Die Bundesspatzen – Mauertaktikelf (5)

Wir befinden uns im Jahr der WM. In einem solchen guckt man gerne auf die glorreiche Historie der deutschen Mannschaft zurück. Entfernt hat diese Mauertaktikelf auch mit dem Thema zu tun. Es sind elf Spieler, die alle den Adler auf der Brust trugen. Allerdings taten sie dies nur ein- bis dreimal. Es ist sozusagen die Elf der verhinderten Weltstars bzw. die des kurzzeitigen Ruhms.

TOR

Oliver Reck: „Pannen-Olli“ bestritt ein Spiel für den DFB.  Beim wichtigen 9:1 gegen Liechtenstein kassierte er zwar nur ein Tor und wurde trotzdem nicht zur Nummer 1. Für die Europameisterschaft ’96 aber reichte es. In der Bundesliga ist er als Keeper von Werder Bremen bekannt geworden, bis dann 1998 die große Panne kam: Wechsel nach Gelsenkirchen. In der jüngeren Vergangenheit machte er dann als Mitglied eines albernen Trainertrios auf sich aufmerksam, als er es in der letzten Saison zusammen mit Mike Büskens und Youri Moulder schaffte Schalke aus dem internationalen Geschäft herauszuhalten. Seinen Job als Torwarttrainer musste er daher aber leider auch an Bernd Dreher abgeben, so dass er inzwischen Felix-Magath-T-Shirts vor dem Stadion verkauft.

ABWEHR

Dietmar Beiersdorfer: Ebenfalls ein Spiel für die Nationalmannschaft machte der Franke Dietmar Beiersdorfer. Am 1. Mai 1991 wurde  Belgien mit 1:0 bezwungen und Didi hatte Enzo Scifo & Co 90 Minuten im Griff. In der Bundesliga gehört Didi zu dem exklusiven Kreis von Spielern, die es sich trauten vom HSV zum SVW zu wechseln. Grund für den Transfer soll damals aber vor allem eine finanzielle Schieflage in der Hamburger Vereinskasse gewesen sein. Als „Dukaten-Didi“ zum HSV als sportlicher Leiter zurückkehrte war davon aber nichts mehr zu spüren. So konnte er Sylvie van der Vaart nebst Gatten nach Deutschland lotsen und einige andere Transfers mehr realisieren.  Gehen musste er dann im letzten Jahr wieder unter mysteriösen Umständen. Derzeit ist er Sportdirektor bei Red Bull und hört dementsprechend vermehrt elektronische Musik und treibt sich auf obskuren „Raves“ rum.

Mustafa Dogan: Dogan war einer der Teilnehmer am Confederations Cup 1999 in Mexiko. Dieses legendäre Himmelfahrtskommando unter ihrem „Trainer“ Erich Ribbeck scheiterte damals kläglich in der Vorrunde. Dogan hatte aber eher einen geringen Anteil daran, er wurde lediglich im Spiel gegen die USA (0:2) für Jörg Heinrich eingewechselt. Insgesamt brachte er es auf zwei Einsätze in schwarz-weiß. Im Vereinsfußball begann er seine Profikarriere in der Grotenburg-Kampfbahn, wechselte aber 1996 zu Fenerbahçe, wo er eine erfolgreiche Zeit hatte. 2003 kehrte er nach Deutschland zurück. Dort konnte er zwar den Abstieg des 1. FC Köln nicht verhindern, für ihn hatte sich der Wechsel aber gelohnt: Beim 1:0-Sieg gegen den SC Freiburg markierte er sein erstes und einziges Bundesligator.

