkanal und Ural verbringen. Es handelt sich um Werder Bremen, den VfB Stuttgart und Borussia Dortmund.

Werder Bremen

Es hätte ja alles so einfach sein können. Aber dann spielt Mesut (Erl-)Özil eine Hammer-WM und Real Madrid wird auf einmal ganz juckig. Vielleicht bleibt er trotzdem der „Werderfamilie“ erhalten. Wäre schon blöd, wenn seine Rolle so kurz vor Beginn der neuen Staffel rausgeschrieben werden müsste. Und Anna-Maria Lagerblom als tragende Nebenrolle zu verlieren könnte ein echter Einschaltquoten-Killer sein. Aber selbst bei einem Özilschen Abflug nach Spanien wäre es ja nicht das erste Mal, dass man an der Weser den Abgang eines Spitzenmannes (so etwa Johan Micoud, Miro Klose oder Heimo Pfeifenberger) ganz gut verkraften kann. Und tragende Teile der Fabel-Offensive sind ja noch an der Weser zu finden: Pizza liefert weiter Buden ab und Marin trinkt ab jetzt Zaubertrank und lässt sich einen prächtigen OLiBa stehen. Mit Pflicht-Ösi Astronautovic und Sandro „Sandy“ Meyer-Wagner sind sogar noch einige Alternativen hinzugekommen.

Ultimative MT-Prognose: Die Breite an der Spitze ist dichter geworden. Ist da noch Platz für die Werderaner? Jedenfalls werden sie mit ihrem Hurra-Fußball auch in dieser Saison für Unterhaltung sorgen und somit ist ein 5:4-Sieg eigentlich immer drin. Wenn dann die Abwehr in einigen Spielen noch dicht hält, reicht es auch wieder für Europa. Der Stammplatz in der Champions-League muss aber vielleicht aufgegeben werden.

VfB Stuttgart

Die Liste der Abgänge beim VfB Stuttgart liest sich recht prominent. Heli-Jens hat Schluss gemacht, Manager Heldt zieht’s unter Tage und Khedira hat ebenfalls einen langen Schuh gemacht. Demgegenüber verbreiten die Namen der Neuzugänge nicht unbedingt Angst und Schrecken. Dann müssen es eben die alten Bekannten wieder richten, allen voran Helmut. Der Kultstürmer allein wird schon dafür sorgen, dass man in dieser Saison nicht in Bedrängnis kommt. Auch kann sich der künftige Nationalheilige mit seinen Toren in dieser Spielzeit in der schwäbischen Vereinschronik verewigen: Noch ein Tor, dann hat er mit Mario Gomez gleichgezogen, nur noch sieben Tore zu Bobic und nur noch 67 Tore bis Allgöwer. Da geht was. Und auf der Bank sitzt ja mit Christian Gross jemand, der auch eine ganz beachtlich Statistik vorzuweisen hat. In der letzten Saison von 15 auf 6. Da darf man gespannt sein, was der Mann, der ja auf zweiter Steuerkarte noch Einsatz in Manhattan schiebt, in einer kompletten Saison erreichen kann. Die größte Baustelle ist da sicher die Frage, wer jetzt für die Skandale zuständig ist. Brillen-Jens und Aggro-Hleb sind nicht mehr da. Vielleicht kann ja Boulahrouz im Training eine kleine Hauerei anzetteln. Man darf gespannt sein.

Ultimative MT-Prognose: Im wertkonservativen Schwabenland bleibt man Traditionen gerne treu und so müsste man eigentlich auch dieses Jahr ziemlich schlecht aus den Startlöchern kommen. Spätestens in der Winterpause wird aber die geistig-moralische Wende eingeleitet und man stößt dann sicher wieder in höhere Tabellenregionen vor. Wie weit es nach oben geht, könnte daran liegen, ob der VfB am Sparkurs festhalten muss. Das kann man ob der unsicheren Kostenentwicklung schlecht sagen. Projekt „Stuttgart 2011“ in Gefahr? Protest ist zumindest angekündigt.

Borussia Dortmund

Der nächste Schritt ist getan, der BVB ist mit Jürgen Klopp im U-U- … der Europa-Liga. Das wird dann wohl auch die größte Veränderung im Vergleich zur letzten Saison sein. Die Mannschaft blieb größtenteils zusammen, nur Tingel-Tangel-Tinga hat sich verkrümelt. So kann Kloppomat auch diese Saison auf den Lokalmatadoren und Frisurengeisterfahrer Kevin Großkreutz bauen. Dieser hat es in einer Saison schon weit gebracht: Stammspieler, Nationalspieler und Pate eines Schabrackentapirs im Dortmunder Zoo (Kalle Kutowski berichtete). Dazu kommen noch ein paar Neuzugänge. Allen voran Robert Lewandowski aus der polnischen Ekstraklasa und Shinji Kagawa aus der japanischen J-League. Letzterer ist auf dem besten Wege zum Publikumsliebling und konnte bereits in der Vorbereitung mit einigen Toren und Zwirbelflanken glänzen.

Ultimative MT-Prognose: Wie lange man auf drei Hochzeiten tanzen kann ist noch ungewiss und könnte mitentscheidend für das Abschneiden in dieser Saison sein. Aber der Torpanther Barrios kann sicher auch auf europäischer Ebene den ein oder anderen Ball zerbeißen. Und wenn dann Kapitän Kehl sich nicht wieder einen seiner Glasknochen bricht, hat man eigentlich auch auf allen Positionen Alternativen. Fazit: Platz 6 in der Liga und der Europapokalsieg im Finale gegen Dnipro Dnipropetrowsk!

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Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

3 Gedanken zu „Mauertaktik-Liga-Check (3): Ey Mann, wo is‘ der Mannschaftsbus?“

  1. Ist das mit dem Mözilschen „Abflug nach Spanien“ Absicht? Ich meine wegen der eindeutigen Ähnlichkeit mit einer Eule. Huuuh Huuuh!

  2. Jetzt braucht Werder wirklich einen neuen „Hauptdarsteller“ für diese Saison. Schade, aber wieder einer, der seine Karriere unbedingt wegen des Geldes ruinieren will…

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