Der große WM-Gruppen-Check (E)

gruppe-eDie Todesgruppe unter den Hammergruppen: Dial E for Existenzkampf. Holland und drei andere Fußballgroßmächte balgen sich in Gruppe E. Wer da wohl weiterkommt…

Niederlande

Millionen deutscher Fans enttäuschte die gelungene Qualifikation der spitzohrigen Jungs aus dem Elftal, fiel doch der WM-Gassenhauer „Ohne Holland fahr’n wir zur WM“ in diesem Jahr ansatzlos aus. Eigentlich aber ein durchaus berechtigter Slogan, denn trotz der Glanzzeit der Siebziger, als man zwei Mal am Titel kratzte, Müller und Kempes aber was dagegen hatten, ist das kleine Schwemmland erst zum neunten Mal dabei.

Für die Oranje-Boys ist das Turnier praktisch ein Heimspiel, kommt man im Land am Kap als Besucher doch auch mit Schul-Afrikaans (auch: „Kapholländisch“) relativ weit. Zumindest bis zur Ecke des nächsten Slums, wo dann die Kolonialvergangenheit noch mal unter umgekehrten Vorzeichen (Holländer unbewaffnet) durchdiskutiert wird…

Wie dem auch sei: Der FC Holland reist mit einem tollen Star-Ensemble in den Süden. Die deutsche Achse Mathijsen-Bommel-Robben dürfte nicht nur den Japanern (s.u.) Kopfschmerzen bereiten. Dazu wurden für die Weltbesetzung zahlreiche weitere internationale Stars wie Doc Sneijder (H. Schneider), Robin van Persie (R. Crowe) und Ryan Babel (B. Pitt) gecastet.

Mauertaktik-Prognose: Ohne Holland fahr’n wir zur EM.

Dänemark

Zum Auftakt bekommen es die Niederländer mit dem wieder brandgefährlichen rotweißen Dynamit aus unserem nördlichen Nachbarland zu tun. Ein Blick auf den dänischen Kader schockt jeden langjährigen Fan der TNT-Auswahl: Weder die Laudrups noch Alan Simonsen spielen noch! Dafür hat sich Flemming Povlsen zerteilt und nimmt nun als Simon resp. Christian resp. Jakob Poulsen in heiliger Dreifaltigkeit an der WM teil. Aus der Bundesliga sind Werders Daniel Jensen und der Wolfsburger Thomas Kahlenberg dabei, letzterer ja bekanntlich die wenig farbenfrohe Alternative zu Markus Rosenberg – jedenfalls oberhalb der Baumgrenze.

Die Quali für Südafrika schafften die Schützlinge von Sepp Piontek, quatsch: Morten Olsen, äußerst souverän und verwiesen dabei das „Who’s Who“ der WM-Geschichte auf die Plätze: Portugal (Dritter 1966), Schweden (Zweiter 1958) und Ungarn (Zweiter 1954) schauten ebenso in die Röhre wie die mehrfachen Weltmeister Albanien (Freiluftschach) und Malta (Schafzucht). Deswegen kann es nun nur ein Motto geben: Finale oder Spielabbruch! Dänemarks vergangener WM-Held Preben Elkjaer-Larsen führte mit den Spielern bei der Vorbereitung die bekannte Toni-Schumacher-Willensschulung durch und drückte brennende Zigaretten auf ihren Unterarmen aus. Wer durch’s Stahlbad geht, wird Trauben ernten. Oder so ähnlich.

Mauertaktik-Prognose: Nach der lockeren Qualifikation fürs Achtelfinale platzt das dänische Pulverfass, die Spieler rebellieren gegen die karge Kost (keine Hamburger!) und verlieren absichtlich gegen Neuseeland. Morten Olsen wird neuer deutscher Bundestrainer.

Japan

Was viele in Zeiten der Totalglobalisierung überraschen mag: Die japanische Auswahl ist tatsächliche eine solche, spielen doch 19 der 23 Akteure in der heimischen J-League, die Pierre Littbarski einst in der Küche einer Tokioter Sushi-Bar auf einem Fetzen Fischpapier gründete. Die wenigen Europa-Legionäre der „blauen Samurai“ spielen dagegen bei solch obskuren Klubs wie Calcio Catania, Grenoble Foot 38 und dem VfL Wolfsburg.

Wie bei den anderen Nationalsportarten (Malochen, Selbstmord) schlugen die Japaner auch beim Fußball zuletzt über die Stränge. So wurde im Vorfeld unter künstlichen Höhenbedingungen trainiert, bis der Trainerstab herausfand, dass die WM doch nicht in Bolivien stattfindet, wie ursprünglich angenommen. Von den alten Recken der Heim-WM 2002 sind noch Junichi Inamoto (zuletzt Fußball-Crashkurs bei Kawasaki Frontale) und Shunsuke Nakamura übrig (hielt sich auf der US-Marine-Base Yokohama fit). Ein absoluter Star, nicht nur in seiner Römer Heimatstadt, ist natürlich auch Marcus Tulio Tanaka (derzeit: Alte Herren von Nagoya Grampus). Der Fußball bietet dem Herzblut-Republikaner das ideale Forum.

Mauertaktik-Prognose: Der größte WM-Erfolg (Achtelfinale, 2002) wird der größte bleiben, weil die Schwertklingen der Samurai schon mal schärfer waren. Aus nach der Vorrunde.

Kamerun

Zu den absoluten Topspielern der „unzähmbaren Löwen“ zählen zweifelsohne die Karaoke-Brothers Rigobert und Alexandre Song (in the style of: good football). Da die beiden in Wahrheit natürlich keine Brüder sind, sondern Onkel und Neffe, überrascht der Altersunterschied (33:22 für Rig Rock) und die Diskrepanz an Länderspielen (134:19) nicht. Oheim Rigobert jedenfall soll als Abwehrchef dafür sorgen, dass den Königen der Savanne keiner ins Müsli spuckt. Vorne setzt Coach Paul Le Guen auf Expressionismus: Samuel Eto’o, der Mann, der über 100 Tore für Barca schoss, hat auf seinen Beutezügen durchs gegnerische Gestrüpp völlig freie Hand, assistiert vielleicht vom Freiburger Barbesitzer Mo Idrissou.

Ein weiterer Vorteil: Die Fanbasis ist riesig. Beim Refrain der Nationalhymne („Oh Kamerun, Wiege unserer Vorfahren“) summt auch halb Detroit mit.

Mauertaktik-Prognose: Kamerun kommt weiter, schlägt Holland mit 2:1 Toren im Gruppenfinale von Kapstadt.

Bild: Flickr / US Army Africa

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Der große WM-Gruppen-Check (E)“

  1. Karaoke-Brothers ham ca. 7 Stunden Zeitverschiebung nach Detroit, wenn da ma nich die Quote einsackt.

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