Zum Heulen!

Schluss. Aus. Vorbei. Endlich vorbei. Die fußballfreie Zeit kann beginnen. Es war nicht die schönste WM aller Zeiten. Aus deutscher Sicht war es am Ende auch nicht die glücklichste. Dennoch hat das Turnier in Südafrika nicht wenige absurde Momente von Slapstick bis Heulkrampf geliefert. Hier das Blödel-Panoptikum vom Kap.

Der flennende Koreaner
Bislang wussten wir nicht, dass es in Nordkorea Schlosshunde gibt. Aber ehrlich gesagt wussten wir auch sonst nicht wirklich viel über die sympathische Atommacht aus Fernost. Offenbar also gibt es eine Renaissance der Schlösserkultur nördlich des 38. Breitengrads. Das Indiz: Jong-Tae Se, eigentlich Japaner, dennoch für die nordkoreanische Auswahl am Start. Vielleicht flennte Se deswegen schon vor dem Anpfiff los, als dürfte er nie wieder gegen den Ball treten. Vielleicht fand er auch die brasilianische Hymne zum Heulen schön. Vielleicht fühlte er sich auch wie sein kleiner großer Führer einfach ein bisschen „ronery“ (dt.: „tlaulig“), auf dem großen Platz, so fern ab von der Heimat.

Die Green Card
Keeper ist Englisch für Depp. Nationalkeeper dementsprechend für Volldepp. Insofern wurde Robert Green, der sich schon mit mäßigem Erfolg als MTV-Moderator und Indie-Barde versucht hatte, der langen Tradition britischer Fliegenfänger mehr als gerecht. Mit seiner Slapstick-Einlage gegen die USA, die allerdings auch wirklich nur Leute jenseits des Atlantik resp. Ärmelkanals lustig fanden, bewarb sich der Three-Lions-Schlussmann erfolgreich für die Green Card. Und für die sofortige Verbannung auf die harte Ersatzbank. Demnächst also das neue Leben XXL bei Chicago Fire oder dem FC Dallas. All the best, Rob!

Tagliatelle al dente
Für Milliarden Menschen auf dem Erdenball wurde der 24. Juni zum Festtag. Italien ausgeschieden. Lasset uns tanzen und frohlocken! Natürlich gab es auch beim letzten Akt der italienischen Staatsaffärenoper noch das Beste des Nationalcharakters zu bewundern. So beispielsweise das expressionistische Gemälde, das Fabio Tagliatelle ins Tornetz der Slowaken pinselte. Erst bedrohlich wie Munchs „Schrei“ über dem gegnerischen Torwart, dann bizarr umfallend wie ein Picasso-Porträt. Kurz darauf holten die Slowaken dann die Pasta aus der Brühe. Biss hatte die nicht.

Zettel-Raymond
Er hatte was von Ewald Lienen, als er da mit dem kleinen Blatt Papier vor dem Mannschaftsbus stand. Frankreichs Stars und Sternchen hatten sich verkrochen, und der König ohne Volk sollte den Vorleser geben. Die Botschaft: „Eier, Milch, Butter, Brot, Käse, Salat.“ An der Kasse aber stellte Raymond Domenech fest, dass er gar kein Geld dabei hatte. Den Salat aber bekam er dennoch. Chapeau! Resp. F***** Sie sich doch in den A****, mein Herr!

Iker und die Frauen
Keine WM ohne hollywoodreifes Ende. Vor vier Jahren nietete Zizou einen dahergelaufenen Banditen um wie Clint Eastwood in gefühlt tausend Spaghetti-Western. 2010 ist alles ein bisschen schnulziger. Make love not war. Susi und Strolch statt Lied vom Tod. Und so biss Iker Casillas zum Abschluss seiner Freundin Sara Carbonero noch mal zünftig in den Schinken.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

11 Gedanken zu „Zum Heulen!“

  1. Da fälschlicherweise immer von Robert Green als Torwart (engl.: Goalkeeper) gesprochen wird, muss ich darauf hinweisen, dass der gute Mann sein Geld eigentlich als Greenkeeper verdient. Da hatte Capello wohl doch Probleme mit der englischen Sprache.

  2. Bin mal echt gespannt, ob Jong-Tae Se in der kommenden Saison auch bei Herbert Grönemeyers „Bochum“ Rotz und Wasser heult…

  3. Es soll ihm verziehen sein! Wer zum ersten Mal Weltmeister wird, der weiß eben noch nicht, dass er den Pokal und nicht sein Weib zu küssen hat. Aber Übung macht den Meister! :-)

  4. zum heulen fand ich am meisten die schiedsrichter. der wahnsinn, was die zamgepfiffen haben. SKANDAL

  5. is zu geil, wie roberto rosetti(!) vor dem spiel die mitschiedsirchter aufgegeilt küsst. danke für den post, geiler film

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