Dr. Lehmann & Mr. Jens

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Sportdirektor Hotte (links) sorgt sich um seinen Torwart (rechts, ganz rechts)

Was ist bloß los mit Jens Lehmann? Jede Woche schlechte Presse. Eine Verschwörung? Eher nicht…

2006 war er der gefeierte Held im ganzen Land. Mit seinen 36 Lenzen war er kein bisschen zu alt und führte unsere Nationalelf mit starken Paraden durch die Heim-WM. Mittlerweile ist der Torwart-Methusalem 40 Jahre alt und verursacht eigentlich nur noch Fremdschämen pur. Irgendwas ist anders mit Stuttgarts Nummer 1.

Nicht nur, dass der Ex-Nationalkeeper nun vier Jahre älter ist als vor drei Jahren; der Elfmeter-Held von 2006 macht im 22. Profijahr seiner langen Karriere, was er will. Daran scheinen ihn weder Kollegen noch Fans hindern zu können. Selbst seine Chefs sind machtlos. Es ist nach eigener Angabe seine letzte Saison, und der durchaus streitbare Keeper lässt es noch einmal so richtig krachen.

Was der Mann sich alleine im Jahr 2009 an Aussetzern leistete, ist beeindruckend. Im Frühjahr sorgte Lehmann mit Stirnbandklau und Schuhwurf für Schlagzeilen, im Sommer gab es Stress mit dem Arbeitgeber, weil er sich kurz nach einer bitteren Niederlage bestens gelaunt auf der Wies’n tummelte. Markus Babbel und Horst Heldt waren semibegeistert und erteilten eine Geldstrafe. Damals zeigte Lehmann noch Verständnis für die Sanktion der Clubführung. Wenige Monate später dagegen scheint das Enfant terrible völlig außer Rand und Band.

Dr. Lehmann & Mr. Jens

Nachdem der VfB Stuttgart wegen akuter Punktflaute Jungtrainer Babbel Anfang letzter Woche entließ, mutierte Dr. Lehmann einmal mehr zu Mr. Jens und kritisierte die Entscheidung der Chefetage öffentlich. Hotte & Co sprachen dafür wenig überraschend eine Geldstrafe aus, „Zahl ich nicht!“, pöbelte der Hobby-Ornithologe mit der ausgewachsenen Vollmeise zurück. Nicht übel, sprach der Dübel, zusammen mit der Pinkelaffäre alles in allem eine ziemlich ordentliche Schlagzeilenwoche, dachte man sich als neutraler Beobachter.

Die Verantwortlichen hingegen wollten den ganzen Lehmannschen Zirkus so klein wie möglich halten und versicherten der Öffentlichkeit, dass ihr Keeper die ganze Aufregung um seine Person mit einer herausragenden Leistung im Sonntagsspiel bei Mainz 05 beenden werde. Nun ja, Lehmann buchte gestern einmal mehr das Riesen-Trottelpaket und versaute seinem Neu-Trainer Gross mit einem komplett überflüssigen Elfmeter in den Schlussminuten den Einstand und seinem Team einen Auswärtsdreier, der dem VfB in der derzeitigen Situation ganz gut gestanden hätte.

Als wenn das alles nicht schon blöd genug wäre, soll sich der begeisterte Backyard-Wrestler auf der Flucht aus dem Stadion noch eine kleine Rauferei mit einem Fan geliefert haben, bei der er dem enttäuschten Anhänger in bester Schulhof-Kloppereimanier die Brille weggenommen haben soll. Glück im Unglück für die Stuttgarter: Lehmann sah bei seiner Tätlichkeit gegen Bancé die rote Karte und wird als Wiederholungstäter wohl erst einmal etwas aus dem Verkehr gezogen. Eine elegantere Lösung hätte Horst Heldt selbst wohl gar nicht finden können.

(Bild: commons.wikimedia.org)

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