Fritz C. Klautermann (1)

klautermannDie neue Kolumne bei Mauertaktik: Fritz C. Klautermann spinnt schönes und scheußliches Seemannsgarn – und kennt dabei nur eine Liebe.

Alles begann mit Alfonso. Mir wäre lieber, es hätte mit Kuntz begonnen, oder Sforza, den Helden meiner Kindheit. Doch beide waren nicht mehr da. Und so begann es eben mit Alfonso.

Alfonso. Schon im Namen verbarg sich ungeahnte Poesie und Spielkultur. Unsere Jungs dagegen hießen Koch, Flock und Hengen. Welch hässliche Prosa! Hässlich und trüb auch jener Oktoberabend, in dem so einige kindliche Illusionen zerplatzen sollten. Zum ersten Mal durfte ich auf den Betzenberg, jenen mystischen Ort, von dem ich nur Wunderbares gelesen und gehört hatte. Unschlagbar sei dort die Heimmannschaft, noch jeden Gegner hätte man niedergerungen, auch die besten Teams aus Spanien. Den FC Barcelona, Real Madrid gar mit fünf Toren!

Betis Sevilla war nicht die beste Mannschaft Spaniens, so viel wusste ich in meiner Unschuld. Schlecht waren die Grünweißen nicht, sicher, aber es konnte ja keinen Zweifel geben, dass wir besser sein würden. Es war ja schließlich erst die zweite Runde. Doch meine Erwartungen stützten sich auf eine Mannschaft, die es nicht mehr gab. Mit Stefan Kuntz und Ciriaco Sforza waren die beiden Stützen des Teams, meine Helden, ins Ausland gewechselt. In die ferne Türkei der eine, ins verhasste Bayern der andere. Auf dem Platz stand ein Team ohne Gesicht, mit einem alternden Weltmeister zwar und einem, der sich Pelé nannte – aber all das war nichts als billige Tünche, die sich im anhaltenden Nieselregen des düsteren Dienstagabends Schicht für Schicht ablösen sollte.

So hässlich wie das Nieselwetter war auch das Spiel. Eine Dreiviertelstunde lang mühten sich die Hausherren. Dann traf Alfonso. Auf unserer Tribüne erhoben sich Dutzende spanische Schlachtenbummler und verfielen in rhythmisches Klatschen. „Beeeetis!“, hallte es durchs Stadion. Immer wieder: „Beeeetis!“ Bei den Heimfans, zu denen auch wir uns zählten: Schweigen. Mein Vater war dabei, mein Onkel und dessen Sohn. Alles Schweigen.

Direkt nach Wiederanpfiff traf Harry Koch zum Ausgleich. Da war er wieder, der Betzenberg! Die Aufholjagd in Halbzeit zwei, jetzt wurde sie eingeläutet! Jetzt wurde gestürmt bis zum Siegtreffer, Freudengeschrei, Siegestaumel, Ehrenrunde!

Nicht einmal zehn Minuten später war wieder alles vorbei. Schweigen hüben, Klatschen drüben. Als Alfonso noch den dritten Treffer für die Spanier markierte, hatten die spanischen Fans bereits eine halbe Ewigkeit durchgehend gefeiert. „Beeeetis! Beeeetis!“ Es fuhr einem durch Mark und Bein.

Der Traum vom Betzenberg, das Trugbild einer unbezwingbaren Bastion, zerfloss im Pfälzer Herbstregen.

Auf der Heimfahrt sagte mein Onkel, er würde nie wieder auf den Betzenberg fahren. Mein Vater sagte nichts.

Zeichnung: TimTim

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

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