Lüdenscheid gegen Herne-West

Aralbeinacht
Schon wegen der Farbe würde hier nie ein Dortmunder tanken...

Heute Abend steigt das Revierderby, die Mutter aller Derbys, jedenfalls im Ruhrpott. Schwarz-Gelb gegen Blau-Weiß. Wo Rivalität und Hass noch groß geschrieben werden…

Heute Abend brodelt der Pott. Geschätzte 8.000 Wilde in schwarz-gelben Kleidern ziehen Richtung Gelsenkirchen, wo es gegen eine blau-weiße Übermacht Eingeborene um Leben und Tod geht. Was auf den ersten Blick wirkt wie ein neues Mammutprojekt von Wolfgang Petersen („Troja“), ist in Wirklichkeit die 135. Auflage des Revierderbys Schalke gegen Dortmund.

Zweimal im Jahr steht eine Region Kopf; immer wenn die Borussia aus Dortmund und die Schalker Knappen aufeinandertreffen, wird alles andere zur Nebensache – es zählt allein das Spiel, das Revierderby. Im Ruhrpott ist dann Feiertag. Wobei sich das Feiern immer nur auf eine der beiden Fangruppen beschränkt. Grundsätzlich gilt: Gefeiert wird nie zusammen, das Leid der einen ist die Freude der anderen. Eine echte Rivalität im deutschen Fußball, die zum Teil nahtlos in absurde Feindschaftsriten übergeht. So soll es tatsächlich Dortmund-Fans geben, die wegen der blau-weißen Firmenfarben an bestimmten Tankstellen nicht tanken. Auf der anderen Seite haben sie den Schalk im Nacken und stehlen in feinster Ocean’s Eleven-Manier ein Riesenbanner aus einem Stadion. Ex-Nationalspieler Alfred „Aki“ Wimmer sagte einst: „Lieber Schalke schlagen als Deutscher Meister werden!“ Das gilt dann wohl für beide Seiten.

Spektakulär waren sie immer die Derbys. Ob in der letzten Saison, als Dortmund in einer Fußballschlacht im eigenen Haus, in das sich an diesem Nachmittag auch ein Eichhörnchen (und gemeint ist nicht Rafinha) verirrt hatte, einen 0:3-Pausenrückstand kurz vor Schluss egalisierte. Oder als sich Jens Lehmann auf Schalke unsterblich machte und 1997 in der Nachspielzeit zum 2:2 einköpfte, um dann Jahre später über Umwege zum verhassten Feind zu wechseln. Ohne Zwischenstation, allerdings von Dortmund nach Schalke, wechselte Heintje Möller anno 2000. Der in Fußballdeutschland als Schwalbenkönig und Heulsuse verschriene Möller verspielte sich so ganz schnell sämtliche Restsympathie, die für den Nationalspieler nach der Katastrophen-EM praktisch nur noch in Dortmund zu finden war; nur die Schalker fanden den Spielmacher nach anderthalb Jahren total dufte.

Kevin, Manu und die Supernanny

Im Vorfeld zum heutigen Duell wurde auch wieder scharf geschossen. „Wenn mein Sohn Schalke-Fan wird, kommt er ins Heim“, offenbarte Kevin Großkreutz, dem frisurentechnisch die Supernanny schon längst auf den Hals gehetzt gehört, sein pädagogisches Grundkonzept. Manche Eltern erziehen ihre Kinder katholisch, der Kevin erzieht eben anti-schalke. Er hasst Schalke schließlich „wie die Pest“, so der 21-Jährige, der bis vor einem Jahr noch auf der Südtribüne im Signal-Iduna-park gewohnt hat.

Alles blabla sei das, meint dazu Manuel Neuer, der Keeper der Knappen, der wie Großkreutz das Stadionverbot als Ultra nur durch einen Profivertrag aushebeln konnte. Mit seinen 14 Jahren wirkt Neuer schon relativ abgeklärt, ist es für ihn schließlich auch nicht das erste Derby. Im Hinspiel sind Neuer und Großkreutz bereits ordentlich aneinander gerasselt, im Raum standen wüste Beschuldigungen, die bis heute nicht richtig geklärt sind. „Die Vorwürfe waren absurd und nicht schön. Eine Spieler vom BVB haben meinen Ruf beschädigt“, weinte Kinderschokoladen-Gesicht Neuer einem Journalisten in den Block.

Beim Revierderby geht es nämlich in erster Linie nicht so sehr darum, was genau passiert, Hauptsache, die Emotionen kochen hoch und es ist Feuer drin. Und das ist heute Abend mit Sicherheit.

(Bild: commons.wikimedia.org)

5 Gedanken zu „Lüdenscheid gegen Herne-West“

  1. legendär auch der Schalke Fan, der das 11Freunde Heft zum 100.jährigen Jubiläum vom BVB eingeschweist zurückgeschickt hat mit der Aussage,dass er es nur öffnen könne, wenn das Titelblatt verschwände…

  2. Ja da ist schon viel Feuer im Spiel und es wird bestimmt ordentlich heute Abend zur Sache gehen und auch nicht mit 22 Spielern enden. Hoffe nur das auch das Spiel alle erwartungen und tam tam im vorfällt gerecht wird und das beide mutig nach vorne Spielen werden. Aber denke schon das wir uns da auf ein geiles Spiel freuen dürfen.

  3. @Feivelinho: kann ich gut verstehen! Das Paderborner für 59 Cent ist eben einfach ein Gaumenschmaus vor dem Herrn!

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