Notte magica

vollmondDie Bayern im Finale! Und der Kaiser wähnte sich in Rom. War das schön. Mauertaktik schwelgt mit.

Am Ende wurde der liebe Franz ganz sentimental. „Ach mei, wie schön“, hub er an, „der Vollmond, genau wie damals in Rom“. Flashbacks: Kaiser, Rom, Rasen, Medaille, notti magiche, Weltmeister. Ach, wahrlich, wie war das schön. Verdamp lang her.

Franz Beckenbauer besaß ja immer schon ein schier unheimliches Gefühl für die gewissen Augenblicke – sei es bei Fußballspielen oder Weihnachtsfeiern, der Franz wusste immer, wann’s drauf ankam. Und war da. So auch gestern. Wie ein durchgeflipptes Uhrenpendel wuselte der Kaiser zwischen den Expertentresen der übertragenden Sender hin und her, strich mal hier, mal da seinen Senf auf die Worthülsen, hallo Ottmar, hallo Uli, und gleich wieder rüber.

Am Ende hätte aber selbst der ahnungsloseste Experte nicht die Magie dieser Lyoner Nacht zerreden können. Und der Kaiser, die Verkörperung dieses (unseres?!) FC Bähn, schwebte auf einem unsichtbaren rosaroten Wölkchen durch die Studios.

Es war ja auch wirklich alles zu schön, um wahr zu sein. Man wähnte sich in einem belanglosen Vorrundenspiel, musste sich zwischendurch immer mal wieder versichern, dass es hier um nicht weniger als um die Erfüllung des alten Otto-Kalauers ging, nämlich zwei Tage Madrid für vierzehn Personen…

Während sich die Lyoner um Kopf und Kragen wurstelten, traten die Bayern auf wie das Polizeiorchester traditionell vor dem deutschen Pokalfinale: Geschlossen, diszipliniert, mächtig. Und irgendwann auch laut. Aus dem geschlossenen Kreis der Humba-Fans stachen dennoch einige heraus.

Als da wären: Hamit Altintop. Der Münchner Vorsänger (nach dem Abpfiff) spielte eine bärenstarke Partie. Kein Wunder bei dem Bart, werden Sie sagen, aber der Mann, der einst wie ein schüchternes Reh über den Platz hoppelte, war gestern Abend in seinem Auftreten so kompromisslos wie die Türsteher vor dem P1. Desweiteren: Bastian Schweinsteiger. Wohl noch nie war ein Staubsauger so kreativ. Würde man Schweini in seiner neuen Rolle für den heimischen Wohnungsputz buchen, wäre nach anderthalb Stunden nicht nur das letzte Staubkorn verschwunden, sondern auch noch neu tapeziert und perfekt dekoriert. WM-Form!

Was übrigens auch für Philipp Lahm gilt, der zwar weniger spektakulär, aber nicht weniger effizient die rechte Seite beackerte wie diese neuen Pumpgun-Dinger aus der Werbung. Über Ivica Olic schließlich muss nicht viel geschrieben werden. Der schnellste Schnegel der Welt sauste von Sekunde eins an über das Geläuf wie ein tollwütiger Chihuahua, hätte wahrscheinlich auch noch den letzten Zuschauer abgegrätscht, wenn der den Ball bekommen hätte, lief in 90 Minuten zwei Ultramarathons und setzte sich dann zur Entspannung abends noch ein paar Stunden auf den Ergometer.

Olic ist gleichzeitig der abgezockteste Bayernstürmer seit Müller. Wobei, und das müssen wir abschließend dann doch noch mal festhalten, hierbei nicht der neue Müller gemeint ist. Vgl. Minute zwo.

Bild: Flickr / markwainwright

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

4 Gedanken zu „Notte magica“

  1. Und wer hat den Ivica ausgebildet?ß genau Hertha BSC!!! ne schmarrn, aber mit rigendwas muss man sich dieser tage doch die laune aufhellen! wahnsinn wie schwach lyon war. wie haben die eigentlich die königlichen ausgeschaltet??
    Schweini spielt fantastisch!!!!! ein zweiter ballack, aber in erfolgreich!!

  2. Nicht zu vergessen übrigens, dass Contento eine ebenso starke partie auf links machte!! der ist erst 20!!!

  3. Also ich finde, die größte Leistung hat gestern Abend Mark van Bommel vollbracht: ein ganzes Spiel ohne gelbe Karte überstanden – und das obwohl er sich locker hätte eine leisten können, ohne im Finale gesperrt zu sein. Respekt!

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