Das Weihnachts-Massaker

In England wird ja bekanntlich das ganze Jahr hindurch gespielt, in den unteren Ligen gilt es schließlich, bis zu 46 Partien per annum zu absolvieren. Mauertaktik erinnert an die besinnliche Tradition des „Boxing Day Football“.

Mauertaktik ist dem Fußball auf der Mutterinsel ganz besonders zugetan. Vor geraumer Zeit erklärten wir schon den größten britischen Export-Schlager (siehe „Was ist eigentlich die englische Woche?“), auch zum Tode eines der größten Trainers aus dem Königreich schrieben wir einige würdigende Zeilen (siehe „Sir Bobby Robson (1933 – 2009)“). Aus aktuellem Anlass widmet sich Deutschlands sympathischste Fußballseite (wir) dem Fußball am „Boxing Day“. Dass der zweite Weihnachtsfeiertag im Land der Queen so genannt wird, hat weniger mit der an Festtagen obligaten Keilerei als mit Weihnachtsgeschenken für Bedürftige zu tun, die traditionell am 26.12. in kleinen Boxen überreicht wurden.

Auch Fußball wird seit Menschengedenken am zweiten Feiertag gespielt, geschlossene Schneedecke hin oder her. Ab und an kam es dabei sogar zu Massakern. Die Partie zwischen Sheffield Wednesday und Sheffield United aus dem Jahre 1979 ging jedenfalls als „Boxing Day Massacre“ in die FA-Annalen ein – und das, obwohl keinem einzigen Insulaner auch nur ein Härchen gekrümmt wurde.

Es war die mit Spannung erwartete Neuauflage des „Steel City Derby“, die für den 26.12.1979 terminiert worden war. Nach acht Jahren trafen die beiden verfeindeten Klubs aus der nordenglischen Stahlstadt wieder einmal aufeinander. Dass das unromantische Rendezvous in der dritten Liga stattfand, interessierte in Yorkshire keine Bohne. Hinz und Kunz und wahrscheinlich auch Miller und Scholes waren auf den Beinen und wollten sich trotz „Boxing Day Hangover“ die brisante Paarung im altehrwürdigen Hillsborough nicht entgehen lassen. Am Ende stand ein historischer Triumph für Wednesday, der in dieser historischen TV-Aufnahme von der BBC nacherzählt wird.

PS: Aktuell hat im „Steel City Derby“ übrigens United die Nase vorn. Die „Blades“ gewannen beide Partien in diesem Jahr und stehen bei insgesamt 45 Siegen (Wednesday: 41, Unentschieden: 38. Seit 2005 gibt es jährlich zwei Neuauflagen, da beide Teams in der zweitklassigen „Championship“ spielen.

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

1 Gedanke zu „Das Weihnachts-Massaker“

  1. Am meisten verzückt mich, wie vorzüglich der BBC-Moderator seine Kleidung aufs Studio abgestimmt hat.

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