Es war einmal… ein Stürmer

bleistift-kaputtWas macht eigentlich… Grafite? Eine berechtigte Frage im Frühsommer 2010, der Mauertaktik gewohnt investigativ auf den Grund geht.

Grafite 2009: Samba auf dem Rasen, Konter in Bolt-Geschwindigkeit, dreiste Hackentore, überhaupt: Tore! Grafite 2010: Erbarmungswürdige Bilder eines herumstolpernden Ex-Stürmers. Mut- und Hoffnungslosigkeit beim amtierenden Torschützenkönig. Mauertaktik weint der torreichen Vergangenheit ein bisschen hinterher.

Dass sich auch immer der Kreis schließen muss. Das 5:1 gegen den FC Bayern war im Vorjahr der Gipfel der Wolfsburger Saison und gleichzeitig der Höhepunkt des Schaffens für den Stürmer mit der Nummer 23 (siehe auch: „Teuflischer Frühling“). Allen war damals nach dem Spiel zweierlei klar: Wolfsburg konnte wirklich Meister werden. Bayern nicht. Und Grafite, dieser südamerikanische Hexenmeister, hatte mit seinem Hackenzaubersupertor dem Rekordmeister den größten Batzen Salz in die Meistersuppe geschüttet. Die 1:3-Heimniederlage gegen den Rekord-und-vielleicht-bald-schon-wieder-Meister bedeutete den vorläufigen Tiefpunkt für den Einmalmeister und seinen Pflegefall im Sturm.


Weil’s so schön war…

Edinaldo Batista Libânio, den zu Hause alle nur ‚Bleistiftmine‘ nennen, war im vergangenen Jahr in aller Munde. 28 Tore hatte der athletische Angreifer am Ende der Saison erzielt und nur 25 Spiele dafür gebraucht, was selbst Vergleiche mit großes, kleines Müller nahe legte – 17 Treffer schoss der Mann aus Sao Paulo alleine in der zweiten Halbserie, in der Magaths Elf zum Titel durchstartete.

Und 2010? Aus dem Fineliner ist ein stumpfer Griffel geworden, der statt einstmals fein geschwungener Linien nurmehr hässliches Vorschulgekrakel auf den Rasen bringt. Was noch schlimmer ist: Kein Mensch schert sich mehr darum, ob der Mann nun Grafitsch, Grafitt oder Grafité ausgesprochen wird. Grafite, der Stürmer, ist Vergangenheit. An seiner Statt sah man am Samstag ein Häuflein Elend über den Platz torkeln, das einen Elfmeter in bemitleidenswerter Manier verschoss, Bälle vertändelte, Chancen versemmelte, haderte, flehte, verzagte.

Wenn Stürmer das Toreschießen verlernen, liegt das oft an Vereinswechseln. Artur Wichniarek beispielsweise kann offenbar nur im Mauerblümchenbiotop Ostwestfalen gedeihen, das Ailton fühlte sich nirgendwo so kugelwohl wie in Bremen – Grafite aber spielt ja immer noch im gleichen Trikot! Auch Altersschwachheit kann nicht ernsthaft angeführt werden, ist doch nicht mehr als ein gutes halbes Jahr vergangen, seit dem Brasilianer die Kanone überreicht wurde.

Was also ist los mit dem guten Edinaldo? Mauertaktik, das sonst bekanntlich immer alles weiß, streckt bei dieser Frage die Waffen. Existenzangst kann es jedenfalls nicht sein, hat der clevere Geschäftsmann den VW-Verantwortlichen doch im Sommer erst einen neuen, prächtig dotierten Vertrag aus den Rippen geleiert. Zweieinhalb Millionen Euromark soll seine derzeitige Jahresentlohnung betragen – netto. Viel Geld für einen Ex-Stürmer…

Bild: Flickr / e-magic

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „Es war einmal… ein Stürmer“

  1. Stürmer werden an ihren Toren gemessen Herr Schläck, und der elfmeter, kann doch der arme Grafitschi nix dafür..is doch grad so kalt und nix gut balle in deutschland

  2. Ich fand gegen die Bayern hat sich der Bursche endlich mal wieder was zugetraut. Zwar lief er immer noch nicht wie in der Vorsaison einfach durch Gegenspieler „durch“, ähnlich wie ein Bulldozer, aber so agil hab ich ihn schon lange nicht mehr gesehen. Klar, viele Dribbelversuche scheiterten kläglich, aber zumindest hat er wieder etwas Risikobereitschaft an den Tag gelegt! Und nur so kann er wieder das benötigte Selbstvertrauen tanken…

  3. Wie hat er eigentlich das ganze Selbstvertrauen eingebüßt? Nach so einer Saison wie im Vorjahr eigentlich unverständlich… Liegt es an der neuen Spielweise nach Magath, an dem generellen „Negativlauf“ der Mannschaft oder an was anderem?!

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