Zwischen Himmel und Hölle – Rückblick 09/10

Die Feierbestie in Menschengestalt
Die Feierbestie in Menschengestalt

Die Saison 2009/10 ist Geschichte, sie endete abrupt mit dem 34. Spieltag am Samstag. Für die einen eine Saison „wie a Traum“ und für die anderen ein einjähriger Nachtmahr. Sehr plastisch vorgeführt wurden uns diese Kontraste im Spiel der Bayern in Berlin, als ein Teil ausgelassen und biestig feierte und der andere sich verbiestert aus der Liga verabschiedete. Mauertaktik wirft einen Blick auf die Protagonisten der Spielzeit.

Der Mann der Saison war sicher das Feierbiest himself: Aloysius van Gaal. Zu Saisonbeginn musste er in die mittelgroßen Fußstapfen (Gr. 32) von Jay Goppingen treten. Dies gelang zunächst nur mäßig und so begann der Thron seiner Generalität im Herbst bereits ordentlich zu wackeln. Dieser ernannte sich umgehend selbst zum Trainer-Gott und siezte sich fortan selbst. Das half und die neue Religiosität im Team brachte den Erfolg wieder. Der van Baal-Kult wurde endgültig beim 4:1 in Turin zum Erfolgsmodell. So wurden dann im entscheidenden Spiel Anfang April auch dem irdischen Erfolgstrainer Magath die Punkte abgenommen, was dann in letzter Konsequenz zur Meisterschaft führte.

Dieser Magath vollbrachte auf Schalke aber auch nahezu ein Wunder. KevKu netzte ein, dass es nur so eine Art war und so selbst Jogi etwas mulmig wurde. Vor der Saison war noch von Wirtschaftskrise, Schuldenberg und Panikverkäufen die Rede. Aber aufgrund von (russischen) Staatshilfen konnte man sich über Wasser halten und die Vorrunde auf dem angestammten zweiten Platz abschließen. In der Winterpause folgte dann das Konjunkturpaket 2 und neun Neuzugänge. So konnte man dann die nach den Bundesligastatuten bestmögliche Platzierung für Schalke erzielen: Vizemeister. Es wird spannend zu sehen, ob die Schalker bei den Transfers im Sommer wieder Gas geben werden. Ex-Nutellamann Kuranyi wird jetzt erstmal durch die Nord-Stream-Pipeline zurückgeschickt in Richtung Moskau.

Aus dem Titelrennen verabschiedet hatte sich da bereits die Werkself aus Leverkusen. Zur Halbzeit war man noch Spritzenreiter, dann fiel man schließlich auf Platz 4 zurück. Don Jupp legte eine Rückrunde hin, die eines Bruno Labbadia würdig war. Die erste Niederlage gab es erst am 25. Spieltag, dann fand die Mannschaft aber Gefallen daran und verlor vier der nächsten sechs Spiele. War das eine Art romantische Sehnsucht nach der Niederlage oder war der Niedergang bereits determiniert? Auch im letzten Jahr erlebte der Herbstmeister aus Hoffenheim einen geradezu bizarren Absturz in der Rückserie, von dem sie bis jetzt nicht erholt scheinen. Gibt es ein Herbstmeister-Hoodoo? Einen Fluch für den Gewinner der Hinrunde? Wohl eher nicht. Vielleicht war Osram Heynckes einfach etwas ausgebrannt. Aber nächstes Jahr wird wieder angegriffen, diesmal leider ohne Toni „Ente“ Kroos.

Das kritische Maß an Absurdität übertraf ohne Frage die Saison der Hertha. War es letztes Jahr noch der ungebremste Herthamania-Rausch, war diese Saison wie eine Treppe, die man herunterfällt und die einfach nicht enden will. Man konnte sich in der Europa-League für die K.O.-Phase qualifizieren und zeigte auch in der Rückrunde bei starken Auswärtssiegen in Wolfsburg, Köln, Hannover und Freiburg das Potential der Mannschaft. Die wurden aber direkt von peinlichen Heimauftritten gefolgt, die dann am Ende das Schicksal besiegelten. Jetzt bricht wohl auseinander, was auseinandergebrochen gehört. Preetz muss jetzt gute Arbeit leisten, vielleicht kann er ja ein paar ehemalige Spieler zurückholen. Ivica Olić hat bestimmt genug von den Bayern.

Und zu guter Letzt müssen wir uns von einem Spieler verabschieden, der zeit seiner Karriere für Unterhaltung sorgen konnte: Jens Lehmann. Unvergessen sind das Fernduell mit Kahn 2006 und natürlich das Viertelfinale gegen Argentinien. Aber gerade in seiner letzten Saison schien Heli-Jens noch einen draufsetzen zu wollen. Begnügte er sich letztes Jahr noch mit Stirnbandklau und Schuhwurf, nistete sich dieses Jahr eine ganze Meisenfamilie im Dachstuhl ein. So veredelte er den Bundesligaeinstand von Christian „Telly“ Gross mit einer roten Karte und einem Gegentor in letzter Minute. Bereits zu Beginn der Saison sorgte er mit einem Spontanbesuch auf den Wies’n für ordentlich Stimmung in der Bude. Der Höhepunkt war aber sicher dann das Champions-League-Spiel gegen Unirea Urziceni, als der Tormann seinen Becher für die Dopingkontrolle bereits während des Spiels abfüllte. Wir sagen: Danke für 22 Jahre Comedy auf allerhöchstem Niveau!

(Bild: commons.wikimedia.org / Paul blank)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

5 Gedanken zu „Zwischen Himmel und Hölle – Rückblick 09/10“

  1. herrlich liebes persicöchen.

    nebenbei sei angemerkt, dass dsf.de äh ich mein sport1.de heute schreibt, dass schalke einen schuldenberg von 248,6 millionen angehäuft hat… was sind dagegen unsere 33???

  2. Uiuiui, wusste nicht dass Schalke solche hohe Schulden haben…ich dachte es wären nur die Engländer die ihre Kontrolle über die Rechungen verloren hätten! 248,6 mill…ist ja schon einiges!

  3. is aber magath egal, er kauft ein!! immer ran mit neuem fleisch, ja sehr schön. was sagt eigentlich die DFL dazu?

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