Neues aus der Mannschaft

poldi-klose-angelnHermetisch abgeschirmt hinter einem 2,50 Meter hohen Sichtschutz bereitet sich die Nationalmannschaft im Südtiroler Eppan auf die WM vor. Doch dem Bloggeur ist nichts zu schwör. Mauertaktik hat sich für einen Tag mit Nasenbrille und Trainingsanzug ins Team geschmuggelt – hier ist der Exklusivbericht.

07:05 Uhr: Noch liegt Stille über dem Haus „Weinegg“ im Südtiroler Idyll. Die Adlerträger machen noch in aller Seelenruhe Schlummi. Doch nicht alle! Durch die Fenster der Hotelküche entdeckt die Mauertaktik-Kamera einen blonden Jüngling, der am Nutellaglas nascht. Verflucht! Auch auf dem Rasen nebenan ist schon Betrieb. Klose hat die Nacht über Torschüsse geübt, immer wieder ballert er das Leder in den unbewachten Kasten, macht danach den Salto. Auf der anderen Seite des Spielfelds schaut Gomez mit großen Augen auf das Netzgestänge: „Ach, DAS ist ein Tor. Gutgut.“

10:09 Uhr: Poldi kommt zu spät zum Vormittagstraining. „Uhr an der Playse geht falsch“, murmelt er entschuldigend. Jogi nickt müde. „So, Kinder, teilt euch mal auf in zwei Teams“, setzt er an – und blickt in einen Wald voller Fragezeichen. „Trainer, Sie haben doch immer gesagt, wir sind EINE Mannschaft“, sagt schließlich Schweini. Löw kratzt sich die Stirn, dreht sich dann um und läuft Richtung Hotel. „Hansi, mach Du mal! Bin schrecklich müde gerade.“

14:03 Uhr: Siesta Italiana im Quartier. Jeder geht seinen Plaisirchen nach. BWL-Olli blättert in der Lobby im „Economist“, Köpke spielt im Garten Faustball gegen sich selbst, Jansen und Trochowski tragen das ungleichste Watschenduell seit Erfindung des Menschen aus. Hinten am Waldrand angeln Klose und Poldi auf Butt und erzählen sich von zu Hause. „Och, jak pięknie Polska…“ Derweil genehmigt sich Gastwirt Moser-Bruno auf der Veranda eine ordentliche Prise Schnupftabak. Mit dabei: Der Maier-Sepp, seit 1990 ein Freund des Hauses. „Wennst mi frogst, tät i sogn, der Kahn is die klare Nummer eins!“ Bruno hört nicht hin, kennt die Platte.

16:38 Uhr: Die Nationalelf auf großer Fahrt. „Ja mir san mim Radl da“, schmettern Jogis Löwen beim traditionellen Zweiradausflug. Es ist der große Tag für Philipp Lahm: Er darf zum ersten Mal ohne Stützräder mitbrausen. Auch Küken Müller hat sich todesmutig in der Rubrik „Fahrradführerschein“ ein Häkchen gemacht. Doch als klar wird, dass der bayrische Jungstürmer zum ersten Mal auf einem Drahtesel sitzt, hat es schon gekracht. „Aua, Menno“, greint langes dünnes Müller, das sich beim Sturz in den Graben ein bisschen die Schnauze aufgerissen hat. Medizinmann Winnetatsch ist zur Stelle und legt fachmännisch einen Turbanverband an. Müller jedenfalls hat seinen Spitznamen weg: Osama.

22:34 Uhr: Rauchzeichen aus der Turmsuite! Habemus Capitano? Nein, es ist nur der Bundesjogi, der mit Presse-Stenger einen abendlichen Qualmstängel durchzieht. Die Spekulationen unter den Journalisten schießen ins Südtiroler Heidekraut. Wer kriegt die Binde? Billy the Lahm, Klöschen, Ariane F. oder am Ende doch nur Schweinis Olle? Reines Rätselraten im Medienzelt, da steht auf einmal ein alter Mann mit Wuschelhaar inmitten der Schreiberlinge. „Kinners, ich mach beides“, flötet der ewige Jensemann, „Käpt’n und Nummer eins, Jogi hat mich reaktiviert!“ Die Laptops rattern, die Telefone glühen. Wir haben eine Story!

Bild: Flickr.com / jpcorreacarvalho

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „Neues aus der Mannschaft“

  1. Riesig hab gefeiert! Kleines dünnes Müller und Lahmi Lahme ohne Stützräder!

    Schapöchen

  2. Sehr schön, erinnert mich irgendwie an die ersten MT-Artikel: kurz, knackig, gewürzt mit jeder Menge Wortwitz!

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