VfBarca!

cacau
Hilft Beten doch?

Wundersame Verwandlungen in Schwaben: Der VfB wurde vor dem Anpfiff zu Barca, in der Halbzeit dann wieder zum VfB, Cacau zeitgleich vom Weltklassemann zum Statisten. Ein atemloser Blick zurück.

In der ersten Hälfte spielten die Schwaben wie ein Freigänger aus der Klapse: Der reine Wahnsinn. Kurz nach der Pause kam die Gross-Truppe dann leider hinter schwedische Gardinen und konnte sich bis zum Abpfiff nicht mehr befreien.

In den ersten 40 Minuten des Spiels am Dienstag wähnten sich die Zuschauer statt im Gottlieb-Daimler-Stadion in der Traumfabrik. Spielte Barcelona etwa in Weiß, war Cacau in Wirklichkeit Henry, Pavel Pobgrebnyak in Wahrheit Lionel Messi auf Stelzen? Nein, es war in der Tat der VfB, der ein Feuerwerk abbrannte wie zuletzt der Vietcong im Rahmen der Tet-Offensive. Und auch der von Mauertaktik oft gescholtene Cacau machte dabei wohl das Spiel seines Lebens, nunja, wenigstens die 40 Minuten seines Lebens.

Statt „longe Ball, longe Ball“, wie Taktikfuchs Ailton einst den Prototyp des unansehnlichen Fußballs beschrieb, kombinierte Barca, quatsch: Stuttgart, „gefällig“, wie es so schön heißt – und gefiel. Als Cacau dann auch noch zum Kalle-Riedle-Double wurde und aus der Nahdistanz den Kopftorpedo aus der Luke ballerte (Private Puyol flog mit wehender Mähne, aber vergeblich durch die Luft), stand Untertürkheim Kopf, war also plötzlich zu Obertürkheim geworden.

Doch ebenso plötzlich waren die Katalanen wieder da und versuchten in den fünf Minuten vor der Halbzeit, mit aller Macht den Hebel herumzureißen. Wie George Foreman gegen Axel Schulz retteten sich die Schwaben angeschlagen in die Ringecke.

Nach der Halbzeit hatte Obertürkheim den kleinen Nachbarn wieder ausgemeindet, das Spiel lief nun so, wie alle es erwartet hatten. Dem VfB schien minütlich die Puste auszugehen, Barca mit größten Chancen. Den Ausgleich besorgte dann der bestbezahlte Spieler der Welt (schrecklicher Verdacht: Schießt Geld doch Tore?), Zlatan Ibrahimovic, genannt „dähr Schwähde“ (jedenfalls von Prinz TuT).

Als der Hüne mit der langen Matte den Ball an Pater Jens vorbei ins Netz befördert hatte, war aus einer glänzenden Ausgangslage für die Stuttgarter, nunja, ein 1:1 geworden. Aber im Nou Camp kann man gewinnen! Oder 2:2 spielen! Da geht was. Mindestens.

Nachzureichen gilt es, dass beim Trikottausch nach dem Spiel Messi natürlich mit seinem Seelenverwandten Träsch das Leibchen wechselte… Und mit diesem Kalauer verabschieden wir uns ins Sauerstoffzelt. Puh.

Bild: Flickr / Stefan Baudy

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.