Hassduell reloaded

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Heute eher ein ungleiches Duell, früher ein Klassiker!

Mauertaktik-Geschichtsstunde: Deutschland in den Spätneunzigern, die Bayern und der BVB bekriegten sich in Schlachten – und zwar im fußballerischen und auch wortwörtlichen Sinne!

FC Bayern München gegen Borussia Dortmund, es war der Straßenfeger der 1990er:das ewige Duell um die Vormachtstellung im deutschen Fußball. Damals versprach diese Begegnung packenden Fußball und allerlei Verrücktheiten. Von Pöbeleien über Laien- und Profischauspieler bis hin zu handfesten Kampfsport-Einlagen, Mauertaktik erinnert an ein Stück Bundesliga-Geschichte.

Anfangs gab es die üblichen Anfeindungen vor den Spielen. Mal schimpften einige Bayern auf einige Dortmunder, mal brüllten die Dortmund zurück. Das Übliche. Etwas mehr Musik war da schon drin, als Bayerns Mario Basler und Dortmunds Spielmacher Andreas Möller 1996 in ihren ganz eigenen Kleinkrieg zogen. Alles begann auch hier mit Äußerungen, so gab Basler gewohnt ungeschönt wieder, wie er Möllers EM-Leistung wahrgenommen hatte: „Das, was Möller bei der EM gespielt hat, war der absolute Kack!“. Möller ließ sich nicht lumpen: „Was soll ich sagen, der is‘ eh doof!“. Albern wurde es, als sich die beiden Streithähne auf dem Platz wie zwei tollwütige Hunde verfolgten, obwohl sie nie direkt gegeneinander spielten.

Eine persönliche Dauerfehde entwickelte sich auch zwischen Andy Möller, dem zwar viele ein Riesentalent bescheinigten, aber nicht minder viele einen großen Hang zur Theatralik nachsagten, und Altmeister Lothar Matthäus. So kam es 1997 zu der legendären Szene, als Matthäus nach einem Foul – ja, wer foulte eigentlich wen?- sich vor Andy Möller aufbaute und, schäumend vor Wut, mit seinen Fingern ein weinendes Kind imitierte, um sich über die Wehleidigkeit von „Heintje“ zu echauffieren. Profi-Schauspieler Möller war von dieser Vorstellung alles andere als angetan und so spielte der „Schwalbenkönig“ die gleiche Geste noch einmal – allerdings im Gesicht des Weltmeisters von 1990.

Regeln gelten für alle – außer King Kahn

Apropos „König“. Wenn es um „Bayern vs. Dortmund“ geht, darf er natürlich nicht unerwähnt bleiben: King Kahn. Blieb er in den meisten Spielen seiner Bayern gegen den Erzfeind aus Dortmund für seine Verhältnisse eher unauffällig, so entlud sich der ganze Kahn’sche Zorn in einem Spiel im Dortmunder Westfalenstadion anno 1999. Bayern musste einen frühen Platzverweis verdauen und zudem führten die Hausherren früh durch zwei Herrlich-Treffer. Eine Situation, die einen Mann wie Kahn, der morgens schon mit 200 Puls aufsteht, schnell aus der Contenance bringen kann. So kam es zur legendären Beiß-Attacke des Welttorhüters gegen Herrlich, bei der er am Hals seines Opfers „knabberte“ (Herrlich). Keine 5 Minuten später sprang Kahn ein gutes Stück vor seinem Strafraum in feinster Karate-Kid-Manier dem bis dahin gefährlichen Schweizer BVB-Stürmer Chapuisat entgegen, doch wie durch ein Wunder verfehlte Olli-san sein Opfer nur um Zentimeter.

Den Vogel endgültig abgeschossen hat der Titan dann allerdings, als er während eines Gespräches mit Schiri Heinemann mit seiner Riesenpranke Andy Möller am Ohr zog – und das alles in einem Spiel, was an Kuriosität nur noch von der Tatsache getoppt wird, dass King Kahn dieses Spiel ohne gelbe Karte überstand. Mal schauen, was das Jahr 2010 für diesen Klassiker bereithält…

(bild: flickr.com / LarsPlougmann)

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