Feuer frei, Männer!

luftkrieg

Bei einem Fußballspiel geht es um weit mehr als um Leben und Tod. Das wissen wir vom großen britischen Trainer Bill Shankly, dessen Ansicht vom nicht minder großen holländischen General Rinus Michels Bekräftigung erfuhr, der die Jagd nach dem runden Leder bekanntlich als „Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln“ bezeichnete.

Krieg also, jenes einst so verbissen betriebene urdeutsche Hobby, das in den vergangenen 65 Jahren hierzulande etwas aus der Mode gekommen ist. Zu Recht, möchte man anfügen, haben wir doch mittlerweile andere probate Mittel und Wege gefunden, uns abzureagieren.

Ist es nicht eigentlich auch viel erquickender, eine entblößte englische Hintermannschaft in kurzen Buchsen zu überrennen, als den fruchtlosen Versuch zu unternehmen, die Londoner Innenstadt in Schutt und Asche zu legen und im Stechschritt durch ferne Metropolen zu stiefeln? Ist es nicht vielmehr ein ganz wunderbares Gefühl, all den Panzern, Stahlhelmen und Nazi-Uniformen im englischen Blätterwald mit herrlich pazifistischen Kontern den Garaus zu machen? Eine mittelgroße Plastikkugel im richtigen (oder, je nach Betrachtungsweise: falschen) Netz kann doch so viel mehr Frieden stiften als all die Mörser, Granaten und Brandbomben. Meinen Sie nicht?

Nun, dann gehören Sie vielleicht zu jener kauzigen Minderheit, die es immer noch nicht auf die Kette bekommen hat. Krieg ist out, mein Herr! Schlachten war gestern, meine Dame! Fußball rules the world. Vorbei die Zeiten, als sich Argentinier und Engländer auf den Rängen des Aztekenstadions die Schädel einschlugen, weil es da im Vorfeld einen kleineren Disput um eine Inselkette im Atlantik gegeben hatte. Krieg gehört auf den Rasen. Dort, nur dort werden die Gefechte der Moderne ausgetragen.

Wobei die richtigen Stichwörter schon gefallen sind. England. Und Argentinien. Das ist aber auch ein Feldzug (sehen Sie bitte in diesem Falle doch noch einmal die martialische Rhetorik nach), ein wahrer Feldzug also, den die hungrigen Rekruten von Leutnant Löw da angetreten haben. In Ozeanien, Osteuropa und Zentralafrika wurde die deutsche Vormachtstellung ja bereits erfolgreich verteidigt. Auch die Schlacht um den Ärmelkanal haben der neue deutsche Bomber und seine hochdekorierten ostpreußischen Kollegen an vorderster Front bravourös für sich entschieden. Was haben wir die Flotte der alten Seefahrernation zusammengeschossen! Feinstes Entertainment mit Haken und Özil.

Doch nun dräut erneut Gefahr. Argentinien ante portas, deren größter kleinster Kriegsheld mittlerweile am Kommandotisch sitzt. Was zudem Sorgen bereitet: Der kleine, pummelige Veteran, der sich das Erdenreich vor 24 Jahren unterwarf, hat sich einen legitimen Nachfolger geklont. Klein auch, pummelig nicht, gefährlich… jou, ganz schön. Ein veritabler Messias, sagen manche.

Aber nicht gegen uns, nein, nicht doch. Wir wissen doch, wie diese Armee in Weiß-blau aufzureiben ist. Anno ’86, ja, da rannten wir ihnen noch hinterher, weil Brigadier Briegel den Rückzug nicht gedeckt hatte. Doch schon vier Jahre später machte Käpt’n Käthe ordentlich Knoten und Major Matthäus durfte seiner Besatzung am Ende die Orden anstecken. Kürzlich unternahm die Gaucho-Guerilla dann gar den Angriff auf unser Allerheiligstes – die Lage in der deutschen Hauptstadt war bedrohlich, vier Jahre ist das gerade einmal her. Doch dann versenkte Konteradmiral Klose seinen Torpedo und Lukenposten Lehmann hielt die Schotten dicht. Wieder hieß es: Sieg für Schwarz-rot-gold!

Nun also eine erneute Entscheidungsschlacht. Im fußballerischen Sinne natürlich. Der Marschbefehl jedoch ist erfolgt: Töppen bei Fuß und Feuer frei, Männer!

Bild: Flickr / The National Guard

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

4 Gedanken zu „Feuer frei, Männer!“

  1. „Feinstes Entertainment mit Haken und Özil.“
    Jaaaa, sehr schön, ich mag Drogen auch, sehr sogar. ; )

  2. Ick hab 200 Puls bald, Trikot sitzt, Flagge sitzt, allet tutti!
    AUF gehts!
    Und AB!!!!
    Mein Tip 2:0 Klose, Müller!!!

Kommentare sind geschlossen.