Der Panter aus dem Pott

barrios-panterRitschie K. wandelt auf den Spuren Rilkes und ehrt Dortmunds Torpanter mit einem allerliebsten Reim.

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Wer kennt es nicht, das Rilke-Gedicht über den konsternierten Panter in seinem stählernen Käfig? Eingesperrt in einer fremden Welt, aus der es scheinbar kein entrinnen gibt. So oder so ähnlich hätte es auch für Lucas Ramos Barios Arioli laufen können. Der Mann, der wegen seiner Antrittsschnelligkeit in Südamerika den Beinamen „Der Panter“ erhielt, wechselte vor der Saison für 6,5 Millionen USA-Dollars vom Indianerclub Colo-Colo aus Chile in die Allerweltsstadt Dortmund.

Was ihn dort erwartete? Nun, 500.000 Ruhrpöttler in einer der größten Industriegegenden Deutschlands und mindestens ebenso viele schwatzgelbe Fußballverrückte, die gerade ihren Publikumsliebling und Goalgetter vom Dienst Alex Frei hatten ziehen lassen müssen. Der Erwartungsdruck war also bei Barrios‘ Dienstantritt nicht gerade gering, und seine Torquote des Jahres 2008 mit 37 Toren in 38 Spielen ließ diese Erwartungen nicht gerade schrumpfen.
Jetzt, neun Monate später, hat sich die Verpflichtung von El Pantero jedoch mehr als rentiert für den Ballsportverein 09.

Die Fakten: 26 Spiele, 15 Tore, 5 Assists. Das entspricht einer Torquote von 0,57 Toren pro Spiel. Nicht verwunderlich also, dass der BVB den Vertrag vorzeitig bis zum Jahr 2014 verlängert hat. Ausgestattet mit einem unglaublichen Näschen für Tore (im Fachjargonnemeng auch Torzinken genannt), einem guten Timing und feiner südamerikanischer Technik, hat El Lucas seinen Vorgänger mehr als vergessen lassen und ist auf dem besten Wege, neuer Liebling der schwarzgelben Wand zu werden. Daher möge uns Rainer Maria verzeihen, wenn wir seine Zeilen frei interpretieren und poetisch säuselnd von uns geben:

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Strafraum dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Pille,
hinter der befreit ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Ball hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Tore auf zu sein.

Für den anschließenden Jubel à la America del Sur muss der Stadionsprecher im Signal Iduna Park wohl noch etwas seine Stimmbänder mit Dortmunder Kronen, Thier, Stifts, DAB, DUB oder Ritter ölen um das „GOOOOOOOOL!“ so gepflegt lässig und geschmedig über die Lippen zu bringen wie der Kommentator des folgenden kleinen Beitrags:

Bild: Flickr / House of Sims

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