Blitzkrieg!

blitztabelleSamstag Nachmittag, die Bundesliga-Konferenz läuft. Es geht um Punkte, aber nicht mehr. Titel werden erst in knapp drei Monaten vergeben, absteigen kann auch noch keiner. Trotzdem wird alle zwei Minuten die „aktuelle“ Tabelle eingeblendet. Eine Wutrede gegen den Statistikwust.

Diese unsere Welt wurde schon von allerlei Erfindungen überzogen, die uns nicht wirklich Freude bereitet haben. Weder einlagiges Klopapier, noch Nasenbrillen oder die gute alte Handgranate haben dazu beigetragen, dass das Leben auf unserem Planeten lebenswerter wurde. Doch wenn Ihnen, werter Leser, bereits bei dieser kurzen Aufzählung vor Schreck der warme Kakao wieder hochkam, sollten Sie lieber nicht weiterlesen.

Dämliche Zahlenautisten

Denn es geht noch schlimmer. Schon in den Neunzigern wurden die Fußballfans vom rechteinhabenden Sender bis kurz vor die Klapse gebracht. Die ran-Datenbank schleuderte im Sekundentakt Fakten in Umlauf, deren Relevanz sich zwischen „Hmja, geht so“ und „Was soll der Dreck?“ bewegte. Egal ob Zweikampfstatistiken von Tribünenhockern, Körbchengröße der Spielerfrauen oder Rasenhalmlänge des dritten Trainingsplatzes – kein Datenblatt war den geschätzten 300 Zahlenautisten von Sat.1 zu dämlich, um es dem Publikum vorzuenthalten.

Als das letzte ranissimo vom Stapel gelaufen war, wurde die Erbsenzählarmada, die selbst Blaublütern aus der Sesamstraße den letzten Nerv geraubt hätte, dann in voller Stärke in die Premiere-Katakomben verfrachtet, wo sie fortan ihr Unwesen trieb. Ihre ganze Energie legten die gescheiterten Nummerngirls fortan in die nanosekündliche Erstellung der sogenannten Blitztabelle.

Blitzkrieg? Eine Lachnummer!

Gegen dieses unfassliche Ungetüm, mit dem der deutsche Pay-TV-Sender auch nach der Umbenennung seine vom absurd schlechten Niveau der Bundesligapartien ohnehin schon arg gebeutelten Zuschauer heimsucht, sind Blitzlichtgewitter, Blitzeis und sogar der gute alte Blitzkrieg eine Lachnummer. Als sei die schiere Existenz dieses völlig belanglosen Binärfortsatzes nicht empörend genug, gibt sich die sog. Blitztabelle darüber hinaus zu jeder noch so unpassenden Gelegenheit die Ehre. Vierter Spieltag, die Samstagskonferenz läuft seit achteinhalb Minuten: Zeit für einen Blick auf den Tabellenstand – völlig egal, dass bei den Spielen noch überhaupt kein Tor gefallen ist. Vielleicht ist Bayern ja doch schon Meister! Schade, noch nicht. Wir schauen gleich noch mal nach…

Den hartgesotteneren Fußballpuristen geht ja schon auf den Zeiger, dass ständig Spieldauer und Spielstand eingeblendet werden. Was waren das noch für Zeiten, als alle halbe Stunde eine flackernde, verpixelte Anzeige für Sekundenbruchteile ebendiese Informationen kundtat! Wer zwischendurch einschaltete, musste sich eben ein wenig gedulden. In der Zwischenzeit konnte man dann prima das Spiel verfolgen, denn – auch wenn das einige Sky-Androiden überraschen könnte – es gibt da auch noch etwas, was wirklich zählt und wichtig ist. Menschen nämlich! 11 gegen 11 auf dem Rasen!! Rasen? Der liegt irgendwo hinter dem Datendschungel rechts.

Bild: Flickr / lrargerich

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

2 Gedanken zu „Blitzkrieg!“

  1. Ist doch schön, daß gelegentlich auf ältere Artikel verlinkt wird. Schließe mich dem Vorredner an: Amen.

Kommentare sind geschlossen.