Endlich zweistellig?

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Es ist schon absurd. Hertha BSC hat in der Europa League mehr Punkte als in der Liga. So könnte man mit einem Dreier heute abend endlich zweistellig werden, zumindest international. Aber ein Punkt gegen den Sporting Clube de Portugal reicht ja schon um triumphal ins Sechzehntelfinale einzuziehen. Ansonsten wird sicher auch die Schützenhilfe vom FK Ventspils helfen. Werfen wir doch zunächst einen Blick in die Fußballgeschichte.

Die erfolgreichste Saison im UEFA-Cup liegt für Hertha etwas zurück. 1979 erreichte man zum minus-10-Jahre-Jubiläum des Mauerfalls das Halbfinale. Übungsleiter war damals der legendäre Kuno Klötzer. Aber auch unter den Spielern waren einige klangvolle Namen. In der Abwehr verteidigten Hanne Weiner und Uwe Kliemann, „der Funkturm“. Den Beinamen erhielt letzerer selbstverständlich aufgrund seiner Größe. Den derzeitigen Abwehrspielern, insbesondere Kaka, könnte man denselben Spitznamen verleihen, allerdings nur um deren Beweglichkeit zu beschreiben. Heute liegen die Berliner Hoffnungen daher besonders auf Torhüter Drobny. Der kann hoffentlich auch auf Unterstützung von ganz oben zählen. Dies konnte 79er-Torwart Norbert Nigbur, wie er anlässlich eines Bundesligaspiels klarstellte: „Offenbach hätte 3:0 gewonnen, wenn ich nicht ein Papstbild in der Tasche gehabt hätte.“

Die jüngere Europokalgeschichte der Hertha ist eher tragisch. Fast als schicksalhaft kann da das Ausscheiden in der Runde 00/01 bezeichnet werden. Gegen Inter Mailand war man im Rückspiel bis zur 88. Minute in der nächsten Runde, René Tretschok hatte getroffen. Hakan Sükür beendete dann diesen Traum. In der Folge waren es dann schon die nicht allzu großen Namen, an denen man scheiterte, 03/04 z.B. an Groclin Grodzisk. In der Saison 05/06 schaffte Hertha dann aber ein echtes Kunststück: Man überstand die Gruppenphase des UEFA-Cups mit dem grandiosen Torverhältnis von 1:0. Böse Zungen behaupten sogar, dass das eine Tor von Zecke Neuendorf eigentlich ein Eigentor gewesen sei. Der Ball wurde in der Tat etwas abgefälscht, aber jeder Bolzplatzveteran weiß doch: „Schusskraft zählt!“

So könnte ein Weiterkommen der Hertha nicht nur im Abstiegskampf neues Selbstvertrauen schenken, sondern die Bilanz der deutschen Vertreter in den Gruppenphasen insgesamt zu einem sehr versöhnlichen Ende führen. Bayern und Stuttgart sind weiter im Landesmeisterpokal mit dabei und drei bzw. vier deutsche Mannschaften in der Europa League. Da können sich die feinen Herren aus Liverpool und Turin schonmal warm anziehen, wenn Hertha im Sechzehntelfinale zum Tanz bittet. Ich freue mich schon auf den Klammerblues von Fernando Torres mit Steve von Bergen!

(Bild: flickr.com / gillyberlin unter creative commons)

Autor: Franco Persico

Persico ist als gebürtiger Gaucho der geborene Dribbelkünstler. In jungen Jahren zog es ihn allerdings schon nach Europa, genauer nach Berlin-Neukölln, den Bezirk der Reichen und Schönen. Da auf ihn aber zunächst nur letzteres zutraf, heuerte er als Wasserträger in der Bezirksliga an und wurde dort umgehend Publikumsliebling und Stammgast im Vereinsheim. Es folgte ein dramatischer Aufstieg und Franco ist seitdem in den großen internationalen Stadien zu Hause. Auf dem Höhepunkt der Karriere folgte aber dann das Aus, vor allem wegen “Rücken” und “Knie”. Sein Expertenstatus in allen Lebenslagen sorgt nun dafür, dass Persico der geneigten Öffentlichkeit nicht den Rücken zudreht, sondern mit offenen Armen auf sie zugeht, und zwar mit einem Engagement bei der Mauertaktik. Als er hörte, dass auch Fränk und Jürgen mit an Bord sind, fiel die Entscheidung alles andere als schwer. Dieses Dreieck stellt die p-q-Formel des Erfolgs dar. Seinen Schwerpunkt lässt Persico bewusst offen, lässt aber durchscheinen, dass er auch etwas ausgefallenere Themen anschneiden wird. Als Beispiel nennt er diesbezüglich seine Leidenschaft für den japanischen Fußball, die er nicht wird verheimlichen können. Aber auch der einheimische Fußball in der Bundesrepublik wird nicht zu kurz kommen. Als bekennender Lokalpatriot will er HBSC zum Titel schreiben. In Liga zwo wird er als Pseudopunk und Salonsozialist natürlich die braun-weißen Farben des FC St. Pauli hochhalten.

4 Gedanken zu „Endlich zweistellig?“

  1. Ich glaub, das war das einzige Tor, das Sükür je für Inter geschossen hat. Ich hatte „Nebenhöhlenentzündung“ (man ging ja noch zur SChule), wir waren schon groß am Feiern während die Interfans langsam bedrohlich nah über Haupt- und Gegentribüne Richtung unseres Blocks wanderten. Eine der bittersten „gefühlten“ Niederlagen, neben dem 3-4 in Lautern, 0-0 gegen Hannover, die ich je vor Ort erleben musste. Aber die Gegner gegen die man die kommenden Jahre ausschied waren auch nicht ohne, One-Hit-Wonder aus Polen, Schweizer oder Dänen. Hahohe.

  2. Nachdem „Herta Berlino“ das Jahr zuvor den glorreichen AC Milan aus der Champions League beförderte, hätte man „Herta Berlino“ übrigens wenigstens respektvoll das „H“ an der Anzeigetafel im Meazza Stadion zuschreiben dürfen.

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