Auf ins Gefecht!

Nichts ist so beliebt in der Welt der Sportreportage wie zünftige Kriegsmetaphern. Egal ob vom Kampf dann irgendwann noch ins Spiel gefunden wird oder stattdessen einfach diverse Nebenkriegsschauplätze eröffnet werden: Fußball ist Krieg und umgekehrt. Klare Sache, dass das Duell Bayern gegen Lyon da ganz unter dem Zeichen einer uralten Feindschaft steht…

Die Gräben sind ausgehoben, die Bajonette aufgepflanzt: General van Gaal drillte seine Mannen unter der Woche für den Ernstfall. Bei Stiefelputzen und Gefechtsübungen hieß es: Spannung halten! Denn richtig ernst wurde es am Wochenende für das bayrische Regiment nicht, als man eine versprengte Kavallerieeinheit aus dem norddeutschen Raum nach allen Regeln der Kunst aufrieb.

Doch nun belagert ein ungleich stärkerer Gegner die Tore Münchens. Die französische Eliteeinheit um Kommandant Puel setzt zum Sturm auf die leuchtende Festung im Norden der bayrischen Landeshauptstadt an. Als Speerspitze der Angriffe sollen die argentinischen Hilfstruppen dienen, während das schwedische „Kommando Källström“ von beiden Flanken angreift und Leutnant Lloris den Rückzug deckt.

Angereist sind die Einheiten von der Rhone nicht etwa durch die Luft. Stattdessen näherte man sich in leichten Geländefahrzeugen auf verschlungenen Wegen der Isarmetropole. Ein kleiner Vorteil für die in voller Mannschaftsstärke antretenden Münchner: Beim Gegner sind bereits sieben Bataillone dezimiert. Ein weiterer Streifschuss könnte das Aus für sie bedeuten.

Reichlich Kampferfahrung bringen beide mit. Während die Truppen des Tulpen-Generals unlängst die Luftschlacht um England für sich entschieden, eliminierten die Nachfahren des kleinen Korsen bereits vorher die Elitegarde General Francos. Zuletzt ging es dann um die Vormachtstellung im eigenen Land, die die Lyoner gegen die konkurrierenden Rothemden aus Aquitanien klar für sich entschieden.

Der Vorteil liegt dennoch zunächst bei der heimischen Armee. Zudem befindet sich in Reihen des bajuwarischen Freikorps ein Überläufer, der wendige Freischärler Franck (Deckname „Le Frog“), der sich von der Resistance lossagte, um den deutschen Truppen beizutreten. Franck, der Gegner wie Gelände bestens kennt, könnte den Ausschlag geben.

Da der Feind von der Bedeutung dieser Spezialkraft weiß, streute er hinter den Linien üble Gerüchte über den Fahnenflüchtigen. In Offiziersbordellen habe er sich mit diversen Dirnen vergnügt, wurde von der französischen Propagandaabteilung kolportiert. „Alles verminderjährt“, wiegelte der bayrische Kommandostand ab. Das übliche taktische Geplänkel vor der eigentlichen Schlacht.

Die Asche der Schlachtfelder zieht über Europa, der Kontinent ist erneut in einen existenziellen Bruderkampf verstrickt. Wie jedes Jahr geht der Fußballkrieg zwischen den europäischen Großmächten im April und Mai in die heiße Phase. Bevor der Sommer die Angriffsversuche lähmt, sucht ein jeder die Entscheidung. Wenn am Ende tatsächlich die Lyoner mit ihrer klassischen Ringformation die Oberhand behalten, dürfte das einen wochenlangen Boykott an deutschen Wursttheken zur Folge haben. Also, liebe Franzosen, streckt die Waffen! Das Elsass könnt ihr unseretwegen dafür behalten.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

5 Gedanken zu „Auf ins Gefecht!“

  1. Herr von Schleck, sie machen mir Angst! Haben Sie etwa an der Militärakademie studiert? Ihr exzellenter Artikel lässt jedenfalls diesen Schluss durchaus zu…

  2. da hat aber jemand _ganz_ tief ins glas geschaut! aber besser essen und trinken als bochum und nüchtern, ums mit atze schröders worten zu sagen…

    grüße aus dem küstennebel,
    general metaxa

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