Favoritendarben

fisch-fleischDie Konkurrenten der deutschen Nationalelf (dem Topfavorit dieser WM, wenigstens hierzulande) – sie tun sich schwer bislang beim Turnier in Südafrika. Die meisten „Großen“ setzten eher auf kleinklein. Mauertaktik schaut zurück auf die ersten Auftritte von Argentinien und Co.

Gestern mühte sich die brasilianische Selecao gegen elf uranangereicherte Dauerläufer zu einem 2:1-Sieg. Für Titan Kahn, der Asien und Brasilien gleichermaßen gut kennt, boten die Brasilianer „erst 50, dann 25 Prozent“, insgesamt dann also 75, aber ob es wirklich daran lag oder an der legendären Verspieltheit der Zuckerhut-Truppe, die das deutsche Trainergespann Karl Dunga und Jörg Inho mit Nike-Werbespot-Tricks schier in die Verzweifelung trieb oder an der Angst des Koreaners vor dem Gulag? Keiner weiß es.

Bei unseren südlichen Nachbarn sind Stolperstarts dagegen vollkommene Routine. Ein Unentschieden gegen Paraguay – damit ist Italien voll im Soll. Guter Fußball? Das ist nichts für das Land, das vor vier Jahren mit sizilianischer Zementmischertaktik Weltmeister wurde. Schon 1982 wurschtelten sich die Italos mit drei Remis in die zweite Runde, am Ende gab’s als Prämie für den begeisternden Offensivfußball den Weltpokal. Ehrensache auch 2010, dass der 1:1-Ausgleichstreffer gegen Barrios und Amigos ein absolutes Geschenk war. In dieser Form ist Italien einer der ernsthaftesten Kandidaten auf den Titel. Im Ernst.

„Messi, immer wieder Messi, der kleine Floh im Haferstroh“, jubilierte einst schon Kultröhre Herbert Zimmermann. Und tatsächlich: Während Stars wie Kaka, Ronaldo und Co (Nordkorea) enttäuschten, wirbelte Messi von Minute 1 wie einst Katrina. Besonders verheerend waren die Schäden beim Gegner aus Nigeria noch nicht, doch spätestens zum dritten Match gegen die siechen Griechen sollte dann ein Torfestival wie vor vier Jahren gegen Serbien möglich sein. Mit Argentinien ist zu rechnen, auch weil Ayala und Cambiasso in diesem Jahr zu Hause blieben.

Ein Schatten ihrer selbst ist die französische Equipe Tricolore. Wenn der Auftakt gegen die knurrigen Urus aus dem Lande Gay einer der Tiefpunkte der französischen WM-Geschichte war, dann hat Rudi Völlers Bonmot des „Tiefpunkt vom Tiefpunkt“ resp. des „Mistkäsescheißdreck“ in Thierry Henry seine späte Bestätigung gefunden. Titi war im Vorfeld mangels Spiel- und Formpraxis der Miro Klose der Franzosen – leider ohne Happy-End. Fürs dritte Spiel kommt wohl Zidane zurück, doch auch die alte, weiße Katze aus Marseille wird das frühe Aus nicht verhindern.

Ah, good old England, das du bist in Konservatismus gefangen. Nichts scheint sich zu ändern in der englischen Nationalmannschaft. Am allerwenigsten der Versuch, ein Turnier mit nur zehn Mann gewinnen zu wollen. Shilton heißt jetzt Seaman heißt jetzt Robinson heißt jetzt James heißt jetzt Green. Sonst ändert sich nix. Bevor die stolzen Insulaner nicht doch mal wenigstens einen soliden Keeper züchten, verlängert sich das Leid in vierjährigem Turnus. Aus im Elfmeterschießen gegen Deutschland im Achtelfinale – weil alle drei Keeper kneifen, muss John Terry in die Kiste. Mal wieder.

Bild: Flickr / noii

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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