Fritz C. Klautermann (6)

klautermannFritzchen K. sinniert über kleine und große Derbys – und hat ein Juwel aus der Videokiste geholt. Die Mauertaktik-FCK-Kolumne.

Derby – das fußballerische Pendant zur biblischen Klopperei zwischen Kain und Abel. Dass es heutzutage kaum noch Paarungen gibt, die diesen ehrwürdigen Namen verdienen, wurde an anderer Stelle bereits moniert (siehe: „Derbys allerorten“). Der 1. FC Kaiserslautern pflegt wie jeder Klub, der etwas auf sich hält, einige tief verwurzelte Feindschaften, teils seit den fünfziger Jahren. Nun waren in den letzten Jahren der FK Pirmasens, der 1. FC Saarbrücken und Waldhof Mannheim selten in Reichweite, sodass sich der Derbygedanke teilweise auf die zweite Mannschaft des FCK verlagerte, nicht immer mit friedlichem Ausgang.

In glorreichen Bundesligajahren (lechz!) waren neben Spielen gegen die Frankfurter Eintracht auch Begegnungen mit dem FC Bayern München geografischer Ferne zum Trotz von Derbycharakter geprägt. Wohl kein deutscher Verein pflegt einen solch ausgeprägten Bayernhass, der sogar im stimmgewaltigen Zusatz zum obligaten Betzelied vor jedem Heimspiel Ausdruck findet, wonach die Münchner als einzige ausdrücklich nicht auf dem Berg willkommen seien. Wohl bekannt ist, dass Paul Breitner einst entnervt vorschlug, die Punkte postalisch in die Pfalz zu senden.

Seit vier Jahren wirkt das geschmetterte „Außer Bayern!“ ein wenig deplatziert, denkt der FCB doch mangels Zweitklassigkeit nicht daran, den Betze mit einem Besuch zu beehren. Man suchte sich also andere Derbygegner, Spiele gegen die „Tussen“ aus Koblenz und den FSV Mainz 05, ja sogar den Winzverein Wehen-Wiesbaden wurden in ihrer Bedeutung aufgemotzt – doch die wahren, großen Kräftemessen konnten sie nicht ersetzen.

In den Neunzigern kam es noch zu dauerhaften Auseinandersetzungen mit den Badensern aus Karlsruhe. Es ging um nicht weniger als die Hoheit im Südwesten. Teils mit King Kahn, Euro-Eddy und diversen Torkrokodilen bestückt, leisteten die Karlsruher nicht unbeträchtlichen Widerstand.

Wenn KSC auf FCK traf, fieberten ganze Landstriche zwischen Suttgart und Saarbrücken mit. Vorläufiger Höhepunkt war das DFB-Pokalfinale von Berlin. Als Martin Wagner dem Karlsruher Keeper Claus „Mr. X“ Reitmaier das Leder durch die Stelzen zimmerte, jubelte Ersatzkeeper Gerry Ehrmann noch ein bisschen ausgelassener als alle anderen. Lauterns behandschuhter Körperbildner hatte den ungeliebten Konkurrenten wenige Jahre zuvor eigenfäustig vom Betzenberg gejagt.

Am Sonntag nun also die Neuauflage des badisch-pfälzischen Schwanzvergleichs. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft, Gerry hat Ziehsohn Tobi sicher noch einmal seinen markigen Leitspruch eingetrichtert („Sieger zweifeln nicht!“) – es ist also alles gerichtet für einen reinen Fußballkampf.

Zur Einstimmung ein Blick zurück. Das folgende Video ist alleine schon deswegen ein Highlight, weil der Dicke und die Zaubermaus im Vorspann zusammen in einen Twingo steigen… (Darüber hinaus natürlich auch wegen des Kommentars von Fritz TuT zum 1:0: „Das Mäuschen hat aufgemuckt!“)

Bild: TimTim.com

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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