Wiegenfeste der Woche (10)

Die Wiegenfeste der Woche. Glückwünsche an die ganz großen Größen des Geschäfts. Exklusiv auf Mauertaktik.

Am Montag feierte Kulttrainer Erich Rutemöller seinen 65. Geburtstag. Legendär und unvergessen seine Aktion im Pokalhalbfinale 1991 gegen den MSV Duisburg. Nachdem Frank Ordenewitz eine Gelbe Karte erhalten hatte und damit fürs Finale gesperrt gewesen wäre, heckte der Übungsleiter einen perfiden Plan aus und riet „Otze“ einen Platzverweis zu riskieren, den er dann in der Liga hatte absitzen können. Trainerfuchs ist nunmal Trainerfuchs. Die konkrete Formulierung war dann eher schlicht: „Otze kam zu mir, und ich finde, man sollte ihm die Chance nicht nehmen, und da hab ich gesagt: ‚Mach et!‘“ „Mach et, Otze!“ ist seitdem ein geflügeltes Wort bei Jung und Alt.

Am gestrigen Dienstag feierte einer der großen Künstler in der Fußballwelt seinen 35. Geburtstag. Andreas Neuendorf ist nicht nur Herthalegende, sondern trug auch als erster deutscher Profi seinen Spitznamen auf dem Trikot. Damit das auch von der DFL akzeptiert wurde, malte er zwei Aquarelle mit den klangvollen Namen „Gesicht“ und „Krickelkrakel“. Zecke war der Trendsetter, aber unverständlicherweise fand er bislang keine Nachahmer. Zwar tragen die Brasilianer auch weiterhin ihre Künstlernamen auf den Trikots, aber die deutschen Profis scheinen das nicht zu wollen. So wäre es doch schön, wenn Frings bald „Lutscher“ hinten auf dem Trikot stehen hätte und Schweinsteiger könnte auch auf „Schweini“ verkürzen. Naja, Glückwünsche auf jeden Fall an Zecke, und es schallt ewiglich im weiten Rund:

Morgen wird dann Schiri-Legende Wolf-Dieter Ahlenfelder das ein oder andere Ständchen zu hören kriegen. In diesen Chor fallen die Mauertaktiker gerne ein, sie sind bekennende Ahli-Fans. Einen Mann, der Fußballfunktionäre gerne mal als die „größten Gipsköppe aller Zeiten“ bezeichnet und dessen Name in der Kneipensprache für Bier + Schnaps steht, kann man ja eigentlich auch nur lieben. Hierbei verweise ich gerne auf Jürgen H. Nutas Lobeshymne zum 65. im letzten Jahr.

Am Sonntag feiert dann ganz Österreich. Geburtstagskind Johann „Hans“ Krankl gibt einen aus. Er schoss nicht nur Österreich 1978 zum Sieg gegen Deutschland, sondern ist insgesamt ein Siegertyp, wie man schon an seinem berühmt gewordenen Ausspruch „Wir müssen gewinnen, alles andere ist primär!” merkt. Seine Karriere begann beim KSV Straßenbahn Wien, der wohl die große österreichische Tradition der albernen Vereinsnamen begründete. Als sein Stammverein gilt aber zu Recht Rapid Wien. Relativ unbeachtet geblieben ist bislang seine Musikkarriere, zumindest in Deutschland. Nach einigen (hoffentlich) nicht ganz ernst gemeinten Veröffentlichungen in den 70ern (u.a. der Song „Vor, Vor, Noch ein Tor!“), wagte er sich in den 80ern zurück auf die musikalische Bühne, u.a. mit einer Coverversion eines Paul-Anka-Songs, der sogleich die Austria-Charts stürmte. Ein must-hear.

Hier noch einmal Krankls größtes Spiel, neu kommentiert von Grissemann & Stermann:

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.