Eine schrecklich nette Familie

zwanzigerDer Fußball schreibt die schönsten Geschichten. So wie die mit Opa Theo, dem Jogi und dem Olli.

Opa Theo war mächtig böse. Für einen Moment wollte er in einer Kurzschlussreaktion alles beenden. Den jungen Aufmüpfigen entfernen lassen, dachte sich der auf einmal kein bisschen altersmilde Fußballboss, und eine konservative Trainerlösung finden. Er ging Namen in Gedanken durch: Herberger, Schön… unabkömmlich. Beckenbauer? Nein, dann doch lieber den Groll herunterschlucken.

Die undankbaren Enkel

Was nahmen sich diese undankbaren Enkel heraus? War es nicht er, Opa Theo, höchstpersönlich gewesen, der diese zwei Schönlinge mit allen Befugnissen ausgestattet hatte? So viel Macht hatte ja noch nie jemand gehabt in Deutschland, jedenfalls nicht im Fußball. Was war aus den schönen Idealen von Turnvater Jahn geworden? In den alten Zeiten, ja, da hatte ein Ehrenwort noch weiter gereicht als bis zum nächsten Frisörtermin. Nein, Opa Theo hatte gar keine andere Wahl, als mit seinen Zöglingen zu brechen.

Natürlich wieherte die ganze Sippe. Selbst Großonkel Kalle durfte sich melden und über unliebsame Bewohner in Opa Theos Vorgarten mosern. Maulwürfe hätten sich breit gemacht, man könne nicht mal mehr mit den Kleinen kicken auf dem zerfurchten Terrain, unkte er. In der Schädlingsbekämpfung habe die ganze Famile „gravierende Fehler“ gemacht, so der Oberförster von München. Opa Theo wollte sich am liebsten vergraben, gleich neben Mauli. Der wenigstens war sein Freund und würde ihn nicht schmähen.

Auch beim Familienausflug nach Polen hatten Opa Theo, der Jogi und der Olli sich geschnitten. Selbst beim abendlichen Pflichttermin an der Hotelbar wäre das Eis nur in die Drinks gebrochen worden, hieß es. Der nach Warschau gesandte Mauertaktik-Reporter Jürgen H. Nuta moserte, so eine schlechte Stimmung habe er an einem Tresen noch nie erlebt. Und der Mann hat schon von allen großen Zapfhähnen der Welt genascht.

Fühle, Fühle, Fühle

Opa Theo hatte die Faxen dicke. Er bat Enkel Jogi und Schwiegersohn Olli zum Rapport. Mit strenger Miene drückte er seinen Missmut aus. Wie das Familienoberhaupt mit bebender Stimme so da stand, bekamen die beiden Querulanten ganz weiche Knie. „Opa, tut mir Leid, dass ich deine Fühle, Fühle verletzt habe“, schluchzte schließlich Olli. „Gut, meine Söhne“, sprach der Großvater, „das wiederholen wir morgen noch einmal in der Öffentlichkeit“.

Alle waren gekommen. Opa Theo redete ein bisschen, dann Jogi und Olli. Auch Onkel Wolfgang meldete sich noch und redete was von Tieren mit Hörnern. Aber da hörte Opa Theo schon nicht mehr richtig hin. Er dachte noch einmal traurigen Mutes über die ganze Geschichte nach. O tempora… Seit Ollis Ausführungen hatte er einen Ohrwurm. Und als er so mitsummte, da wurde Opa Theo klar, wohin er Handschläge und derlei Ehrenkram künftig schmeißen konnte. Müll, Müll, Sondermüll, klang es in seinen Ohren, immer wieder: Müll, Müll, Sondermüll.

Bild: Flickr / f650biker

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.