Fritzchen Klautermann schwelgt in Erinnerungen. Ach, schöne Kindheit, die du unvergessliche Erinnerungen beschert hast. Kantersiege und Evergreens in der neuen Kolumne.
Während der Kindheit scheinen Fußballspiele unauslöschliche Eindrücke zu hinterlassen. Nicht nur Endergebnis, Torfolge oder -schützen, sondern auch, wie und wo man das Spiel verfolgt hat, ist nicht aus der Erinnerung zu verbannen. Das muss daran liegen, dass mit, sagen wir 12, 13 Jahren die Zahl der konkurrierenden Interessengebiete noch sehr gut überschaubar ist. Genau genommen gab es für den Fußball damals zumindest in meiner Wahrnehmung keine Konkurrenz.
Über die Jahre hat sich deshalb ein Batzen Fußballtrivialwissens in meinem Gedächtnis gebildet, dessen Größe den jedes anderen Wissensgebiet übertrifft und der zum allergrößten Teil aus den Bundesliga-Spielzeiten 1993-98 besteht. Selbst ein mehrjähriges Studium und hundertfache Eindrücke, die nicht aus der Welt des Fußballs stammen, haben es seitdem nicht vermocht, den Batzen zu verkleinern. (Der Nutzen dieser randvoll gestopften Festplattenpartition ist begrenzt und beschränkt sich auf potenzielle Quizshow-Auftritte, Kneipengespräche und Fußball-Blogs.)
In Anbetracht dessen ist es kaum verwunderlich, dass ich noch ganz genau weiß, wo ich den 7:1-Sieg des 1. FCK beim MSV Duisburg in der Rückrunde der Saison 1993/94 gesehen habe. Ein Sonntag bei meinem Onkel, ranissimo brachte eine ellenlange Zusammenfassung in zwei Teilen (unterbrochen von einem nicht minder üppigen Werbeblock). Ausnahmsweise aber war das Format genau ausreichend, statt sinnfreiem Gefasel mussten sich Hansch oder Dahlmann oder wer auch immer die Bilder aus Meiderich kommentierte (solcherlei Trivialitäten sind vergleichsweise schnell vergessen), tatsächlich einmal ausschließlich den Toren widmen, die an jenem Abend reichlich fielen.
Für den tschechischen Neuzugang Pavel Kuka bedeutete der Kantersieg den Durchbruch beim FCK – auch das ist unvergessen. Nicht nur ich hatte einen neuen Lieblingsspieler gefunden. Drei Tore steuerte der Mann mit der Borstenfrisur zum halben Dutzend bei, das in der zweiten Hälfte in den Duisburger Maschen landete. Dazu zwei Elfer von Andy Brehme, ja selbst Evergreen Axel Roos durfte treffen! Ein untrügliches Zeichen für die historische Bedeutung jenes Tages. Mit meinem Cousin saß ich gebannt, ungläubig vor dem kleinen Fernseher im ersten Stock. Wir wussten natürlich aus der obligaten Sommerferienlektüre des kicker-Sonderhefts, dass sieben Treffer in der Fremde einen neuen Rekord bedeuteten. Alle wichtigen Statistiken, aktuell wie historisch, hatten wir verinnerlicht.
Am Montag also reist der 1. FC Kaiserslautern mal wieder nach Duisburg. Die Vorzeichen sind gänzlich andere als damals, die beiden Teams treffen sich eine Liga weiter unten, haben in den letzten 16 Jahren völlig unterschiedliche Lebenswege eingeschlagen. Moderate Fahrstuhlbewegungen zwischen Liga 1 und 2 auf der einen, tiefer Fall, rasanter Aufstieg mit Gipfelbezwingung, Absturz fast ins Nirgendwo und verheißungsvolle Kletterpartie auf der anderen.
Einige der zweitausend Fans, die den Gästeblock bevölkern werden, waren wohl bereits im April ‘94 in der Wedau. Der eine oder andere wird aber auch mit großen Augen vor dem Fernseher gesessen haben… Ach, sorgenfreie Kindheit.
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Kategorie: Kolumne
1 Kommentar
1 SchorleFCK // 18. Feb 2010 um 13:18 Uhr
Komnisch, fühl mich hier irgendwie wie selbst beschrieben
Damals beim 7:1 sass ich im Auto meiner Eltern und hörte im Radio die Übetragung und liess bei jedem Tor die Hupe erklingen.
Meine Eltern, welche zu gleichen Zeit im Haus eines entfernten Verwandten einen Geburtstag feierten, waren völlig verdutzt aufgrunde des tollen Hupkonzertes …
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