Die Erben des Kahn

oliver-kahn-schreiKommt Bayern gegen ManU weiter, wäre das der erste Halbfinaleinzug einer deutschen Mannschaft seit Bayer Leverkusen 2002. Außerdem macht Engländer rauswerfen besonders Spaß. Mauertaktik sagt: Zeit, dass sich was dreht!

Oft wird uns vorgeworfen, wir hätten was gegen die Bayern. Zu oft und zu negativ würden wir über den Münchner Nobelklub berichten, werfen uns die Kritiker vor. Zu Unrecht! Auch wir Mauertaktierer sind Menschen (die meisten von uns jedenfalls), und, ja!, auch wir haben letzten Dienstag gejubelt (die meisten von uns jedenfalls), als der FC Bayern zwei Mal ins Herz von Sir Alex traf.

Ja, auch wir schleuderten ein lautes „Jippie!“ in den Schankraum, denn in Zeiten der Not muss die Nation zusammenrücken. Die Deutschen, die sich im Oderbruch brüderlich die Sandsäcke zuwarfen und im Jahrhundertwinter ihren steifgefrorenen Nachbarn ein freundschaftliches Fläckerchen im Wohnzimmer entfachten, schließen sich dieser Tage einmal mehr zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen. Denn nicht weniger als das nationale Interesse steht auf dem Spiel, wenn die Erben des Kahn heute um viertel vor neun aufs Heiligste des Old Trafford laufen.

Die ganze Republik wird wie gebannt vor den Volksempfängern sitzen, Menschentrauben vor den Schaufenstern der Elektrogeschäfte, nicht wenige werden den reifschen Fermate-Jubler von 2001 („Kaaaaahn! Die Bayeeeeeern!“) im Ohr haben, wenn es nicht etwa um ManU-Bayern sondern um die Zukunft des deutschen Fußballs geht.

2002, wir erinnern uns, das war das vorläufige Ende einer deutschen Europapokaldynastie. Ach, wie war das schön. Seufz, schwelg, schnüff. Kaum ein Jahr verging Ende der neunziger, Anfang der… brrrr… nuller Jahre, ohne dass eine deutsche Mannschaft im Endspiel stand. Dortmund 1997, Bayern 1999 und 2001, Leverkusen 2002 – those were the days, liebe Kinder, als gerne mal fünf von vier Champions-League-Halbfinalisten aus deutschen Landen kamen und von offizieller Seite ein Umzug des UEFA-Sitzes nach Castrop-Rauxel in Erwägung gezogen wurde. Kaum vorstellbar heute, aber genau da müssen wir wieder hin.

Alle an einem Strang, am eigenen Schopf aus den Trümmern, wie Phoenix aus Ruinen – so oder so ähnlich wird es aussehen, wenn 83 Millionen Fußballbegeisterte das nächste Märchen inszenieren – und zwar diesmal länger als einen läppischen Sommer. Es ist eigentlich alles gerichtet: Der legendäre Bayern-Dusel ist wieder da (Mauertaktik berichtete), ebenso der flinke Doppelachs-Aufklärer „Robbery I“, während bei den Tommies die Spitfires schon in Scharen vom Himmel fallen. Bomber „Shrek IV“ jedenfalls scheint kampfunfähig – das riecht nach einer Vorentscheidung in der Luftschlacht von Manchester. Enigma hin oder her.

Ja, ganz recht gelesen, werte Leser, da muss Ihnen gar nicht die Bionade wieder hochkommen! Auch wir Deutschen können und dürfen Weltkriegsvergleiche! Denn wie wusste schon der weise Rinus Michels: Fußball ist die Fortführung des Kriegs mit anderen Mitteln. Na dann: Feuer frei!

Bild: Flickr / Madebyr.de

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

12 Gedanken zu „Die Erben des Kahn“

  1. Leider gibt’s im grossen Fussball-Teich nur einen Champions-League Pokal, und den angeln sich die Angeln von der Insel.

    Als die Angeln damals nach Britannien rüberschwommen,
    hatten die Bavaren sich Grosses vorgenommen.

    Ohne deren Wissen wollten sie das Spiel verstehen,
    was dabei zustande kam, kann heute jeder sehen.

    Kein Talent, kein Ballgefühl, kein Sinn für’s Spiel
    nur die grosse Klappe, sonst nicht viel.

    Den ein Franzmann und ein Käsekopp
    reichen nicht aus für den Champions-Pott.

  2. Und da waren 7 Minuten vorbei,
    und die Bavaren sind schon nicht mehr dabei.

    Doch wollen wir uns nicht vorschnell freuen,
    nicht dass wir es nachher noch bereuen.

  3. Der FCB fickt sie dieses Jahr alle. Angefangen bei Schalke bis hin zum FC BArcelona im CL Finale!

    Bester Mann neben Ivica Olic und „ich hau dem Rooney auf sein Scheiß Krüppelbein“-Van Bujten – MArk van Bommel!!!

  4. Kann es sein, dass die Bayern mal wieder mehr Glück als Verstand hatten? Nur fürchte ist ein Messi mit Glück allein nicht zu stoppen…

  5. Aber wenn der Ball Richtung Eckfahne geflogen wäre, hätte sich der gute Arjen auch nicht beschweren können! 😉

  6. Und was Messi angeht: seit ich den Jungen live spielen habe sehen, weiß ich, dass es keinen Spieler und keine Taktik gibt, die ihn aufhalten kann. Höchstens ein durchgeknallter Manager repektive „Spielerberater“, der ihm irgendwann mit Koks und Nutten die Karriere verdirbt!

  7. alter schwede, krasses foto! ich hoffe bei madame tussauds haben sie als setting ne mammutjagd gewählt…

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