Kommt ein Paolo geflogen…

Die neuerliche Posse um Paolo Guerrero erregt allerorten die Gemüter – und nun auch die Staatsanwaltschaft. Ritschie K. sagt: Genug ist genug!

Es begab sich im Sommer 2009, dass einem jungen Peruaner eine möglicherweise großartige Saison bevorstand. Ausgestattet mit Knipserqualitäten und diese auch nutzend spielte sich Paolo G-Punkt in die Herzen der hanseatischen Schlachtenbummler. Vier Tore in sechs Spielen, dazu ein ausgeprägtes Laufpensum – alle Alster-Anrainer waren happy. Nun, im Frühjahr 2010, hat der Aviator sich zum Gespött der gesamten Fußballrepublik gemacht. Nach zähem Warten (sechs Wochen) an der Gepäckabfertigung am Chavez International Airport in Lima wurde P. G. schlussendlich per Frachtschiff nach Europa geschippert. Während seiner dreimonatigen Transatlantikregatta wurde der Peruaner vom entnervten Käpt’n offenbar derart oft Kiel geholt, dass er dabei völlig den Überblick verlor.

In feinster Cantona-Manier pfefferte Guerrero nun einem Fan seine Trinkflasche zünftig auf die Zwölf und wurde anschließend mit dem ebenso verwirrenden Satz zitiert: „Isostar verleiht Fluegel.“ Völlig klar ist, dass derartige Aktionen nichts auf, am oder um den Fußballplatz zu suchen haben. Dass sich Senor Guerrero glaubhaft entschuldigt hat, sich in vier Jahren zuvor nichts zu Schulden kommen lies und dem Fan nichts Ernsthaftes passiert ist, bleibt dabei unbedeutend. Auch die „deftige“ Geldstrafe von mutmaßlich 100.000 Euro dürfte einen Fußballprofi heute ungefähr so sehr jucken wie Udo Lattek sein Geschwätz von gestern (bzw. Sonntag).

Der Gipfel der Absurdität ist die Tatsache, dass sich die Staatsanwaltschaft Hamburg nun mit dem Vorfall beschäftigt und allen Ernstes prüft, ob die Flasche als Werkzeug bzw. Waffe benutzt wurde. Ihr Völker der Welt: Gibt es in diesem Land nicht deutlich wichtigere Themen für die Staatsanwaltschaft? Bei aller Diskussion über sinnvolle und sinnlose Neuerungen im Fußball bricht Mauertaktik eine Lanze für die Sportgerichtsbarkeit.

Alles was auf dem Platz geschieht, unterliegt schließlich dem DFB-Sportgericht. Wird erst damit angefangen, Tätlichkeiten, Beleidigungen und Fouls als versuchten Totschlag, Nötigung oder Körperverletzung zu interpretieren und zu bestrafen sagen wir: Gute Nacht Bundesliga, gute Nacht Fußball und gute Nacht Maik Franz!

7 Gedanken zu „Kommt ein Paolo geflogen…“

  1. OK,
    das der jetzt den Namen „Pullen-Paolo“ hat, is klar.
    Meine Frage an dieser Stelle : verdankt Herr „Wasendiego“ seinen Namen einem ähnlichen Vorfall ?
    mit königsblauen Grüßen
    kingsize.jones

  2. Wasendiego ist wohl ein Wortspiel auf Wasenmeister… der alte Abdecker… 😉

  3. Ich lasse euch gerne noch ein bisschen weiter raten, bevor ich dann die richtige Lösung verkünde… 😉

  4. Nur soviel schon einmal als kleine Vorabkorrektur: Cannstatt wird mit zwei „n“ und zwei „t“ geschrieben. Schließlich „can“ wir alles „statt“ hochdeutsch!

  5. Ermittelt die Staatsanwaltschaft dann auch gegen den sogenannten Fan, denn meines Wissens ist es auch gesetzlich verboten, jemanden als „Arschloch“, „Schwuchtel“, etc zu bezeichnen. Wäre doch witzig, wenn der „Fan“ auch 100.000.- Euro Strafe bekäme muahaha.

    Jedoch, ohne die Aktion von Paolo Guerilla zu befürworten, muss man im Leben damit rechnen, dass, wenn man dass Maul zu gross aufreisst, die Möglichkeit besteht, dass man was auf’s Maul bekommt.

    Oder aber Bibel-Style: „Vater lass diese Flasche an mir vorbeigehen – doch nicht wie ich will sondern wie du willst – nimm diese Flasche weg von mir.“

  6. Ich muss ehrlich sagen, dass ich die Aktion von Guerrero klasse fand! Diese ganze „Fans“ auf der Haupttribüne, die bei einem schwachen Spiel in der Regel schon in der 60 Minute das Stadion verlassen (ein Wunder, dass der überhaupt bis zum Schluss da war – oder vielleicht aus der VIP-Loge zurückgekehrt ist) und wahrscheinlich die Karte über irgendwelche Sponsoren beziehen, haben meiner Meinung nach als allerletzte ihr Maul aufzureißen. Wenn sie es dann doch wagen (und das auch noch in einer höchst wahrscheinlich unfassbaren Art und Weise), haben sie die Flasche in die Fresse verdient. Und nur mal so als Denkanstoss in die Runde: wenn der Kerl nicht selber wüsste, dass er die Flasche verdient hat, hätte er sich dann nicht doch ein wenig mehr gewehrt als sich wie ein ertappter kleiner Schuljunge nach hinten zu verziehen?

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