Fritz C. Klautermann (10)

klautermannGeschichte wiederholt sich. Doch nirgendwo ist das Wiederkehren von vergleichbaren Ereignissen so schön wie im Fußball. Fritzchen K. erzählt noch einmal die Geschichte von Olaf und ihre wundervolle Wiederholung.

Ende April 1998 ging es für den 1. FC Kaiserslautern um die berühmte Wurst. Seit dem 4. Spieltag stand der FCK als Aufsteiger sensationell auf dem ersten Tabellenplatz, zwischenzeitlich hatten die Schützlinge von Otto Rehhagel sich neun Punkte Vorsprung auf die großen Bayern erspielt. Doch dann begann die Pfalz zu zittern. Nur drei Punkte aus vier Spielen ließen den Abstand auf einen Zähler schmelzen. Auf dem Programm stand am 32. Spieltag das Heimspiel gegen Gladbach.

Ein Freitagabend, unvergessen. Eine ungute Vorahnung, viel Druck, Gladbach braucht die Punkte, kontert gefährlich mit dem unangenehmen Pettersson. Nach einer halben Stunde steht es 0:2. Aus der Traum? Bayern kann mit einem Sieg erstmals vorbei ziehen.

Dann: Marschall! 46. Minute, der Schiri hat die Pfeife schon im Mund, Getümmel im Strafraum, Schuss, abgeblockt, Nachschuss, abgeblockt, Marschall, drin!

Die zweite Hälfte, ein Spiel auf ein Tor. Marschall macht auch noch den Ausgleich, dennoch: Das ist zu wenig. Es gibt zwar noch das Nachholspiel gegen Bielefeld, aber allen ist klar: Wenn die Bayern einmal auf Platz 1 stehen, werden sie Meister. Scheißpsychologie und so. Doch Lautern will das dritte Tor nicht gelingen. 90. Minute. Noch einmal Marco Reich, Flanke mit rechts, Kopfball Marschall…

Ekstase. Otto flippt aus, wieselt hin und her, rauft sich vor Fassungslosigkeit die Haare, wir ticken vor dem Fernseher aus, brüllen das ganze Haus zusammen. Olaf Marschall. Fußballgott! 3:2, der FCK ist weiter oben, alle wissen: Jetzt werden wir Meister!

Mittlerweile ist der Schnauzer ab, doch Marschall redet auch nach 15 Jahren in der Pfalz immer noch im sächsischen Singsang seiner Heimat. Natürlich ist er auf dem Laufenden, kennt den Kader, die Spieler, seine Nachfolger. „Der Lakic“, sagt er, „das ist der einzige mit einem klassischen Torriecher da vorne“. Torjäger erkennen ihresgleichen.

Ende April 2010, zwölf mal zwölf Monate nach dem Jahr Olaf. Der FCK hat die Saison dominiert, war fast immer ganz oben. Nun droht der Mannschaft die Luft auszugehen. Unerklärliche Niederlage in Oberhausen, ein glückliches Unentschieden gegen Union – die Spieler scheinen gehemmt, der Coach im Interview sehr angespannt. Dunkle Vorahnungen, der Bauch verheißt nichts Gutes. In Bielefeld geht es um die Frage: Daumen hoch, Daumen runter? Ein dummer Elfmeter, 0:1. Jeder weiß: Wenn das Spiel verloren geht, wird es noch einmal ganz eng.

Nach der Halbzeit der Ausgleich, doch auch ein Punkt wäre keine Trendwende. Die Roten stürmen, glücklos, unvermindert. Dann: 85. Minute. Eine Flanke von rechts mit links, ein Spiegelbild der Szene von 1998, Bugeras Ball segelt in den Strafraum wie einst die Verzweiflungsflanke des Marco Reich, Srdjan Lakic schraubt sich hoch wie einst Gott Olaf, trifft das Leder perfekt.

Ekstase. Lakic wetzt zur Trainerbank, Spieler und Trainerstab eine einzige Jubeltraube, auch die Kneipe erzittert, aus Dutzenden Kehlen entflieht die Anspannung von vier Jahren. Alle wissen: Mit einem Sieg im nächsten Heimspiel wird alles klar gemacht. Damals, 1998, war es Wolfsburg, das bemitleidenswerterweise auf dem Betzenberg zu Gast war. Am Freitag ist es Rostock.

Der FCK ist wieder da.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „Fritz C. Klautermann (10)“

  1. Also jedes Mal wenn ich in dieser ominösen Kneipe vorbeischaue, wird irgendwie nicht gejubelt. Weiß auch nicht, woran das liegen könnte?

  2. Aber nichts desto trotz: schon einmal Glückwunsch zum Aufstieg in die Pfalz! Kaiserslautern in der Bundesliga ist mir alle Mal lieber als Freiburg oder so. :-)

  3. pettersson mit doppel tt 😉

    der junge spielte doch später teils weniger rühmlich in unseren reihen, gerne mal für die ein oder andere flugeinlage gut…

  4. Und der Gästeblock hat noch viel mehr gebebt als irgendsone Kneipe…ganz klar…

    Geiles Tor, irgendwie war der Ball gefühlt ewig in der Luft, bis das Netz wackelte….

  5. Halloooooo …. wo bleibt der erste Klautermann der Saison 10/11 ?

    Wenn hier nix mehr passiert schreib ich mir selber `ne humorige Kolumne!

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