Heiko Gerber: Hossa, Hossa, Hossa! Ebenfalls zur Mexikotruppe gehörte Heiko Gerber. Der Mann aus dem Erzgebirge schleppte sich trotz lauwarmen Tequilanächten bei zwei Spielen auf den Platz. Somit hat er auch 2 „caps“ auf dem Konto. Bis jetzt, denn er ist noch aktiv. Seine Zeit beim VfB Stuttgart war 2007 beendet und er wechselte nach Ingolstadt. Nunmehr ist er in Ulm angekommen. Die glorreichen Zeiten des SSV sind aber leider Vergangenheit. Mit Dragan Trkulja, Oliver Otto und Janusz Gora (SKANDAL!!!) machte man ja 99/00 noch die Bundesliga unsicher, aber mit der internationalen Erfahrung von Gerber geht es sicher jetzt auch wieder aufwärts.

Paul Steiner: Einer der Weltmeister von 1990. Steiner kam dort aber zu keinem Einsatz (so wie auch Günter Herrmann und Frank Mill nicht) und machte auch insgesamt nur ein Spiel für die Nationalmannschaft. Auf die Frage, ob denn die Nationalmannschaft für ihn ein Thema sei, hatte er vorher bereits geantwortet: „Nein, die spielen immer mittwochs, da habe ich keine Zeit.“ Was genau er da machte ist nicht bekannt, aber er brachte jedenfalls 1982 mit seinem Kölner Teamkollegen Stephan Engels die Platte „Fußballshow“ auf den Markt. Prädikat: Fiese Ohrengrätsche. Allerdings nicht zu verwechseln mit Peter Steiner.

MITTELFELD

Zoltan Sebescen: Der erste deutsche Nationalspieler aus Reihen des VfL Wolsburg war Zoltan Sebescen. Er brachte es allerdings nur auf insgesamt 45 Minuten. In einem Freundschaftsspiel gegen die Niederlande wurde er in der ersten Hälfte mehrfach von Boudewijn „Bolo“ Zenden nasgeführt, so dass er von Trainer Ribbeck (wem sonst?) in der Halbzeit runter genommen und nie mehr berücksichtigt wurde. So kann man einen Spieler auch aufbauen. Immerhin konnte er sich damit auf seine Vereinskarriere konzentrieren, wo er Teil der Vizekusen-Mannschaft von 2002 war. Im Champions-League-Finale hatte er auch einen gewissen Anteil am wahrscheinlich schönsten Finaltor der CL-Geschichte und ging somit doch noch in die Fußballgeschichtsbücher ein. Nämlich als der Spieler, der versuchte Roberto Carlos an einer Flanke zu hindern, so dass dieser in nur im hohen Bogen in die Mitte geben konnte. Der Rest ist bekannt: Zidane – Volley – 2:1.

Ronald Maul: „Ronny“ Maul komplettiert das Confed-Cup-Trio. Auch er wurde standesgemäß nur bei den Niederlagen gegen Brasilien (0:4) und die USA (0:2) eingesetzt. Er war damals bei Topclub Arminia Bielefeld unter Vertrag. 2000 stieg er aber dann aus diesem Fahrstuhl aus. Da er sich beim HSV aber nicht durchsetzen konnte, zog er weiter nach Rostock. Den Tiefpunkt in dieser Rolltreppe nach unten stellte dann Rot-Weiß Ahlen dar, bei denen er v0r knapp 3 Wochen seinen Rücktritt erklärte. Ähnlich kurzlebige Star-Karriere also wie Namensvetter Maul- und Klauenseuche.

Marco Engelhardt: Mit drei Einsätzen für den DFB war Marco Engelhardt für kurze Zeit auf dem sicheren Weg zum Ehrenspielführer der Nationalmannschaft. Diese Zeit war im wesentlichen die Asienreise im Dezember 2004. Bei dieser Reise gab es leider insgesamt wenig zu holen, abgesehen von Malaria und Syphilis. Jedenfalls im Ergebnis keine Stammplätze. Die Mitreisenden hofften wohl alle insgeheim schon auf eine Berücksichtigung für 2006, aber das klappte weder bei Engelhardt noch beim Gruselsturm Brdaric / Kuranyi. So ist der Bekanntheitsgrad von Marco seit dem ähnlich rapide gesunken wie der des gleichnamigen Bieres. Comeback für beide aber nicht ausgeschlossen!

