Der große WM-Gruppen-Check (G)

gruppe-gDie Gruppe G, wiederum eine veritable Hammer-, ja Todesgruppe. Jedenfalls für Nordkorea und die Elfenbeinküste… Denn die beiden schmalbrüstigen Exoten müssen gegen das mächtige portugiesische Seefahrerimperium antreten. Ab zum Check!

Brasilien

Zunächst muss eine Korrektur vorgenommen werden: Die Gruppe G führt nicht die brasilianische Selecao, sondern die Auswahl von Deutschland II an. Dieser Prachtbob wiederum wird nicht von André Lange gesteuert, sondern von Carlos Dunga, den seine Landsleute nur „den Deutschen“ nennen. Dunga hat vor der Nominierung auf die öffentliche Meinung in seinem Land einen relativ großen Haufen gesetzt. Weder die jungen Wilden aus der brasilianischen Liga, noch die vorgealterten Stimmungskanonen um Adriano und Ronaldinho fahren mit zum Kap. Dafür die beiden Wolfsburger Josué und Grafite, dessen Namen nicht mal seine eigene Mutter richtig aussprechen kann.

Obwohl der Kader der „Brasilier“ (P. Breitner) also nach Vernunftskriterien und anhand deutscher Tugenden ausgewählt wurde, bleiben dennoch jede Menge Perlen in der Graupensuppe übrig. So zum Beispiel Robinho oder Luis Fabiano im Sturm, Reals Kaká im Zentrum, der ewige Lucio in der Abwehr, Inters Rückhalt Julio Cesar in der Kiste oder der jüngere, talentiertere, weniger versoffene der Alves-Brüder auf der Außenbahn. Garantiert ohne weißen Pelz also wird sich die Dunga-Truppe in Südafrika präsentieren.

Mauertaktik-Prognose: Alles andere als 9 Punkte aus der Vorrunde werden in Brasilien mit mindestens 15 Jahren Favela bestraft. Also: Gruppensieg und dann… mal sehen!

Nordkorea

Über die Fußballmannschaft der Vorzeigedemokratie am 38. Breitengrad wissen wir ebenso viel wie über das Atomprogramm von Kim Jong-Il. Das Team sei bereits seit Monaten kaserniert, um den nötigen Kampfgeist zu entwickeln, hieß es. Gehen wir also davon aus, dass die Korea-Boys sich derzeit fühlen wie Hans Brix im Haifischbecken („I’m ronery…“).

Bald aber werden sie von der Kette gelassen, die Kim Yong-Uns, Hong Yong-Jos, Ri Kwang-Chons und wie sie alle heißen (Reihenfolge der Namen nach Länderspieleinsätzen, keine Ahnung, was die wirklich drauf haben…), und dann sollte sich die Fußballwelt warm anziehen. Ist ja schließlich Winter da unten in Mandela Country.

Mauertaktik-Prognose: Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird Nordkorea zu mindestens drei Spielen antreten. Alles andere ist primär.

Elfenbeinküste

Mensch, Dieter! Das WM-Aua resp. -Aus ihres mächtigsten Stürmers traf die Ivorer schwerer als, sagen wir: ein Hieb mit einem Elefantenstoßzahn. Kein Zweifel: Ohne Drogba, den bulligen Stoßstürmer, werden sich „les Eléfants“, was so viel bedeutet wie „die Elefanten“, schwer tun. Eine „Heim-WM“, wie von den eurozentristischen Medien gerne kolportiert, wird es ohnehin nicht, ist der westafrikanische Staat vom Kap doch weiter entfernt als der Eyjafjallajökull von Europa.

Ihre Hoffungen setzen die von „Horny Sven“ Göran Eriksson trainierten Atlantikanrainer nun hauptsächlich auf die Touré-Brothers Kolo und Yaya, nicht zu verwechseln mit den aus disziplinarischen Gründen vom FIFA-Spielbetrieb ausgeschlossenen Tourette-Brothers Wiksa und Pissa. Während Halbchilene Kolo in der Familie den Ton angibt, ist sein Bruder Yaya dafür bekannt, Probleme gerne mal einfach wegzunicken. Jaja, diese Afrikaner, würde der „Kaiser“ sagen, liab san se. Von solcherlei paternalistisch-rassistischem Geschwätz distanzieren wir uns natürlich.

Mauertaktik-Prognose: Jaja, diese Afrikaner. Liab san se, aber einfach nicht für Turniere gemacht. Aus nach der Vorrunde.

Portugal

Es ist wirklich kaum zu glauben: Die Erben des großen Eusebio vertreten ihr Land erst zum fünften Mal bei einem Weltturnier. Und allen Figos und Ronaldos zum Trotz ist der dritte Platz von 1966 auch 44 Jahre später noch unerreicht. Beim Dritten der FIFA-Weltrangliste klaffen Anspruch und Wirklichkeit bei großen Turnieren noch deutlich auseinander. Dazu passt, dass die interne Torschützenliste immer noch von Pauleta angeführt wird, der Birgit Prinz des portugiesischen Fußballs.

Nun aber zum aktuellen Kader, der von prominenten Namen nur so strotzt. Alles überragend natürlich Freistoß-Pistolero Christiano R., der den steilen Aufstieg vom Bahnhof Zoo in die Seleccao (sic) vollzogen hat. Aber auch Leute wie Ricardo Carvalho (der mit der Pferdelunge), Bruno Alves (der dritte, verstoßene der Alves-Brüder, s.o.), Swing-Künstler Duda, Raumausstatter Deco, die Super-Nani, Kabel1-Ikone Hugo Almeida, der russische Countrybarde Danny (Boy) und schließlich und endlich auch Stimmungskanone Liedson werden die WM ohne Frage mit dem einen oder anderen Ständchen bereichern. Schade lediglich für die gegnerischen Stürmer: Der o-beinige Verteidiger Tonel hat es nicht geschafft, auf den WM-Zug aufzuspringen. Gratis-Beinschüsse dann wieder 2012.

Mauertaktik-Prognose: Von Angola, ihrem traditionellen Stützpunkt auf dem Kontinent, stechen die portugiesischen Schiffsleute in See, erreichen Südafrika aber zu spät für das Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste. Macht nix, durch zwei Siege gegen Brasilien und die elf Fragezeichen klappt es doch noch mit dem Achtelfinale. Am Ende steht einmal mehr Platz vier, Ronaldo weint.

Bild: Flickr / US Army Africa

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

4 Gedanken zu „Der große WM-Gruppen-Check (G)“

  1. „Pauleta angeführt wird, der Birgit Prinz des portugiesischen Fußballs.“

    sweeeeeeeeeeeet

  2. Raumausstatter Deco und die Super-Nani
    yyyyeeeeesssss
    gutes Kraut geraucht ; )

  3. PS: die Super-Nani fällt leider aus, hat wohl einen gut bezahlten Au-pair Job angeboten bekommen

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