Deutsche Eröffnung

chessAm Sonntag beginnt für die deutsche Elf die WM. Australien lautet der Auftaktgegner. Seit 1990 gab es stets einen Sieg zu Beginn. Mauertaktik schaut zurück auf wechselhafte zwei Jahrzehnte Deutsche Eröffnung.

Lothar Matthäus hätte einfach aufhören sollen. Noch im verschwitzten Siegerleibchen von Rom hätte er den anwesenden Reportern seinen Rücktritt in die Blöcke hauchen können – auf dem Höhepunkt. Es gab nie einen besseren Matthäus als 1990 in Italien und 1990 in Italien gab es nie einen besseren Matthäus als beim Auftakt gegen Jugoslawien. Wie ein fränkischer Turbopflug furchte er durch die Reihen der Jugos, die man damals noch so nennen durfte, und verzückte uns alle. Schweini, mach den Lothar!

Vier Jahre später war dann alles irgendwie trister. Franz hieß jetzt Berti, aus markigen Sprüchen war fades Gestammel geworden und die Weltmeister waren erstaunlicherweise alle vier Jahre älter. Klinsi immerhin war noch ziemlich gut, und so erlöste der blonde Bäckerssohn aus dem Schwäbischen uns nach einer Stunde mit dem 1:0 gegen Fußballzwerg Bolivien. Ansonsten erinnern wir uns an ein Eröffnungsspiel, das einer Partie Schach zwischen zwei Armamputierten glich. Arm dran, gut drauf: Poldi, mach den Klinsi!

1998? Es gab kein 1998! Irgendwie rangen wir zum Auftakt die USA nieder, sagt die Statistik, irgendwie wurden wir dann mit dieser Fantasietruppe Gruppensieger, irgendwie war dann aber im Viertelfinale Schluss mit lustig, mit Wörns und mit uns. Traurig. Aber immer noch irgendwie aktuell. Arne, wehe, du machst den Wörns!

Beim ersten Spiel in Japan, 2002 war das, erzielten wir dann vier Mal so viele Tore wie gegen die Amis und gar acht Mal so viele wie gegen die Bolivianer. Drei Mal kugelte sich alleine das putzfidele Klöschen, unser neues Sturmsternchen, durch den Strafraum, während die wenig wackeren Wüstensöhne ihre Oase an diesem Abend nicht mehr fanden. 8:0, ein Ergebnis wie in der C-Jugend. Nun gut, am Ende sank der lecke Kahn dann doch. Und dennoch, noch ein letztes Mal: Miro, mach den Klose!

Vor dem Turnier 2006, wer könnte es vergessen, war die deutsche Elf eine veritable Wundertüte. Doch dann kam Philipp und sein rechter Fuß und der Winkel und der Jubel. Dass uns ein seltsamer Drittweltstürmer zwei Dinger einschenken durfte, ging schon im kollektiven Rausch dreier weiterer Tore unter. Klöschen kugelte zwei Mal, am Schluss stand noch ein fulminanter Fringsbums. Ach, Kinder, waren das Zeiten. Macht’s noch einmal, Jungs!

Bild: flickr.com/shyald

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

3 Gedanken zu „Deutsche Eröffnung“

  1. Glücklicherweise habt ihr die legendäre Auftakt-Pleite gegen Algerien 1982 verschwiegen. Die wieselflinken Nordafrikaner rannten immer wieder den tapsigen Deutschen davon. Was macht eigentlich Rabah Madjer, der algerische Hackentrick-Gott?

  2. Fantastische Deutsche!!! Der Hammer und das Klößchen und der Prinz treffen. Fußballherz was willst du mehr??

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