Mauertaktik-Liga-Check (1): In einem Land vor unserer Zeit

ligacheck3Die neue Bundesliga-Saison naht und wird am 20. August angestoßen. Die Hobby-Cineasten von Mauertaktik analysieren auch dieses Jahr wieder knallhart die 18 Vereine, die ins Rennen um den Titel gehen. Es wird sechs Folgen geben. In der ersten Folge beschäftigen wir uns mit dem Besten aus den 70ern, 80ern und 90ern, was aber leider nicht mehr das Beste von heute darstellt. Im Klartext: Heute geht es um Gladbach, den HSV und die Frankfurter Eintracht.

Borussia Mönchengladbach

Die Fußballhochburg der 70er hat seine glorreichen Disco-Jahre lange hinter sich. Ein wichtiger Schritt zurück zum Erfolg ist da sicher die Verlängerung des Kontraktes mit Abwehrrecke Dante, dessen Seventies-Frisur nun auch vertraglich festgeschrieben ist. Insgesamt konnten die positiven Erscheinungen der letzten Saison, vor allem Marco „Reuse“ Reus und auch Gaucho-Bulle Bobadilla, gehalten werden. Dazu stößt der belgische Brasilianer Igor de Camargo. Der Mann, der sein Fußballspiel in den Favelas von Flandern perfektionierte, soll für (noch mehr) Spielkultur sorgen. Trainer der Mannschaft ist weiterhin Michael Frontzeck, der mit Platz 12 in der letzten Saison den größten Erfolg seiner Trainerkarriere verbuchen konnte. Hoffen wir mal, dass er da nicht abhebt.

Ultimative MT-Prognose: Die traditionelle Auswärtsschwäche ermöglicht keine großen Sprünge. Auch fühlt sich Übungsleiter Frontzeck sowieso im Tabellenkeller am wohlsten. Als die Vereinsführung bemerkt, dass er gar nicht mehr aus dem Keller rauskommen will, muss sie sich irgendwann von ihm trennen. Aber unter einem neuen Trainer blühen die jungen Spieler wieder auf und man kann sich ins hintere Mittelfeld retten, ganz nach dem Motto: Stayin‘ Alive!

Hamburger SV

Neonshirts, Schulterpolster und Musik von Rick Astley: schockierende Details aus dem Privatleben von Joris Mathijsen. Aber auch der HSV zehrt seit Jahren von der Nostalgie und hat seit seinen Meistertiteln Anfang der 80er-Jahre nicht viel gerissen. Einen Vorteil hat man aber in diesem Jahr: Man konnte sich dank einer Grottenrückrunde geschickt aus dem internationalen Geschäft heraushalten und vermeidet nun die Doppelbelastung, die in den letzten Jahren vorherrschte. In der Europa-Liga war man bekanntermaßen gar nicht so unerfolgreich, ein Titelgewinn wurde aber von Fulham resp. einer Papierkugel verhindert. Für dieses Jahr musste die Mannschaft mit Jerry Boateng nur einen prominenten Abgang verkraften. Damit konnte der HSV zum wiederholten Male einen Spieler für einen Fabelbetrag an die Scheichs von Man Blue verschachern. Nicht schlecht für die Portokasse und mit Heiko Westermann steht bereits ein gleichwertiger Ersatz bereit. Mit weiteren Neuzugängen wie Drobny, Diekmeier und Kacar konnte der Kader sogar in Breite, Höhe und Tiefe verbessert werden. Weiter einer hohen Fluktuation unterworfen sind der Trainerposten (Veh) und der Stadionname (sogenannte „Imtech Arena“). Da wir bei Mauertaktik so einen neumodigen Quatsch nicht mitmachen, bleiben wir bei den angestammten Bezeichnungen „Volksparkstadion“ und „Ernst Happel“.

Ultimative MT-Prognose: Am Anfang flutscht’s! Die Stürmer ballern sich die Seele aus dem Leib und der HSV steht nach einem Auswärtssieg bei St. Pauli an Spieltag 4 ganz oben. Aber wie erwartet kommen die Nordlichter mit der Höhenluft nicht klar und spätestens in der Winterpause kommt es zum Eklat: Guerrero-Paule hängt auf Mallorca fest, van Nistelrooy wechselt zu RB Leipzig und Jarolim sitzt in U-Haft. Damit ist wieder nur Platz 7 (inkl. Heimniederlage am 21. Spieltag) drin.

Eintracht Frankfurt

Nach der Fahrstuhlära Anfang der 00er-Jahre konnte die SGE aus Frankfurt sich unter Funkel konsolidieren und nun unter Skibbie spielerisch sogar noch einen klaren Schritt nach vorne machen. Klar hängt man den glorreichen 90er-Jahren mit Uwe Bein, Tony Yeboah und Ralf „Weird Al“ Weber nach, aber wenn man dieses Jahr eine einstellige Platzierung erreicht, wäre das sicher ein Erfolg. In der aktuellen Formation überzeugt vor allem die Offensive mit Winterneuzugang Altintop an der Spitze. Der wiederauferstandene Amanatidis und der ebenfalls wieder genesene Kult-Ösi Korkmaz könnten auch eine Rolle spielen. Das erinnert dann doch wieder ein bisschen an frühere Zeiten. Aber ein Caio ist noch kein Okocha und wird es voraussichtlich in dieser Saison auch nicht werden. Aber man weiß ja nie. Auf eins können sich die Eintracht-Fans allerdings auch in dieser Saison verlassen: Oka Nikolov hat gute Chancen die Nummer 1 zu bleiben. Die Entscheidung zwischen ihm und Nachfolgeaspirant Fährmann dürfte in Kürze fallen. Aber wie sie auch ausfällt, irgendwann steht der „Ewige Oka“ sowieso wieder zwischen den Pfosten.

Ultimative MT-Prognose: Skibbe arbeitet am „Fußball 3000“. Ein Offensivfußball vom allerfeinsten, ein Leben auf der Überholspur. Allerdings wird das Kettcar der Eintracht in einigen Spielen nur schwer mit dem Golf oder BMW der Ligabonzen mithalten können. Die Eintracht kann aber die Leistung der vergangenen Saison bestätigen. Am Ende wird es Platz 9.

UND NICHT VERPASSEN: Morgen folgt Teil 2 des Liga Checks: Mit den lustigsten Vereinen der Bundesliga!

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

2 Gedanken zu „Mauertaktik-Liga-Check (1): In einem Land vor unserer Zeit“

  1. ich muss bei der Eintracht von heute ne Träne verdrücken. Skibbe igittigitt

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