Karlheinz Pflipsen: Karlheinz „Kalla“ Pflipsen durfte 1993 einmal für Deutschland ran. Anstoß-2-Spielern ist er auch unter seinem Mädchennamen „Karlheinz Schönling“ bekannt. Auch heutzutage ist Kalla immer adrett gekleidet (Stutzen, Fußballschuhe) und verbraucht immer noch fast so viel Pomade wie Karl-Theodor von und zu. Bei seiner ersten Trainerstation funzte es aber nicht wirklich. Vor einem Jahr warf er die Brocken bei RWE II hin. Unverständlicherweise wurde er im Juli ’09 dann nicht sofort bei Borussia MGL als neuer Chef installiert, sondern man entschied sich für Frontzeck. Was erlauben Eberl? Nunja, Kalla hält sich erstmal in der Traditionself fit und wartet auf seine Chance.

STURM

Bernd Hobsch: Einmal stürmte Bernd Hobsch für Deutschland. 1993 wurde in einem Freundschaftsspiel gegen Tunesien eingewechselt. Stammverein des in Großkugel geborenen Hobsch war die TSG Maschinen- und Apparatebau Schkeuditz. Über Leipzig kam er nach Bremen, wo er in der Rückrunde der packenden Saison 92/93 großen Anteil am Gewinn der Meisterschaft hatte. Im entscheidenden Spiel machte er zwei Buden, viele werden sich erinnern. Insgesamt netzte Bernd „Hobschi“ Hobsch bei all seinen Stationen ordentlich ein. Ein Knipser. Zuletzt trainierte er die Damenmannschaft des TSV Ochenbruck. Ein Schlingel.

Bruno Labbadia: Italo-Hesse Labbadia, der in der Jugend unter anderem beim FSV Schneppenhausen spielte, ist ein in Sachen Fußball vielgereister Mann und damit ein Kandidat für die All-Time-Wandervögel-Elf. Aber auch zwei Auftritte in der deutschen Nationalmannschaft kann er vorweisen. Die hat er auch zeitlich etwas in der turbulenten Karriere verteilt. 1992 spielte er in einem Testspiel gegen Uruguay und 1995 in einem weiteren Test gegen Belgien. Da fordere noch einer, man solle die Testspiele abschaffen. Wäre echt schade, wenn ein Labbadia dann ganz ohne internationale Meriten dastehen würde. Inzwischen ist er ja auf das Trainer-Karussell aufgesprungen. Abgeworfen hat es ihn in dieser Saison beim HSV, der mit Labbadia versucht die Windmühlen und Papierkugeln der letzten Saison zu besiegen.

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

8 Gedanken zu „Die Bundesspatzen – Mauertaktikelf (5)“

  1. ich glaub Hobschi war auch Bauleiter vom schkeuditzer Kreuz, nur so ist zu erklären, dass der bau so lange dauerte

  2. da fehlt auch der sebastian deisler von bielefeld – tobias rau, der fleißige student.

  3. Der Rau-Tobi war natürlich ein heißer Kandidat. Aber er brachte es (leider) auf 7 Einsätze und traf sogar einmal ins gegnerische Netz. Gegen Kanada, — Oh Canada, our home and native land…

  4. was ist den mit Paolo Rink oder auch ganz groß Sean Dundee, obwohl der wurde glaub ich eingedeutscht und durfte dann NIE spielen…Fett verarscht das Krokodil!

  5. Und Raimond Aumann nicht zu vergessen! Hat der eigentlich je ein Spiel gemacht? Ansonsten wäre er glaube ich der erste Nationalspieler mit WM-Titel ohne jeglichen Einsatz…

  6. Und natürlich Malik Fathi! Ganz großer Außenverteidiger in der Nationalelf mit immerhin auch einem Einsatz!

  7. @wasendiego: ich muss dich als aufmerksamer Leser des Artikels leider darauf hinweisen, dass Paul Steiner, Frank Mill und Günter Hermann Nationalspieler waren, die einen WM Titel ohne Einsatz gewonnen haben…
    Hau ich habe gesprochen!

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