„Und jetzt Zugabe!“

Wir blicken zurück auf ein großes WM-Finale mit einem wunderbar nüchternen Kommentar: WM 1986, GER – ARG mit Rolf Kramer.

Was ärgert man sich dieser Tage über Fußball-Kommentatoren im TV. Von nervtötenden Sky- und DSF-Knallchargen mal ganz zu schweigen, gehen einem selbst Edelredner wie Marcel Reif mehr und mehr auf den Geist, Beckmann war noch nie zu ertragen und selbst Charakterfasler wie Gerd „Rubi“ Rubenbauer gibt es nicht mehr. Kompetenz gab es beim Bayern zwar nie, dafür jede Menge Unterhaltung, eine gehörige Portion Fußballpatriotismus und südländischen Charme.

Dass es auch anders geht, zeigt sich, wenn man in die WM-Klassikersammlung  schaut. WM-Finale 1986 mit ZDF-Mann Rolf Kramer. Der Beweis, dass Kommentieren nicht Plappern, Faseln, Drechseln oder Metaphorisieren heißen muss. Kramer beschreibt vor allem das, was die Zuschauer nicht sehen können („Die deutsche Bank springt auf“, „die deutschen Spieler liegen auf dem Boden“), ansonsten bemüht er sich in rührender Art um Neutralität und Zurückhaltung, beides ein unmögliches Unterfangen in solch einem Spiel als deutscher Reporter. Mehr als einmal entschuldigt sich Kramer gar beim Millionenpublikum für seine vermeintlichen Verbalentgleisungen.

In aller Nüchternheit kommt auch der Romantiker durch („Eine Taube am Rand des Bilds, die Kamera wird weggehen…“), und nach dem Ausgleich auch der Fan („Und jetzt steh‘ ich auf“) – alles in allem ein wunderbares Stück TV-Geschichte. Hier im kondensierten Format:

Autor: Fränck von Schleck

Fränck von Schleck ist in seiner Heimat eine veritable Legende. Als erster luxemburgischer Blogger überhaupt zog er aus, das gemütliche Kleinherzogtum im Herzen Europas in aller Fußballwelt bekannt zu machen. Der alte Spezi von Buli-Urgestein Jeff Strasser kann den nötigen Draht in die Beletage des internationalen Fußballs vorweisen. Oft angesprochen wird von Schleck auf die bizarren Umlautformationen in seinem Vornamen. Der uneheliche Sohn des bärbeißigen Alttrainers, Tee-Fau-Experten und Weizenanbauers Smudo L. wendete hierfür im Jahre 1994 die damals gültige Zweipunkteregel an. Der smarte Beneluchs wollte damit nach Insiderinformationen speziell in seiner Wahlheimat Berlin (Ost) günstig Sympathiepunkte hamstern. Die letzeburger Labertasche schreibt nach eigener Aussage über alles, was ihm unter die flinken Finger kommt. Saufkumpan Strasser rang ihm am Ende einer mehrtägigen Zechtour weiland das Versprechen ab, mit besonderer Inbrunst über den strauchelnden Pfälzer Traditionsverein zu berichten, bei dem Strasser einst beschäftigt war. Aber auch sonst gibt es kaum ein Thema, das vor der spitzen Feder von der Lützelburg sicher wäre.

6 Gedanken zu „„Und jetzt Zugabe!““

  1. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich eine Sache noch genialer finde als den Kommentator: die wunderbare Farbgebung unter den deutschen Spielernamen! Mit viel Liebe zum Detail wird hier die deutsche Fahne einfach einmal in schwarz-gelb-rot umgewandelt. Ob man deswegen wohl 23 Jahre später noch Einspruch bei der FIFA einlegen und ein Wiederholungsspiel erzwingen könnte? Wegen Mobbing oder so…

  2. Finde ich auch! Denn, wenn man nach dem 2:2 so offensiv spielt, dann hat man es nicht verdient, dass man gewinnt (O-Ton von H-P B)

  3. Es gibt keinen Schönheitspreis in diesem Finale, für die Argentinier nicht und ganz gewiss nicht für unsere Manschaft. Sie wackelt, sie wankt, sie kämpft, sie ist herangekommen, sie ist nicht besiegt und es gibt die vierte Gelbe, diesmal für Enrique. Er ist konsequent, er bleibt bei seiner Linie…

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