Rot gegen Kraut

koeln-1945
Letzter englischer Sieg: Köln-Müngersdorf 1945

England gegen Deutschland – ein Spiel um Leben und Tod? Weit mehr als das! Pisswarmes Ale gegen eiskaltes Pils, Minzpampe gegen Kalbsschnitzel, Tyrannei gegen Schmusedemokratie, Regen gegen Sonnenschein. Nicht weniger als unsere Lebensart steht auf dem Spiel. Packen wir’s an!

Weil es mit dem Fußballspielen bei dieser WM nicht so recht klappen will, schwenken die Insulaner derzeit einmal mehr auf Medienoffensive um. „Bring them on!“, „Lahms to the slaughter“ und andere geschmackvolle Titelzeilen prangen dieser Tage von den englischen Tabloids. Die eine oder andere Pickelhaube dürfte sich auch noch in den Sportteil verirren.

Kein Zweifel: Die Tommies ziehen alle Register. Ganz Erstaunliches hat der „Daily Mirror“, Englands Vorzeige-Investigativorgan, recherchiert. Es kann gar nichts schiefgehen für die Weltmeister von 966 (unter Edgar dem Friedvollen), denn: „Seit 40 Tagen üben wir Elfmeter“, wie Jermain Defoe, der Siegtorschütze gegen Slowenien, zitiert wird. Nun gut, England probiert auch seit 44 Jahren Weltmeister zu werden. Beides bislang ohne Erfolg. Und schließlich ist da ja noch die deutsche Klasse-Lotterie vom Punkt, Motto: „17 aus 18“ (so die Bilanz der deutschen Schützen bei WM-Elfmeterschießen).

Auch in der Tradition des größten (oder zumindest dicksten) Politikers ihrer Geschichte agieren die Revolverblätter von der Insel. „Ich traue nur den Statistiken, die ich selbst gefälscht habe“, sagte Winston Churchill einst. Und so finden sich im „ultimativen Elfmeter-Vergleich“ der „Sun“ auf deutscher Seite die Namen von Hans Jörg Butt (!), Marcell Jansen, Mario Gomez (!!) und Stefan Kießling. Ergebnis: England 80 %, Deutschland 79 %. Schon da sollte einem so manches komisch vorkommen. Englands Fantasiekeeper David James hat laut Tableau in der Premier League 9 von 29 Elfern gehalten. Gut, aber das war auch in England. Und da können sie bekanntlich keine Elfmeter schießen.

Während sich der ewig moderate „Guardian“ mit analytischen Wattebäuschen, die in dieser Situation nun wirklich keiner braucht, ins Abseits stellt („Deutschland… blabla… gähn… schnarch… schlagbar“), hauen andere schon mehr auf die Pauke und wünschen die verdammten Hunnen zurück in die Steinzeit – oder zumindest weg aus Südafrika. Aus falscher Verbundenheit mit dem Geist von 1966 (der in Wahrheit zusammen mit dem alten Wembley in die Luft gesprengt wurde) werden die Erben des Hurst am Sonntag in roten Leibchen auflaufen – und vermutlich zum Frühstück einen doppelten Latte saufen.

Aber das alles wird ihnen wenig nützen, unseren sympathischen Nachbarn ein paar Seemeilen westlich von Norderney. Denn statt Rooney Räubersohn und seinen zahnlosen Gefährten haben wir schließlich Ballermann Mesut Erlözil und zehn andere hungrige Mäuler, die nach Beute nur so lechzen. Elf Löwen gegen drei – was soll da schiefgehen?

Bild: Flickr / David C. Foster

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

9 Gedanken zu „Rot gegen Kraut“

  1. Also ich finde die Berichterstattung von der Insel momentan eher lahm (Achtung: kein Wortspiel!). Bislang konnte noch keine Headline das gute alte „Blitz the Fritz“ aus dem Jahr 1996 toppen…

  2. Wenn man, so wie ich, nur mit englischen Arbeitskollegen zusammenarbeitet, härtet man im Laufe der Jahre ab. Dennoch ist das, was ich momentan täglich zu hören bekomme, schärfer als alle Kommentare bisher. Die beste Antwort auf diese Fußballpöbelei ist die Aussage: just in case you did not know, a striker is actually allowed to score from a penalty.

  3. geiler artikel, genau solche provokation brauchte ich heute lesen, bevor ich jetzt das spiel am altmarkt gucke. hoffentlich sind es hier nicht so viele betrunkenen engländer sein wie wohl in krakow. wird doch eine schöne woche sein: heute gewinnt deutschland, morgen hauen jendrisek et al. die holländer raus, und übermorgen verletzt sich c. ronaldo beim diamanten-ohrringe ausziehen. viel spaß beim zuschauen!

  4. geiler artikel, genau solche provokation brauchte ich heute lesen, bevor ich jetzt das spiel am altmarkt gucke. hoffentlich sind es hier nicht so viele betrunkenen engländer wie wohl in krakow. wird doch eine schöne woche sein: heute gewinnt deutschland, morgen hauen jendrisek et al. die holländer raus, und übermorgen verletzt sich c. ronaldo beim diamanten-ohrringe ausziehen. viel spaß beim zuschauen!

  5. Gratuliere alle Mauertaktiker! Egal was über das 2-2 geschrieben wird, zu gewinnen hat nur eine Mannschaft verdient. Und die Mannschaft hatte Özil, Müller, Klose, Podolski, Schweinsteiger, Khedira etc in Wahnsinnsform. 4-1. Alter, das war geil gespielt!

    Bin ich froh dass die Spurs-boys so wenig involviert waren! :-)

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