Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin

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Erst Stadion und dann?

Morgen Abend wird wie jedes Jahr der DFB-Pokal ausgespielt. Doch was tun, wenn der frischgebackene Deutsche Meister den SV Werder Bremen in Berlin zum Tanz bittet? Mauertaktik blättert im Reiseführer für Pokaltouristen.

Seit nun 25 Jahren residiert der DFB für sein Pokalfinale im Berliner Olympiastadion und schafft es auch regelmäßig, das weite Rund komplett zu füllen. Das könnte zum einen an der gestiegenen Attraktivität dieses Wettbewerbs liegen, zum anderen ist man in der fußballmäßig arg gebeutelten Hauptstadt immer froh, wenn man Fußball wie vom anderen Stern sehen kann resp. nicht das eigene Gekicke ertragen muss. Wie dem auch sei, ein großer Anteil der Zuschauer sind natürlich die Fans der beiden Finalisten. Und die kommen in der Regel nicht aus Berlin…

„Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!“, schallballert es Runde für Runde aus den Fanblöcken der Republik und auf einmal steht man dann da, in Berlin, und weiß gar nicht so recht, wie es nun weitergeht. Doch wenn man nur ein paar Kleinigkeiten beachtet, ist das auch schon alles kein Problem mehr. Zugreisende sollten die Variante „Berlin – Hauptbahnhof“ der Option „Berlin – Zoologischer Garten“ vorziehen. Zum einen klingt Hauptbahnhof auch irgendwie nach Bahnhof und zum anderen weht einem dort gleich ein Hauch von Metropole ins Gesicht. Anders am Bahnhof Zoo, wo man sich vom ersten Eindruck her auch in der weißrussischen Provinz wähnen könnte. Auch schön, aber irgendwie auch nicht.

Walter-Ulbricht-Stadion oder Mommsen-Eck?

Dann auch schon der nächste Kniff: Welches Stadion ist denn eigentlich das richtige? Ostalgie-Fans werden das Walter-Ulbrich-Stadion natürlich vergeblich suchen, wurde es doch Anfang der 1990er völlig zu Recht gesprengt. Also ab in die S-Bahn und bloß nicht zu früh aussteigen, sonst klopft man an die Pforte des altehrwürdigen Mommsenstadions, Heimstätte des Berliner Traditionsclubs Tennis Borussia. Allerdings ist das einzige, was es dort zu holen gibt, eine Schelle vom konsequent miesgelaunten Sportdirektor Werner Lorant, der derzeit den Abstieg aus der Regionalliga Nord verhindern will. Kurioserweise verhält es sich mit der sportlichen Distanz von TeBe zu Hertha BSC so wie mit der örtlichen Distanz zwischen den beiden Stadien, denn nur zwei Stationen später leert sich die S-Bahn schlagartig und man wird mit den Massen auf den Olympischen Platz gespült und steht vor Herthas Heimstatt.

Nach dem Abpfiff kann man dann langsam, aber sicher in den Partymodus umschalten. Da das Big Eden nach Rolfs Ausstieg allerdings auch schon lange nicht mehr das ist, was es mal war (quasi das P1 von Berlin), muss man sich mit den zahlreichen anderen Alternativen, die die Welt der Berliner Zappelbunker so zu bieten hat, begnügen. Und das Angebot ist groß: von Ü30 über Russendisco bis hin zur friedlichen Party für Naturfreunde und Umweltaktivisten („Fisch sucht Fahrrad“). Also, immer ran an den Speck.

(Bild: flickr.com / phototouring)

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